Druck auf EZB wächst
Euro steigt, Exporte stocken

Der Euro ist nicht zu bremsen. Die Gemeinschaftswährung wurde am Montag zeitweise mit 1,1739 Dollar gehandelt. Sie näherte sich damit dem Allzeithoch von 1,1899 Dollar am 4. Januar 1999 und lag über dem Ausgabekurs. Nach Einschätzung von Konjunkturexperten wird die Euro-Stärke zu einem ernst zu nehmenden Problem für die deutsche Wirtschaft. Entspannung ist nicht in Sicht: Währungsfachleute rechnen mit einer weiteren Aufwertung des Euros. Der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor gestern in der Spitze fast 5 % an Wert.

pbs/noh/zel/mwb DÜSSELDORF. „Die Inlandsnachfrage ist schwach, wir bräuchten eine starke Auslandsnachfrage, und die wird nun durch die Aufwertung des Euros geschwächt“, sagte der Würzburger Ökonomie-Professor Peter Bofinger. Aus Sicht von Holger Schmieding, Europa-Chefökonom bei der Banc of America, stellt die Aufwertung des Euros „eine erhebliche Belastung“ für die deutsche Konjunktur dar. Ein starker Euro verbilligt zum einen Importe aus dem Ausland, zum anderen verteuert er deutsche Produkte auf dem Weltmarkt und schwächt die ausländische Nachfrage nach deutschen Produkten.

Ursache für den Anstieg des Euro-Kurses sind nach Ansicht von Beobachtern jüngste Äußerungen der US-Regierung, die auf ein Interesse an einer weiteren Dollar-Abwertung hindeuten (siehe Kasten). Außerdem steigt die Euro-Nachfrage seit Monaten wegen des großen Zinsunterschieds zwischen Euro-Zone und USA. Die Leitzinsen sind in der Euro-Zone mit 2,5 % doppelt so hoch wie in den USA. Das lockt ausländische Investoren in Euro-Anleihen.

Der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB), die Leitzinsen zu senken, um einen weiteren Euro-Anstieg zu bremsen, ist in den vergangenen Wochen gewachsen. Bundesbank-Präsident Ernst Welteke sagte gestern, er sehe Spielraum für eine Zinssenkung. EZB-Chef Wim Duisenberg betonte, ein starker Euro halte die Inflation niedrig. Duisenberg hatte jüngst gesagt, der Euro-Dollar-Kurs befinde sich in der Nähe historischer Durchschnittswerte: „Das haben wir erwartet, und das begrüßen wir.“

Allerdings ist der starke Euro nach Auffassung der exportorientierten Branchen der deutschen Industrie zu einer Belastung geworden. Automobilhersteller wie Volkswagen, Daimler-Chrysler und BMW werden noch mehr sparen, um der Aufwertung des Euros zu begegnen. Bernd Gottschalk, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), deutete gestern an, „dass die jetzige Entwicklung zu einer Aufstockung der laufenden Kostensenkungsmaßnahmen führt“. In den Ergebnissen des ersten Quartals hatte sich der Absturz des Dollars schon niedergeschlagen: Der VW-Ertrag brach allein wegen veränderter Währungsrelationen um 400 Mill. Euro ein. „Die Schmerzgrenze ist überschritten“, sagte eine Sprecherin des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Die gesamte Branche bekomme die Dollar-Schwäche zu spüren.

Ein Ende des Euro-Höhenfluges ist nach Einschätzung der Investmentbank Merrill Lynch nicht in Sicht. Chefstratege Michael Hartnett rechnet mit einer weiteren kräftigen Aufwertung des Euros, weil der Zinsunterschied zwischen Euro-Zone und den USA bestehen bleibe: „Die US-Notenbank fürchtet eine Deflation und hält die Zinsen weiter extrem niedrig.“ Er sieht den Euro am Jahresende bei 1,25 Dollar, im Juni 2004 gar bei 1,33 Dollar.

Dagegen trat Duisenberg Befürchtungen entgegen, es gebe die Gefahr einer Deflation. Ähnlich äußerte sich Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%