Druck auf schnelle Zinssenkung
Britischer Immobilienmarkt bricht ein

Nach einer Reihe schwacher Konjunkturdaten wächst die Wahrscheinlichkeit, dass die britische Zentralbank bereits in dieser Woche ihre Leitzinsen senkt. Den Ausschlag könnte der Verfall der Hauspreise geben.

LONDON. Jahrelang waren britische Hausbesitzer an zweistellige Wertzuwächse gewöhnt. Doch aufgrund der Finanzkrise scheint sich das Blatt nun endgültig zu wenden. Die Hauspreise sackten im März um 2,5 Prozent zum Vormonat ab, meldete HBOS, die größte Hypothekenbank des Landes. Das war der stärkste Einbruch seit mehr als 15 Jahren. Anfang der 90-er Jahre hatte die Insel die letzte große Krise am Immobilienmarkt erlebt, die das Land in eine Rezession stürzte.

„Es ist die richtige Zeit, um der Wirtschaft zu helfen“, sagte der britischen Premierminister Gordon Brown in einem BBC-Interview. Zuvor hatte er angekündigt, dass die britische Regierung „alles in ihrer Macht stehende tun“ werde, um den Hausbesitzern zu helfen. Die Bank of England könne die Geldpolitik lockern, da Erfolge im Kampf gegen die Inflation erzielt worden seien. Volkswirte hatten für März nach einem Minus von 0,3 Prozent im Vormonat nur einen moderaten Rückgang der Hauspreise um 0,4 Prozent erwartet. „Wir müssen uns wohl auf eine längere Periode fallender Immobilienpreise einstellen“, warnte Volkswirt George Buckley von der Deutschen Bank. Die Daten seien ein weiterer Grund für die Bank of England (BoE) die Zinsen bereits an diesem Donnerstag zu senken. Seit Ausbruch der Finanzkrise hat die BoE ihre Leitsätze drei Mal auf 5,25 Prozent gesenkt. Damit sind die Zinsen auf der Insel aber noch immer die höchsten in den westlichen Industriestaaten. Die Erwartung einer schnellen Zinssenkung ließ am Dienstag die britische Währung mit 79,88 Pence je Euro auf ein neues Tief absacken. Auch am Aktienmarkt gerieten die Kurse unter Druck.

Volkswirte befürchten, dass ein Einbruch am Häusermarkt den privaten Konsum schwächt und die ohnehin angeschlagene britische Konjunktur weiter beschädigt. Nach einem Wirtschaftswachstum von drei Prozent rechnet die Mehrheit der Analysten in diesem Jahr mit einer Halbierung auf 1,5 Prozent. Aber immer mehr Experten halten auch eine Rezession auf der Insel für wahrscheinlich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%