Effekte der Steuerreform
Laune der Verbraucher hebt sich allmählich

Die wachsende Hoffnung auf bessere Zeiten hebt derzeit die Laune der deutschen Verbraucher. Noch halten aber die hohe Arbeitslosigkeit und die Ungewissheit über zukünftige Sozialabgaben die Konsumenten vom Geldausgeben ab. Dabei könnte gerade deren Kauflust wegen des schwächelnden Exports für einen Aufschwung immer wichtiger werden.

Reuters BERLIN. „Noch ist es mehr ein Hoffnungswert als eine tatsächliche Verbesserung“, kommentierte Bernd Weidensteiner von der DZ Bank den Anstieg des Konsumklimaindikators der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Der auf Basis einer Verbraucher-Umfrage berechnete Indikator legte für August auf 4,5 von 4,2 Zählern im Juli zu. Wie schon bei der Unternehmensumfrage zum Ifo-Index verbesserten sich auch bei den Verbrauchern im Juli nur die Erwartungen: Ihre zukünftige Einkommenslage und auch die Konjunkturentwicklung bewerteten die Befragten zuversichtlicher.

Die monatliche Umfrage unter rund 2 000 Personen im Auftrag der EU-Kommission zeigt dem GfK-Konsumexperten Rolf Bürkl zufolge, dass die Verbraucher zunehmend davon ausgehen, dass die deutsche Wirtschaft das Schlimmste hinter sich hat. Auch ihre zukünftigen Finanzen schätzten die Verbraucher weniger skeptisch als bislang ein. „Neben den verbesserten Konjunkturerwartungen wirken vermutlich das Vorziehen der Steuerreform, stabile Preise und steigende Aktienkurse positiv auf die Einkommensstimmung“, sagte Bürkl mit Blick auf die moderate Inflationsrate von rund einem Prozent. Weidensteiner sieht den Hauptgrund für den wachsenden Optimismus darin, dass Bewegung in die politische Reformdebatte gekommen sei.

Allerdings bleiben die Verbraucher vorerst weiter wenig spendabel. Die Bereitschaft der Menschen, langlebige Produkte wie Kühlschränke oder Fernseher zu kaufen, nahm im Juli sogar wieder ab. „Die Leute wollen offensichtlich das Geld erstmal im Geldbeutel sehen, bevor sie es dann in Kaufentscheidungen umsetzen“, sagte Andreas Scheuerle von der Deka Bank.

Experten: Zeichen für steigenden Konsum mehren sich

Bürkl geht dennoch davon aus, dass sich der private Konsum, auf den in Deutschland fast 60 % des Bruttoinlandsprodukts entfallen, etwas beleben dürfte. Auch vom Einzelhandel, den die Kaufunlust der Deutschen besonders schwer getroffen hat, gab es zuletzt zuversichtlichere Äußerungen. „Eine grundlegende Erholung setzt allerdings eine spürbare Besserung auf dem Arbeitsmarkt voraus“, schränkte Bürkl ein.

Gustav Horn vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) wertete die bereits leicht gestiegenen Konsumausgaben als Zeichen für einen baldigen Aufschwung. „Es gibt sicherlich einen gewissen Hoffnungsschimmer, aber man muss vorsichtig sein“, sagte der Forscher dem DeutschlandRadio. Wie die anderen fünf Forschungsinstitute geht das DIW von einem Anziehen des Wirtschaftswachstums 2004 aus.

Mehr als bislang könnten dabei die Verbraucher die deutsche Wirtschaft voranbringen. „Man hat fast den Eindruck, dass sich die Hoffnung jetzt vom Export auf die Binnenwirtschaft verlagert“, sagte Weidensteiner. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) geht in seiner Prognose für 2004 davon aus, dass der Außenhandel nur 0,1, der private Konsum dagegen 1,0 %punkte zum erwarteten Wachstum von 1,8 % beiträgt. Ein Signal für einen möglicherweise lahmenden Export lieferten auch die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer, die nach Angaben ihres Verbands (VDMA) im Juni erneut einen Einbruch ihres Auslandsgeschäfts verbuchten.

Scheuerle bleibt dagegen skeptisch: „In anderen Ländern könnte der Privatkonsum eine Erholung tragen, aber in Deutschland nicht.“ Der Außenbeitrag habe ein zu hohes Gewicht. Deutschland sei noch weit von einer so robusten Konsumkonjunktur wie in den USA entfernt. Auch dort reagierten die Konsumenten jedoch zuletzt verschnupft auf die relativ schlechte Arbeitsmarktlage, das Verbrauchervertrauen brach im Juli ein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%