Ein Jahr nach Lehman
Bernanke bleibt vorsichtig

Der Chef der US-Notenbank Federal Reserve, Ben Bernanke, hat das Ende der Rezession in den USA verkündet. Gleichzeitig schränkte er das jedoch wieder durch einige mahnende Worte ein – und betont die Bedeutung der Märkte für die Bankenregulierung.

FRANKFURT. "Auch wenn die Rezession technisch betrachtet sehr wahrscheinlich zu Ende ist, wird die Konjunktur noch einige Zeit einen sehr schwachen Eindruck vermitteln", sagte Bernanke im Anschluss an eine Rede in Washington.

Dem sogenannten Schattenbankensystem und der damit zusammenhängenden Kreditverbriefung sagte der Notenbankchef eine längere Durststrecke und eine schärfere Regulierung voraus. Zum Schattenbankensystem werden in der Regel die nicht oder kaum regulierten Hedge Fonds sowie Zweckgesellschaften von Banken gezählt, die vor allem dazu dienten, Aktivitäten aus der Bilanz zu entfernen und unreguliert betreiben zu können. "Ich gehe davon aus, dass das Schattenbankensystem nicht zu seiner früheren Größe zurückfinden wird, jedenfalls nicht auf mittlere Sicht", prognostizierte Bernanke.

In seiner Rede vor der Forschungsgesellschaft Brookings Institution forderte der Notenbankchef die Regulierer in den USA auf, sich auf die gegenseitigen Abhängigkeiten von Unternehmen und Märkten zu konzentrieren, um eine erneute Akkumulation von Risiken im Finanzsystem zu verhindern. Es seien vor allem diese gegenseitigen Abhängigkeiten von Finanzinstituten und Finanzmärkten, die die Stabilität des Systems gefährden könnten.

Die Ansichten des Fed-Chefs sind besonders wichtig, weil der Notenbank nach den Plänen des Finanzministeriums künftig eine Schlüsselrolle bei der Aufsicht über die größten Finanzinstitute zukommen soll. Finanzminister Timothy Geithner war zuvor Präsident der Federal Reserve Bank von New York, der wichtigsten regionalen Filiale der Notenbank. Noch ist allerdings nicht sicher, ob die Pläne von Geithner im Parlament eine Mehrheit finden werden.

Der von Bernanke in seiner Rede betonte Ansatz würde darauf hinauslaufen, dass die Risikomodelle jeder einzelnen Bank an Gewicht verlieren und dafür sogenannte Stress-Tests für Banken und Bankengruppen an Gewicht gewinnen, bei denen große Preisänderungen und Liquiditätseinbrüche gleichzeitig auf verschiedenen Finanzmärkten simuliert werden. Ein solches Vorgehen hat jüngst explizit Fed-Gouverneur Daniel Tarullo vorgeschlagen.

Bernanke warnte, dass die Welt immer noch "schwierige Herausforderungen" zu bestehen habe. "Es gibt weiterhin in vielen Finanzmärkten rund um den Globus Krisensignale, Finanzinstitute müssten weitere Verluste verkraften, und viele Unternehmen und Haushalte haben Schwierigkeiten, an Kredit zu kommen.

Der Elan verpufft

Die Rede von Ben Bernanke und der Auftritt von Barak Obama am Vortag können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Elan in den USA in Sachen Finanzreform erlahmt. Gesetzesinitiativen im Parlament dümpeln vor sich hin. „Wenn die Zeiten

wieder gut sind, läuft die Erinnerung Gefahr zu verblassen“, umschreibt Charles Dallara vom International Institute of Finance (IIF), dem Weltverband der inanzbranche, die Stimmung. Jetzt soll beim G20-Gipfel in Pittsburgh Konkreteres folgen.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
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