Einbußen im Einzelhandel
Deutsche geben sich beim Einkaufen knickerig

Die Experten sind verwundert: Trotz starker Konjunktur, sinkender Arbeitslosigkeit und anstehender Mehrwertsteuer-Erhöhung haben die deutschen Einzelhändler im Oktober nach offiziellen Zahlen weniger verkauft. Die Analysten haben einen Verdacht, woran das liegen könnte.

HB BERLIN. Der Umsatz der Branche sei nominal um 0,3 Prozent und preisbereinigt (real) um 0,2 Prozent zum September gesunken, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Bereits im September waren die Umsätze um knapp 3 Prozent zurückgegangen. Nach Einschätzung von Volkswirten passen die Daten immer weniger zur guten Konjunktur und den positiven Arbeitsmarktzahlen. Auch im Vergleich zum vergangenen Jahr schlossen die Einzelhändler den Oktober mit nominal 0,3 Prozent weniger in den Kassen ab. Real verkauften sie sogar 0,8 Prozent weniger.

Der große Schwung sei nicht zu sehen, sagte Ralph Solveen von der Commerzbank. „Wenn man die Daten ernst nimmt, sind sie schlecht.“ Analysten hatten mit einem realen Plus von 1,5 Prozent zum September und von 1 Prozent zum Vorjahresmonat gerechnet. Sie zeigten sich angesichts der positiven Konjunkturdaten skeptisch, dass die Daten zuverlässig seien. Der Handel habe in den vergangenen Jahren immer weniger Anteil am privaten Konsum, erläuterte Peter Meister von der BHF-Bank: „Es gibt neue Vertriebsformen, und Dienstleistungen werden bedeutender.“

Bei einigen Produktgruppen sind Solveen zufolge die Vorzieheffekte durch die Mehrwertsteuererhöhung zu sehen. So konnte der Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln 1,2 Prozent mehr absetzen als vor einem Jahr und ein nominales Umsatzplus von 0,6 Prozent verzeichnen. Dabei liefen vor allem Einrichtungsgegenstände, Haushaltsgeräte und Baubedarf gut: real plus 4,6 Prozent im Vorjahresvergleich. Die Verkäufer von Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren verkauften dagegen real 3,9 Prozent weniger als vor einem Jahr und nahmen 1,5 Prozent weniger ein. Die stärksten Einbußen musste der Versandhandel mit knapp 6 Prozent verkraften.

Insgesamt hat die Branche in diesem Jahr bisher von Januar bis Oktober real 0,2 Prozent mehr verkauft als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. In den Kassen konnten die Einzelhändler ein Plus von 0,9 Prozent verbuchen. Auch das Weihnachtsgeschäft dürfte gut laufen, sagte Meister. Wegen der Erhöhung der Mehrwertsteuer werde es wohl eine kleine Delle im ersten Quartal geben, aber insgesamt laufe die Konjunktur gut: „Es gibt also keinen Grund für das nächste Jahr pessimistisch zu sein.“

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