Einkaufsmanager-Index
Deutsche Industrie heimst weniger Aufträge ein

Die deutsche Industrie lässt es zu Beginn des zweiten Halbjahres etwas ruhiger angehen. Die Unternehmen fuhren im Juli ihre Produktion leicht herunter und zogen auch weniger Aufträge an Land. Experten zufolge schlägt der starke Euro allmählich auf das Exportwachstum durch.

HB BERLIN. Zu schaffen machte den 500 befragten Betrieben die nachlassende Binnennachfrage sowie die Preisexplosion bei Rohstoffen und Vormaterialien, wie das britische Forschungsinstitut NTC am Mittwoch mitteilte. Die Auftragsbücher bleiben aber gut gefüllt. Deshalb stockten die Firmen ihr Personal weiter auf.

Der NTC/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) sank wie erwartet auf 56,8 von 57,3 Punkten im Vormonat und signalisiert damit ein etwas geringeres Wachstum. Damit mehren sich die Zeichen, dass der Aufschwung seine besten Zeiten schon hinter sich hat.

Zuvor hatten bereits das Ifo-Geschäftsklima und die ZEW-Konjunkturerwartungen eine langsamere Gangart angedeutet. „Das Wachstum bleibt dennoch robust“, sagte NTC-Chefvolkswirt Chris Williamson. Die deutsche Industrie stehe besser da als ihre Konkurrenten in Frankreich, Italien und Spanien. In der Euro-Zone gab der RBS/NTC-Einkaufsmanager-Index um 0,7 auf 54,9 Punkte nach und bleibt damit auf einem niedrigerem Niveau als der deutsche EMI.

Die Nachfrage nach deutschen Industrieprodukten im Inland wuchs nicht mehr so kräftig wie zuletzt. Dagegen blieb die Exportnachfrage trotz des starken Euro stabil, weil besonders aus China und den USA viele Bestellungen eingingen. „Es geht aber ein bisschen zu weit, wenn man sagt, Deutschland sei immun gegen die Euro-Aufwertung“, betonte Williamson. „Es gibt Belege, dass sie sich allmählich auf das Exportwachstum durchschlägt.“

Sorge bereiten den Unternehmen die enorm gestiegenen Preise für Rohstoffe. „Preistreibend wirkten sich vor allem die Verteuerung von Öl und Stahl sowie von importierten Vormaterialien aus China aus“, hieß es. Die höheren Kosten konnten die Betriebe nicht in gleichem Maße an ihre Kunden weiterreichen. „Das drückt die Gewinnmargen“, sagte Postbank-Volkswirt Brian Mandt.

Experten sehen die Industrie trotz des schwächeren Wachstums weiter in guter Form. „Die Exportaufträge zeigen, dass die Wirtschaft läuft und die Auftragslage sehr gut ist“, sagte Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim. „Es ist weiter viel Dampf im Kessel.“

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