Einkaufsmanager-Index sinkt
Geschäfte der deutschen Industrie laufen schlecht

Die Perspektiven für die deutsche Konjunktur haben sich leicht getrübt. Die Lage in der Industrie hat sich im August unerwartet deutlich verschlechtert. Das signalisiert der Einkaufsmanager-Index des britischen Forschungsinstitutes NTC für Deutschland (EMI). Das Barometer sank auf den niedrigsten Wert seit mehr als zwei Jahren und zeigt ein Schrumpfen der Geschäftsaktivitäten an. Auch der Index für die Euro-Zone ging zurück – allerdings nur leicht. Die Indizes basieren auf monatlichen Umfragen unter Einkaufsmanagern.

doh DÜSSELDORF. Ökonomen hatten erwartet, dass sich die Lage der Industrie verbessert. „Das Ergebnis ist überraschend – aber kein Grund, unsere Prognose für das dritte Quartal zu verändern“, sagte Andreas Scheuerle von der Deka-Bank. Er erwartet, dass die deutsche Wirtschaft um 0,3 Prozent im Vorquartalsvergleich zulegen wird. Auf Grund der aktuellen Zahlen sei das aber „das Maximum“.

Der Einkaufsmanager-Index für Deutschland ist im August auf 48,7 von 49,8 Punkten im Juli gesunken– und liegt damit unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Damit signalisiert das Barometer schrumpfende Geschäftsaktivitäten.

Hauptursache für die Verschlechterung der Lage in der Industrie ist aus Sicht von Volkswirten der hohe Ölpreis. Der Vorsitzende des Sachverständigenrates, Bert Rürup, bezeichnete den hohen Ölpreis gestern als das derzeit „entscheidende Wachstumsrisiko“. Bei unveränderten Wechselkursen bedeute ein dauerhaft um zehn Prozent erhöhter Ölpreis einen Wachstumsverlust von 0,1 Punkten, sagte Rürup der Nachrichtenagentur Dow Jones. Ob es sich bei den gegenwärtigen Ölverteuerung um eine dauerhafte Entwicklung handele, sei noch nicht ausgemacht. Auch der Konjunkturexperte des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs (HWWA), Eckhardt Wohlers, sieht den starken Anstieg der Energiepreise als eine wesentliche Ursache für die verschlechterte Lage. Daneben hält er ein „gewisses Spannungsverhältnis vor der Wahl“ für ausschlaggebend für ein „Dahindümpeln“ der deutschen Konjunktur. Sowohl Unternehmer als auch Verbraucher warteten bis zur Entscheidung am 18. September ab, sagte Wohlers. Je nachdem, ob eine konservativ-liberale Regierung oder eine große Koalition gewählt werde oder die Linkspartei mit an die politische Macht käme, sei eine andere Wirtschaftspolitik zu erwarten.

Auch in Italien hat sich die Situation der Industrie verschlechtert. Aus Frankreich und Spanien kamen dagegen positive Nachrichten. Im Ergebnis sank der Einkaufsmanager-Index in der Euro-Zone leicht um 0,4 auf 50,4 Punkte. „Insgesamt sprechen die Daten gegen eine stärkere Belebung der Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte, zumal von den anziehenden Rohölnotierungen weitere Bremsspuren zu erwarten sind“, kommentierten die Volkswirte der Commerzbank. Die Lage der Konjunktur im Euroraum bleibe labil; ein sich selbst tragender Aufschwung sei „nicht in Sicht“.

Auch in den USA ist der Einkaufsmanager-Index im August stärker als erwartet gesunken – er blieb allerdings auf höherem Niveau als in der Euro-Zone und Deutschland. Das Barometer sank auf 53,6 von 56,6 Punkten im Vormonat, teilte das Institute for Supply Management (ISM) gestern mit.

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