Einkaufsmanager-Indizes signalisieren hohen Stellenzuwachs
Amerikanischer Jobmotor läuft auf vollen Touren

Die Beschäftigung in der US-Wirtschaft könnte im Mai deutlich stärker gestiegen sein als Volkswirte es bislang erwarten – dafür sprechen wichtige Frühindikatoren zur Job-Entwicklung. Die viel beachteten Konjunktur-Barometer des Institute for Supply Management (ISM), die auf Umfragen unter Einkaufsmanagern in der Service-Branche und der Industrie basieren, signalisieren: Im Mai kletterten die Neueinstellungen in den US-Unternehmen auf ein Rekordhoch.

ost DÜSSELDORF. „Für sich betrachtet deuten die Indikatoren auf einen Beschäftigungsanstieg um rund 400 000 hin“, sagt Ethan Harris, US- Volkswirt bei der Investmentbank Lehman Brothers in New York. Bislang rechnen Ökonomen im Schnitt damit, dass die Zahl der Jobs gegenüber April um 225 000 gestiegen ist. Am heutigen Freitag veröffentlicht das US-Arbeitsministerium erste vorläufige Zahlen zur Beschäftigungsentwicklung im Mai.

Den ISM-Indikatoren zufolge entstanden im vergangenen Monat sowohl in der Dienstleistungsbranche wie auch in der Industrie deutlich mehr neue Jobs als Volkswirte erwartet hatten. Im Service-Sektor kletterte das Barometer für die Beschäftigungsentwicklung auf 56,3 Punkte von zuvor 54,5 und erreichte das zweithöchste Niveau seit Beginn der Umfrage im Jahr 1997, meldete das Institut am Donnerstag. Werte über 50 Punkte deuten auf wachsende Beschäftigung hin. Zwei Tage zuvor hatte das Institut bereits berichtet, dass das Job-Wachstum in der Industrie sogar auf den höchsten Stand seit 1973 geklettert war. „Der US-Arbeitsmarkt nimmt endlich auch an der Wirtschaftserholung teil“, kommentiert Harris. „Das Gesamtbild ist ein sehr gesundes“, meint auch Stephen Stanley, Chefvolkswirt des Finanzhauses RBS Greenwich Capital.

Bis ins Frühjahr 2004 erschien der Arbeitsmarkt als die mit Abstand größte Schwachstelle der US-Konjunktur: Obwohl die amerikanische Wirtschaft seit dem vergangenen Sommer so stark gewachsen war wie seit rund 20 Jahren nicht, strichen die US-Unternehmen bis zum Jahresende Arbeitsplätze – die Angst vor einer „jobless recovery“, einem Aufschwung ohne Jobs, griff daher immer mehr um sich. Auf Dauer hätte eine solche Entwicklung die gesamte US-Konjunkturerholung untergraben. Denn ohne ein nachhaltiges Stellenwachstum hätten die US-Verbraucher ihren Konsum früher oder später zurückfahren müssen. Dies wäre wahrscheinlich das Ende der Wirtschaftserholung gewesen – schließlich war der private Verbrauch bislang eine der zentralen Triebkräfte für das US-Wachstum.

Nachdem allein im März und im April zusammen 625 000 neue Arbeitsplätze entstanden sind, haben sich diese Sorgen weitgehend erledigt. Inzwischen gehen immer mehr Investoren davon aus, dass die US-Notenbank Fed wegen der deutlichen Besserung auf dem Arbeitsmarkt noch im Juni anfängt, die Leitzinsen zu erhöhen. „Freitag ist der Tag der Entscheidung, sagte Michael McGlone, Zinsexperte bei ABN Amro in New York. „Solange die Arbeitsmarkt-Zahlen nicht deutlich unter den Erwartungen liegen, ist es so gut wie sicher, dass die Fed noch in diesem Monat anfängt zu erhöhen.“ McGlone rechnet mit einem Zinsschritt in Höhe von 25 Basispunkten. Derzeit liegen die US-Leitzinsen bei 1 %, dem niedrigsten Niveau seit mehr als 40 Jahren.

Inzwischen aber befindet sich die US-Wirtschaft klar im Aufschwung: Die Geschäftsaktivitäten des Dienstleistungssektors waren im Mai weiter deutlich auf Expansionskurs – der ISM-Index lag mit 65,2 Punkten weiter deutlich über der Wachstumsschwelle von 50. Im Vergleich zum Vormonat hat sich das Wachstumstempo allerdings leicht abgeschwächt, das Barometer sank um 3,2 Punkte. Die Arbeitsproduktivität im Unternehmenssektor ist im ersten Quartal revidierten Zahlen zufolge mit einer Jahresrate von 4,6 Prozent gestiegen – das Plus war etwas stärker als zunächst gemeldet.

Quelle: Handelsblatt

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