Einkaufsmanagerindex
„Daten deuten auf robustes Wachstum hin“

Unerwartet stark hat in Deutschland die Erholung bei Dienstleistern und Industrie an Fahrt gewonnen. Das zeigt der aktuelle Einkaufsmanagerindex für November. Jedes dritte deutsche Unternehmen erwartet außerdem für 2010 ein Produktionsplus. Die Wirtschaft in der Euro-Zone gewinnt ebenfalls an Schwung.
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HB BERLIN. Die Industrie profitierte von deutlich anziehenden Aufträgen, die so stark wuchsen wie seit August 2007 nicht, wie die Marktforscher von Markit am Montag zu ihrer Umfrage unter etwa 1000 Unternehmen mitteilten. Dahinter steht einerseits eine anziehende Nachfrage aus dem Ausland, andererseits der Aufbau von Lagerbeständen, die in der Krise kräftig reduziert wurden. Ihre Produktion fuhr die Industrie so kräftig nach oben wie seit 18 Monaten nicht mehr. Dennoch bauten die Unternehmen mehr Stellen ab als im Vormonat.

Der Markit/BME-Einkaufsmanagerindex für die Industrie stieg um 1,0 auf 52,0 Punkte. Von Reuters befragte Analysten hatten mit lediglich 51,7 Punkten gerechnet. Damit erreichte das Barometer den höchsten Stand seit 17 Monaten und notierte zudem den zweiten Monat in Folge über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. „Die Industrie ist der wichtigste Wachstumstreiber für die deutsche Wirtschaft“, sagte Markit-Volkswirt Tim Moore. Angesichts der steigenden Kapazitätsauslastung sei damit zu rechnen, dass der Stellenabbau an Fahrt verliere.

Auch die Dienstleister weiteten ihre Geschäfte aus. Der Einkaufsmanagerindex stieg hier auf 51,5 Punkte von 50,7 Zählern im Oktober. Experten hatten einen Anstieg auf lediglich 51,2 Punkte erwartet. Allerdings wuchsen die Aufträge erstmals seit Juli schwächer als im Vormonat. Zugleich leerten sich die Auftragsbücher mit steigender Geschwindigkeit. Auch die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate trübten sich erneut ein. Die Firmen reduzierten in der Folge die Zahl ihrer Mitarbeiter leicht.

Der Composite-Index, der Industrie und Dienstleister zusammenfasst, stieg auf 53,5 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit drei Monaten. Zudem notierte das Barometer über seinem langjährigen Durchschnitt. Die deutsche Wirtschaft hat sich im Frühjahr aus der Rezession gelöst, das Wachstum hat im Sommer spürbar an Fahrt gewonnen. Für das Gesamtjahr erwartet Bundeskanzlerin Angela Merkel dennoch ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um mindestens 4,5 Prozent – das wäre der mit Abstand stärkste Rückgang seit Gründung der Bundesrepublik.

Im kommenden Jahr will jedes dritte deutsche Unternehmen seine Produktion hochfahren. 34 Prozent rechnen mit einem Wachstum, wie das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) am Montag zu seiner Umfrage unter 1800 Firmen mitteilte. „Eine wirklich kräftige Erholung der Konjunktur ist damit aber noch nicht verbunden“, hieß es. Immerhin 21 Prozent der Betriebe erwarten eine Produktionskürzung. Am freundlichsten werden die Aussichten in der Vorleistungs- und Konsumgüterindustrie beurteilt. Dagegen dominieren in der Bauwirtschaft die Skeptiker.

27 Prozent der Unternehmen setzen auf steigende Exporte, 18 Prozent stellen sich dagegen auf Einbußen im Auslandsgeschäft ein. Die meisten Betriebe bleiben bei Investitionen zurückhaltend. 29 Prozent wollen weniger investieren als in diesem Jahr, 22 Prozent wollen mehr ausgehen. Der Aufschwung in Deutschland nach dem Ende der Rezession bleibe „ein mühsamer Prozess“, sagte IW-Chef Michael Hüther.

Mehr als jedes zweite Unternehmen in Deutschland will seine Mitarbeiterzahl stabil halten. 17 Prozent wollen ihre Belegschaft sogar aufstocken. „Trotz des eher schleppenden Aufschwungs sieht es für die Beschäftigungsentwicklung nicht so düster aus wie zuletzt befürchtet“, schrieb das IW.

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