Einkaufsmanagerindex Deutschland und Eurozone
Industrie und Dienstleister schrumpfen

Nach der Industrie sind nun überraschend auch die deutschen Dienstleister in die Minus-Zone gerutscht. Die Firmen des Servicesektors blickten zudem so negativ in die Zukunft wie noch nie seit Beginn der Erhebung 1997. Auch die private Wirtschaft in der Euro-Zone schrumpfte im September – so stark wie seit Ende 2001 nicht mehr. „Die Signale stehen eindeutig auf Abschwung“, meinen Volkswirte.

HB BERLIN. Dies sind Befunde des vorläufigen Markit-Einkaufsmanagerindex, der am Dienstag veröffentlicht wurde. Das Barometer, das die Geschäftstätigkeit der Dienstleister misst, sank auf 49,3 Punkte und damit deutlich unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Volkswirte hatten lediglich mit einem Rückgang auf 50,6 Punkte gerechnet.

Der BME/Markit-Industrie-Index lag bei 48,1 Punkten, zuletzt hatte er im Juli 2003 dieses Niveau erreicht. Hier hatten die befragten Experten mit einem Rückgang auf lediglich 49,2 Punkten gerechnet. Im August war die Industrie erstmals seit drei Jahren geschrumpft.

Die Dienstleister sammelten unter dem Strich weniger Aufträge ein und bauten deswegen ihren Bestand an Bestellungen deutlich ab. Auswirkungen auf das Personal hatte dies jedoch nicht: Die Unternehmen wollten sogar etwas mehr neue Mitarbeiter einstellen. Zugute kommen dürfte ihnen dabei der nachlassende Preisdruck: Die Teuerung ging auf den tiefsten Stand seit Februar zurück. Zugleich reichten wieder mehr Unternehmen als im August ihre höheren Kosten an die Kunden weiter.

Die Industriebetriebe drosselten ihre Produktion so stark wie seit mehr als fünf Jahren nicht mehr und bauten erstmals seit September 2005 Stellen ab. Wegen rückläufiger Aufträge vor allem aus dem Ausland standen so wenige Bestellungen wie nie seit Beginn der Erhebung im September 2002 in den Büchern. Zu schaffen machten den Unternehmen dabei der hohe Kostendruck, der zum Vormonat jedoch leicht nachließ.

Der Markit-Composite-Index, der Industrie und Dienstleister zusammenfasst, sank auf 48,6 Zähler.

„Die deutsche Industrie bewegt sich weiter nahe der Stagnation. Wegen der Abwertung des Euro und des Rückgangs beim Ölpreis hätte man hier auch eine andere Entwicklung erwarten können", meint Volkswirt Brian Mandt von der Postbank. Aber offensichtlich habe das den Abwärtstrend nicht gestoppt. Möglicherweise habe die Verschärfung der Finanzmarktkrise eine Rolle gespielt. „Die Signale stehen eindeutig auf Abschwung.“ Alexander Koch, Volkswirt bei Unicredit, sagt: „Die schlechten Daten für den deutschen Dienstleistungsbereich haben uns wegen der Zuspitzung der Finanzkrise nicht überrascht. Beim Verarbeitenden Gewerbe hatten wir die Schwäche allerdings nicht so erwartet.“ Die Beschäftigung sei unter die Wachstumsschwelle gerutscht. Das lasse darauf schließen, dass der Arbeitsmarktaufschwung ausläuft.

Auch die private Wirtschaft in der Euro-Zone schrumpfte im September – und zwar so stark wie seit Ende 2001 nicht mehr. Vor allem die Industrie berichtete über schwächere Geschäfte, wie aus dem vorläufigen Markit-Einkaufsmanagerindex hervorgeht, der ebenfalls am Dienstag veröffentlicht wurde.

Seite 1:

Industrie und Dienstleister schrumpfen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%