Einkaufsmanagerindex
Eurozone weiter in der Rezession

Die Geschäfte von Dienstleistern im Euroraum sind seit mehr als einem Jahr rückläufig. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Markit-Instituts. Die Unternehmer sehen kurzfristig keine Chance auf Erholung.
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BerlinDie Talfahrt im Euroraum verliert nur leicht an Tempo. Die Geschäfte der Dienstleister sind nunmehr seit 16 Monaten rückläufig, wenngleich nicht mehr so stark wie zuletzt. Der Einkaufsmanagerindex für den Sektor stieg von April auf Mai um 0,2 auf 47,2 Punkte, wie das Markit-Institut am Mittwoch zu seiner Umfrage unter Tausenden Unternehmen mitteilte. Die Versuche der Dienstleister, die Geschäfte in Schwung zu bringen, seien durch die anhaltend geringen Neuaufträge zunichte gemacht worden. Auch in der Industrie schrumpften die Geschäfte weiter. „Die Eurozone bleibt fest im Griff der längsten Rezession seit Einführung der Gemeinschaftswährung“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson.

Zwar verliere der Rückgang an Geschwindigkeit. „Dennoch bleibt die Tatsache bestehen, dass es der Eurozone an jeglichen Wachstumsimpulsen mangelt und es dadurch unwahrscheinlich ist, dass die Region in der näheren Zukunft über eine Stabilisierung hinauskommt“, sagte Williamson. Das spiegelt sich auch in den Geschäftserwartungen der Dienstleister wider: Die Aussichten werden deutlich ungünstiger beurteilt als im Vormonat, alle großen Euro-Staaten sind davon betroffen.

In der Folge bauten die Unternehmen Stellen ab, im Mai fielen so viele Jobs weg wie seit drei Monaten nicht mehr. „Damit sinkt die Zahl der Beschäftigten nunmehr seit Anfang 2012“, schrieben die Experten. Besonders stark betroffen waren die Unternehmen in Frankreich, Italien und Spanien. Aber auch in Deutschland wurden erstmals seit einem halben Jahr wieder Angestellte entlassen.

Etwas besser ist die Lage in der Industrie, hier schrumpften die Geschäfte so langsam wie seit 15 Monaten nicht mehr. Da sowohl die Einkaufs- als auch die Verkaufspreise zurückgingen, bekamen die Unternehmen den Deflationsdruck deutlich zu spüren. Der Composite-Index, der Industrie und Dienstleister zusammenfasst, stieg auf 47,7 Punkte nach 46,9 Zählern im April und signalisierte damit weiterhin schrumpfende Geschäfte. Erst ab einem Wert von 50 Zählern zeigt der Einkaufsmanagerindex Wachstum an.

Auch weltweit kühlt sich die Wirtschaft ab. In China meldeten die Dienstleister schwächere Geschäfte, der HSBC/Markit-Einkaufsmanagerindex lag mit 51,2 Punkten nur knapp über seinem Vormonatswert, als das geringste Wachstum seit August 2011 verzeichnet wurde. In der Industrie läuft es sogar noch schlechter. Experten befürchten nun, dass das Wachstum im zweiten Quartal einen Dämpfer erhält.


Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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