Einkaufsmanagerindex
Krise zwingt Dienstleister weiter zum Jobabbau

Kein Ausweg aus der Krise: Die deutschen Dienstleister mussten im April weitere Einbrüche im Neugeschäft hinnehmen, die Auftragsbestände schmolzen und es wurden wieder zahlreiche Arbeitsplätze gestrichen. Bei den Dienstleistern in den Euro-Ländern zeichnet sich jedoch ein Ende der rasanten Talfahrt ab.

HB BERLN/LONDON. Die schwierige Lage der Dienstleister ging am Mittwoch aus der monatlichen Markit-Umfrage unter 500 Firmen hervor. Die deutschen Firmen verbuchten den siebten Monat in Folge starke Geschäftseinbußen, allerdings verlangsamte sich der Abschwung leicht. Der Markit-Service-Index, der die Entwicklung des Sektors abbildet, stieg endgültig um eineinhalb auf 43,8 Punkte. Das Barometer erholte sich damit weiter von seinem Rekordtief im Februar, blieb aber noch deutlich unter der 50-Punkte-Marke, ab der es Wachstum signalisiert.

In allen sechs erfassten Bereichen liefen die Geschäfte erneut schlechter als im März, besonders steil bergab ging es bei Transport und Lagerhaltung. Ihre Aussichten beurteilten die Firmen insgesamt aber nicht mehr so pessimistisch wie in den vergangenen neun Monaten. Grund dafür seien die Konjunkturpakete der Regierung und „die Hoffnung, dass sich die Lage bald stabilisieren wird“, erklärte Markit. Dennoch mussten die Unternehmen das zweitgrößte Auftragsminus seit Umfragebeginn im Juni 1997 hinnehmen. „Die schwache Marktnachfrage zwang die Dienstleister, sich – wie bereits seit Dezember 2007 – hauptsächlich auf die Abarbeitung der bestehenden Aufträge zu konzentrieren.“ Vor allem die Hoteliers und Gastwirte kämpften mit Buchungsrückgängen.

Obwohl die Talfahrt etwas an Tempo verlor, bauten die Dienstleister unterm Strich so viele Stellen ab wie seit gut fünf Jahren nicht mehr. Die meisten Entlassungen gab es im Gastgewerbe und im Bereich Transport & Lagerhaltung. „Der Arbeitsmarkt spürt nun die volle Kraft des Abschwungs“, sagte Markit-Experte Tim Moore. Insgesamt war der Arbeitsplatzabbau aber deutlicher geringer als bei der Industrie, die noch stärker unter der weltweiten Rezession leidet. Die übliche Frühjahrsbelebung auf dem deutschen Arbeitsmarkt war im April praktisch ausgeblieben.

Die Dienstleister profitierten zwar davon, dass die Kosten so stark sanken wie seit Juni 2003 nicht mehr. Allerdings wurden sie durch die Nachfrageflaute und den Wettbewerbsdruck ihrerseits zu Preisnachlässen gezwungen.

Der Markit-Composite-Index, der die Entwicklung in Industrie und Dienstleister zusammenfasst, stieg auf 40,1 von 38,3 Punkten und erreichte ein Sechs-Monats-Hoch.

Bei den Dienstleistern in den Euro-Ländern deutet sich ein Ende der rasanten Talfahrt ab. Der Einkaufsmanagerindex für den Sektor stieg im April so stark wie seit über sieben Jahren nicht mehr. Er kletterte um 2,9 auf 43,8 (Erstschätzung: 43,1) Punkte, wie die Markit-Marktforscher zu ihrer monatlichen Umfrage unter 2000 Unternehmen mitteilten. Das Barometer blieb zwar erneut unter der Marke von 50 Zählern, ab der Wachstum signalisiert wird. Nach dem stärksten Anstieg seit Dezember 2001 ist diese Schwelle aber so nahe wie seit einem halben Jahr nicht mehr.

„Die Geschäfte sind auch zu Beginn des zweiten Quartals noch merklich geschrumpft“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. „Aber das Gewerbe scheint zu glauben, dass das Schlimmste überstanden ist.“ Die Geschäftseinbußen fielen in den vier größten Volkswirtschaften Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien geringer aus als zuletzt.

Die Unternehmen schauen außerdem optimistisch nach vorn: Der Teilindex für die Geschäftsaussichten stieg um 5,8 auf 54,4 Punkte und damit so stark wie seit Januar 2002 nicht mehr. Optimistischer waren die Unternehmen zuletzt im Juni 2008 – also wenige Wochen vor der Eskalation der Finanzkrise, die zur schärfsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg führte. Auch die Industrie hat ihre Talfahrt im April etwas verlangsamt. Der Markit-Einkaufsmanagerindex kletterte um knapp drei auf 36,8 Punkte. Die Firmen drosselten zwar weiter ihre Produktion, aber nicht mehr so stark wie zuletzt.

Der Gesamt-Einkaufsmanagerindex im April für die Eurozone zeigt, dass sich die Stimmung im April stärker als zunächst ermittelt aufgehellt hat. Der Gesamtindex sei von 38,3 Punkten im Vormonat auf 41,1 Punkte geklettert, teilte das Forschungsunternehmen Markit in London mit. In der Erstschätzung war lediglich ein Wert von 40,5 Punkte ermittelt worden.

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