Einkaufsmanagerindex signalisiert geringes Wachstum
Euro-Stärke und Finanzkrise belasten Industrie

Die deutschen Einkäuferindizes haben sich im April unterschiedlich entwickelt. Während der Einkaufsmanagerindex des Dienstleistungssektors überraschend gegenüber dem Vormonat zulegte, fiel der Index des verarbeitenden Gewerbes unerwartet deutlich zurück. Einen deutlichen Dämpfer verzeichnete die Industrie auch in anderen Ländern der Euro-Zone.

HB BERLIN. Euro-Stärke und Finanzmarktkrise haben die Wachstumskräfte in der Industrie der Euro-Zone im April fast zum Erliegen gebracht. Die Industrie wies mit 50,8 nach 52,0 Zählern das geringste Wachstum seit August 2005 auf, wie aus dem RBS/NTC-Einkaufsmanagerindex hervorgeht. Damit nähert sich das Barometer immer mehr der Stagnationsmarke von 50 Zählern.

Volkswirte hatten zwar mit einem Dämpfer, aber nicht mit einem so starken Einbruch des Indikators gerechnet. Der von dem britischen Forschungsinstitut NTC vorgelegte Index basiert auf einer Umfrage unter mehreren tausend Unternehmen.

Alarmierend für den Sektor ist insbesondere, dass die Zahl der Neuaufträge mit einem Wert von 48,6 erstmals seit etwa drei Jahren unter dem Strich wieder zurückging. Der Dienstleistungssektor zeigte sich dagegen weitgehend robust und legte anders als erwartet auf 51,8 von 51,7 Punkten im Vormonat zu.

In der Industrie mehren sich die Zeichen, dass die Aufschwungkräfte zunehmend erlahmen: Obwohl die Produktion leicht zulegte, verlangsamte sich der Jobaufbau. Der starke Euro, das teure Öl und die schwächere Weltkonjunktur drückten die neuen Exportaufträge per saldo leicht ins Minus.

Bei den Dienstleistern zeigt die Tendenz zwar nach oben, doch hat der Sektor mit gestiegenen Kosten zu kämpfen: Die Einkaufspreise stiegen auf das höchste Niveau seit Oktober 2000. Der RBS/NTC-Composite-Index, der Industrie und Dienstleister zusammenfasst, stieg im April auf 51,9 von 51,8 Zählern.

In Deutschland kletterte der Einkaufsmanagerindex des nicht-verarbeitenden Gewerbesauf 54,6 Punkte von 51,8 Punkte im Vormonat, wie Marktteilnehmer in London unter Hinweis auf die erste Veröffentlichung berichteten. Volkswirte hatten im Mittel dagegen mit einem Rückgang des Index auf 51,6 Punkte gerechnet. Der Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes sank dagegen auf 53,6 Punkte von 55,1 im März. Ökonomen hatten einen Rückgang auf lediglich 54,8 Punkte prognostiziert. Beide Indizes liegen damit weiterhin deutlich über der Marke von 50, was eine Expansion des Sektors signalisiert.

Die vorläufigen Daten liefern knapp zwei Wochen vor Bekanntgabe der endgültigen Einkaufsmanagerindizes und damit früher als andere Indikatoren einen ersten Überblick über den Konjunkturverlauf. Die endgültigen Daten werden Anfang Mai veröffentlicht.

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