Einkaufsmanagerindex
US-Industrie schrumpft überraschend

Der Juli war ein Monat der schlechten Konjunkturmeldungen. Den Abschluss macht der US-Einkaufsmanagerindex, der schon den zweiten Monat in Folge zurückgegangen ist. Experten zeigten sich überrascht.
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New YorkDie US-Industrie ist im Juli den zweiten Monat in Folge geschrumpft. Der an den Finanzmärkten viel beachtete Konjunkturindex der US-Einkaufsmanager stieg nur leicht um 0,1 Punkte auf 49,8 Zähler und blieb damit weiter knapp unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, wie das Institute for Supply Management (ISM) am Mittwoch mitteilte.

Experten hatten im Schnitt mit einem Anstieg auf 50,2 Punkte gerechnet. Analyst Patrick O'Keefe von J.H. Cohn wertet das Barometer als Ausdruck der unsicheren Lage der US-Wirtschaft, deren Zukunft mit einer Unmenge von Fragezeichen behaftet sei. "Investoren wissen wegen der Unsicherheit gar nicht mehr, wo sie ihr Geld noch anlegen sollen."

"Wir waren von einem leicht stärkeren positiven Rückprall auf 51,0 Punkte ausgegangen", sagt Postbank-Analyst Heinrich Bayer. "Auf dem aktuellen Niveau unweit der 50-Punkte-Marke, die die Grenze zwischen Kontraktion und Expansion darstellt, weist der Indikator auf weitgehende Stagnation in der US-Industrie hin."

Negative Konjunkturdaten gab es am Morgen aus Europa. Die Industrie des Euroraums ist dem Markit-Einkaufsmanagerindex zufolge im Juli den zwölften Monat in Folge geschrumpft. Die Daten deuten an, dass die Wirtschaft der Eurozone im dritten Quartal Probleme haben wird, wieder in Fahrt zu kommen.

Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe der 17 Euro-Staaten fiel auf 44,0 Punkte von 45,1 im Juni, wie der Londoner Datendienstleister Markit Economics am Mittwoch in zweiter Veröffentlichung mitteilte. Im ersten Ausweis war für Juli ein Rückgang auf 44,1 vorgelegt worden.

Der Index liegt Markit zufolge auf den niedrigsten Stand seit 37 Monaten und weist auf eine beschleunigte Talfahrt der Eurozone-Industrie hin. “Der Industriesektor der Eurozone ist im Juli noch tiefer in die Krise geschlittert und dürfte damit auch im dritten Quartal 2012 hauptverantwortlich für ein weiteres Abgleiten der Eurozone in die Rezession bleiben”, sagte Markit-Ökonom Chris Williamson.

Doch auch in den USA waren die Vorzeichen vom Arbeitsmarkt und anderen Konjunkturindikatoren zuletzt negativ. "Der ISM-Index passt sich damit nahtlos in die jüngste Serie von US-Konjunkturdaten ein, die jegliche Dynamik vermissen lassen, aber zumindest nicht auf rezessive Tendenzen hinweisen", schreibt Postbank-Analyst Bayer.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Sebastian Schaal
Sebastian Schaal
Handelsblatt Online / Redakteur

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  • @ Mugen : Dass Deutschland eine Neidgesellschaft ist, wissen alle, aber müssen Sie gleich so hasserfüllt sein, wie Sie. Ich sitze lieber hier im Amiland bei Mc Donalds und habe meist normalgewichtige aber sehr freundliche Menschen um mich herum und nebenbei das dreifache Einkommen. Denn es fehlen Leute wie Sie, die mit der Verarbeitung ihres Misserfolges beschäftigt sind. Sparen Sie und leisten Sie sich doch einmal einen Flug in eine lebenswerte Gesellschaft.

  • Gibts bei dem agressiven Primitivlingen aus Übersee nur foodstamps für McDonalds oder warum sind die immer noch so fett?

  • Die Gewinngier stellt ALLES im Jetzt auf den Prüfstand in Richtung "made in USA" oder "Importieren in die USA" plus Handelsgewinnzuschlag. Vergessen wird dabei, dass Wissen vernichtet wird, welches über Jahrzehnte aufgebaut wurde.

    Jetzt haben die US-Bürger viele Jobs verloren; die Industrie wurden in Teilen abgewickelt und der Handel verstärkt.

    Wie soll mehr Umsatz generiert werden, wenn immer mehr US-Bürger weniger Jobs haben, die gleichzeitig durch die Wissensabflachung immer lohnärmer sich darstellen ?
    Was tun ? Da nützt es auch nichts, dass manche US-Bürger und Politiker sich aufregen, dass sogar die US-Olympiamannschaft mit "made in China"-Designerklamotten herumsportlern. Auch hier stand "billig einkaufen" im Vordergrund.

    Die englische Krankheit ist von Deindustrialisierung geprägt. Volkswirtschaften müssen sich wirklich fragen, warum sie nicht dem Industrie- und Wissensexodus stärker gegengesteuert haben ? Warum sie den Einnahmenverlust fast reflexfrei durch Schuldenaufnahme und Geldpresse entgegenwirken. Mit "Nachhaltigkeit" hat es wenig zu tun ? Null ?

    Es ist beschämend, dass die USA immer weniger "selbst kann" und so dermaßen über Jahre ihr Jobmodell beschädigt. Es ist beschämend, dass die Politik mehr "vernebelt und kleinredet" anstelle "Jobs zu erzwingen - auf die sanfte Art.

    Der USA sind staatl. Eingriffe etwas fremd, aber wohin soll "die Freiheit" des Handels führen ? In noch mehr Jobverluste ? Zum Schluß bleiben dann nur noch Dienstleistungen im Land und Niedriglohnjobs, die lokal verankert sein müssen, wobei es nicht anders geht. Zum Haareschneiden kann ja schlecht nach China geflogen oder per Schiff enteilt werden. Wenn der Rest dann aus dem Container kommt, werden noch viele Joblichter in den USA ausgehen, denn mit dem "Schmalspureinkommen" und den hohen Krankenversicherungskosten wird sich der Zukunfts-US-Bürger nur noch wenig leisten können.

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