Einkaufsmanagerindex
Weitere Anzeichen für Abebben der Rezession

Die tiefe Rezession in der Industrie in Deutschland ebbt einer Umfrage zufolge langsam ab. Zugleich wurde der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe der Eurozone für den Monat Mai leicht nach oben revidiert.

HB LONDON. In Deutschland gingen Produktion, Auftragseingang und Beschäftigung nicht mehr so stark zurück wie im Vormonat, erklärte das Marktforschungsinstitut Markit am Montag zu seiner Umfrage unter etwa 500 Firmen. Dennoch schrumpfte die Industrie bereits den zehnten Monat in Folge - das ist die längste Durststrecke seit dem Jahreswechsel 2002/2003.

Der Markit/BME-Einkaufsmanagerindex kletterte von April auf Mai endgültig um 4,2 Zähler auf 39,6 Punkte - das ist der stärkste Anstieg in der 13-jährigen Umfragegeschichte. Das Barometer legte zudem stärker zu als in einer ersten Schätzung angenommen und erreichte wieder das Niveau vom vergangenen Oktober. Dessen ungeachtet blieb der Index deutlich unter der Marke von 50 Punkten, ab der er Wachstum signalisiert. Auch in Frankreich, neben Deutschland größtes Mitgliedsland der Eurozone, wurde der Indikator nach oben revidiert. Hier kletterte erauf ein Neun-Monats-Hoch. In Italien hellte sich die Stimmung ebenfalls auf.

Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe der Eurozone für den Monat Mai kletterte den Markit-Angaben zufolge von 36,8 Punkten im Vormonat auf 40,7 Punkte. Nie zuvor seit Umfragebeginn im Juni 1997 war der Index binnen Monatsfrist so stark gestiegen. In der Erstschätzung war lediglich ein Wert von 40,5 Punkte ermittelt worden. Ökonomen hatten eine Bestätigung der Erstschätzung erwartet. Ab einem Wert von 50 Punkten deuten die Indikatoren auf einen Anstieg der wirtschaftlichen Aktivität hin. Liegen die Kennzahlen unter diesem Wert, kann von einem Rückgang ausgegangen werden.

„Auch wenn die Daten noch keineswegs auf eine Erholung in der Eurozone hindeuten, sind sie doch ermutigend“, sagte Markit-Volkswirt Rob Dobson. Insbesondere bei der Produktion dürfte der Industriesektor das Schlimmste hinter sich haben: Die Fertigung wurde in so schwachem Tempo gedrosselt wie seit September nicht mehr. Besonders in Deutschland, Italien und Griechenland wurde der Ausstoß nicht mehr so schnell heruntergefahren. Die Neuaufträge schrumpften in der Euro-Zone zwar weiter, aber der Rückgang war so schwach wie seit August 2008 nicht mehr.

Auf die weiter nachlassende Nachfrage reagierten die Unternehmen mit einem weiteren Stellenabbau: Der personelle Aderlass fiel jedoch nicht mehr so stark aus wie im Vormonat.

Betriebe profitieren von starken Preisnachlässen

Die Nachfrage nach Produkten "Made in Germany" ging zwar weiter zurück, das Tempo war aber deutlich langsamer als in den Vormonaten. Die Betriebe profitierten von den starken Preisnachlässen der vergangenen Monate, während sich gleichzeitig die Konjunkturaussichten wieder etwas aufhellten, schrieben die Experten. Zugleich verspürten die Unternehmen eine Stabilisierung der Nachfrage aus Asien, besonders aus China. "Insgesamt berichteten die Exporteure aber von einer nach wie vor angespannten Lage in den Auslandsmärkten, vor allem in Europa und in den USA."

Die Firmen schränkten ihre Produktion deutlich weniger stark ein als im April. Der Beschäftigungsabbau schwächte sich weiter ab, blieb aber stark. Einerseits sähen sich die Firmen wegen erheblicher Überkapazitäten zu Restrukturierungen gezwungen, schrieben die Experten. Andererseits sei die Bereitschaft zu Neueinstellungen gering; frei werdende Stellen würden nicht sofort wieder neu besetzt. Um Kosten zu sparen, bauten die Firmen sowohl ihre Vormaterial- als auch ihre Fertigwaren-Lager kräftig ab, der Rückgang war so groß wie noch nie seit Umfragebeginn.

Die Industrie in Deutschland steckt derzeit in der schwersten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg. Zuletzt schwächte sich der Einbruch aber ab.

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