Einkommen
Tariflöhne steigen um drei Prozent

Trotz der schweren Rezession zeichnen sich für dieses Jahr kräftige Lohnerhöhungen in Deutschland ab. Die bislang vereinbarten Tarifverträge für rund zwölf Millionen Beschäftigte sehen Lohn- und Gehaltssteigerungen von durchschnittlich drei Prozent vor.

DÜSSELDORF. Wie das Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung am Dienstag in seiner Halbjahresbilanz zur Tarifpolitik mittteilte, winken den Beschäftigten in diesem Jahr auch reale Einkommenszuwächse, denn die Lebenshaltungskosten legten nur um 0,5 Prozent zu.

2008 waren die Tarifverdienste um 2,9 Prozent gestiegen, wovon real aber kaum etwas übrig blieb: Die Teuerungsrate von 2,6 Prozent zehrte die Zuwächse nahezu auf. "Angesichts einer drohenden Deflationsspirale trägt diese Tarifentwicklung zur Stabilisierung der Wirtschaft bei", sagte Tarifarchiv-Leiter Reinhard Bispinck. Auch deshalb sei der private Konsum zu Jahresbeginn gestiegen.

Allerdings sei zu erwarten, dass die tatsächlich gezahlten Löhne und Gehälter nicht so stark steigen wie tariflich vereinbart. "Das ist unter anderem auf die rückläufige Arbeitszeit durch Kurzarbeit zurückzuführen", sagte der Experte weiter. Nach Schätzungen der Bundesagentur für Arbeit sind derzeit bis zu 1,4 Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit.

Zudem mache sich bemerkbar, dass Teile des Gehalts erfolgsabhängig gezahlt würden, die angesichts der Krise nicht ausgezahlt würden, und dass in den Tarifverträgen vereinzelt auch Öffnungsklauseln festgeschrieben seien, von denen viele Unternehmen nun Gebrauch machten.

Das kräftige Lohnplus in diesem Jahr ist vor allem den bereits im vergangenen Jahr - also teils noch vor Ausbruch der Krise - vereinbarten Tarifabschlüssen zu verdanken, die jetzt zum Tragen kommen. Diese Abschlüsse für rund 8,1 Millionen Beschäftigte sehen Tariferhöhungen von im Durchschnitt 3,3 Prozent vor. In den seit Januar ausgehandelten Verträgen für insgesamt 3,9 Millionen Beschäftigte ist dagegen nur ein Plus von 2,4 Prozent vorgesehen. Die relativ hohe durchschnittliche Tarifsteigerung in diesem Jahr sei also "von guten Abschlüssen des vergangenen Jahres maßgeblich mitbestimmt", teilte das Tarifarchiv mit.

Die kräftigsten Lohnsteigerungen für 2009 sicherten sich der Aufstellung zufolge die Beschäftigten in der Energie- und Wasserversorgung sowie im Bergbau mit 4,0 Prozent, gefolgt von den Mitarbeitern des Öffentlichen Dienstes und der Sozialversicherung mit 3,8 Prozent. Den kleinsten Zuwachs erhielten die Mitarbeiter von Kreditinstituten und Versicherungen mit 1,8 Prozent und des krisengeschüttelten Handels mit 1,2 Prozent.

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