Einkommensaussichten pessimistischer gesehen
Konsumklima stabilisiert sich langsam

Die Konsumlaune der deutschen Verbraucher bessert sich nur sehr langsam. Obwohl die Menschen zunehmend auf einen wirtschaftlichen Aufschwung setzen, fürchten sie wegen der Diskussion um Subventionsabbau mehr als zuvor um ihr künftiges Einkommen. Die Hitzewelle dämpfte die Kauflaune der Verbraucher zusätzlich und bescherte dem Einzelhandel im Juli wie erwartet ein Umsatzminus.

Reuters BERLIN. Das Konsumklima werde sich langsam weiter stabilisieren, aber jeglichen Schwung vermissen lassen, sagte Rolf Bürkl von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Freitag zum Ergebnis der Gfk-August-Umfrage. Der Einzelhandel setzte nach vorläufigen Zahlen im Juli real 1,6 % weniger um als im Juni und 2,2 weniger als vor einem Jahr. Der Branchenverband HDE erwartet auch für August wegen der Hitze ein schwaches Ergebnis, hofft aber schon jetzt auf ein starkes Weihnachtsgeschäft. Volkswirte sprachen von einem schwachen Start der Gesamtwirtschaft in das dritte Quartal, da auch die Großhandelsumsätze sanken. Impulse vom Einzelhandel erwarten Experten für die erhoffte Wirtschaftsbelebung kaum.

Der auf der Basis der August-Umfrage berechnete GfK-Konsumklima-Indikator für September stieg auf 4,8 nach revidiert 4,6 Punkten im Vormonat. Nach der monatlichen Umfrage unter rund 2000 Menschen im Auftrag der EU-Kommission rechneten die Konsumenten zwar noch stärker als zuletzt mit einer wirtschaftlichen Erholung.

Dennoch bewerteten sie die Aussichten für ihr künftiges Einkommen erstmals seit fünf Monaten wieder pessimistischer. Dies dürfte auf die Debatte um Subventionskürzungen der Bundesregierung und den Streit um die Gegenfinanzierung der geplanten Steuerreform zurückzuführen sein. „Die Leute werden beim Einkaufen erstmal zurückhaltend bleiben, da sie sehen wollen, wie sich die Reformen auf ihren Geldbeutel auswirken“, sagte Ulla Lahl von der Mizuno Corporate Bank. „Keiner weiß bisher, was nachher übrig bleibt.“

Beim Geldausgeben bleiben die Verbraucher zurückhaltend. Die Bereitschaft, langlebige Produkte wie Kühlschränke oder Fernseher zu kaufen, nahm im August zwar minimal zu, stagniert jedoch wie seit Jahresbeginn auf einem sehr niedrigen Niveau. Volkswirte haben jedoch die leichte Hoffnung, dass die Verbraucher ihre Zurückhaltung aufgeben, wenn sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland spürbar belebt. „Im Gegensatz zu anderen Industrieländern ist die Sparquote hier hoch, es könnte also wirklich ein großes aufgestautes Potenzial geben“, sagte Bernd Weidensteiner von der DZ Bank.

Nach einem Umsatzplus im Juni setzte der Einzelhandel im Juli wie von der Branche erwartet vor allem wegen der Hitze weniger um. Die Bundesbank errechnete einschließlich Autoverkäufen und Tankstellenumsätzen ein Minus von 1,8 % zum Vormonat und von 1,1 % zum Vorjahr. „Das dritte Quartal haben wir abgeschrieben, aber im vierten gehen wir von einer deutlichen Umsatzsteigerung aus“, sagte der Sprecher des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE). Die Umsätze würden aber auch deshalb über dem Vorjahresniveau liegen, weil das Jahresende 2002 so schwach war. Für das Gesamtjahr erwartet der HDE nach einem bereits miserablen Vorjahr ein nominales Umsatzminus von etwa einem Prozent. In den ersten sieben Monaten setzten die Einzelhändler bisher 0,3 % weniger um.

Vom privaten Verbrauch, der in Deutschland rund 60 % des Bruttoinlandsproduktes ausmacht, dürften nach Einschätzung von Volkswirten aber kaum Impulse ausgehen für eine gesamtwirtschaftliche Belebung. „Vom privaten Verbrauch sollten wir nicht zu viel erwarten für den Aufschwung, das muss von außen oder von den Investitionen kommen“, sagte Ralph Solveen von der Commerzbank. Mit Blick auf die ebenfalls rückläufigen Umsätze des Großhandels sprach er von einem schwachen Start der Gesamtwirtschaft in das dritte Quartal. Deshalb sei mit einer merklichen Belebung erst im vierten Quartal zu rechnen.

Die Umsätze des deutschen Großhandels sanken im Juli jeweils real um 0,6 % zum Vorjahr sowie kalender- und saisonbereinigt um 0,9 % zum Juni. Der Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex für August im vierten Monat in Folge hatte jüngst die Hoffnungen auf eine konjunkturelle Erholung in Deutschland gestärkt. Entgegen den anderen Branchen hatte sich der Einzelhandel bei der Ifo-Umfrage jedoch pessimistischer also zuvor geäußert.

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