Einschätzung der G-10-Notenbanken
"Konjunktur trotzt dem Ölpreisrisiko"

Nach Einschätzung der zehn wichtigsten Notenbanken der Welt (G-10) wird der hohe Ölpreis die Weltwirtschaft nicht von ihrem Wachstumspfad abbringen.

HB BASEL/ATHEN. Die Weltwirtschaft sei trotz zuletzt widersprüchlicher Konjunkturdaten aus den USA weiter auf Wachstumskurs, sagte am Montag in Basel EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, zurzeit Vorsitzender der G-10-Notenbankchefs. Vor allem dank boomender Schwellenländer wie China sei mit rund vier Prozent Wachstum zu rechnen. Trichet räumte zwar ein, dass der Ölpreis in Höhe von derzeit 50 Dollar je Barrel die Weltwirtschaft dämpfe. Er warnte jedoch vor der Schlussfolgerung, dass es mit der Wirtschaft abwärts gehe. „Wir haben widersprüchliche Informationen“, sagte Trichet nach dem zweimonatlichen Treffen der Zentralbankchefs.

Die Inflationserwartungen sind Trichet zufolge trotz robusten Wachstums weltweit auf niedrigem Niveau. Auch EZB-Vizepräsident Lucas Papademos und Griechenlands Notenbankchef Nicholas Garganas äußerten sich zuversichtlich über die Preisstabilität im Euro-Raum. „Ich sehe keinen Grund für eine Zinserhöhung, so lange die erwartete Inflation unter zwei Prozent ist“, sagte Garganas in einem Interview mit der Nachrichtenagentur „Bloomberg“.

Alle Prognosen gingen von einem Rückgang der Teuerungsrate unter zwei Prozent aus, sagte Garganas. Es gebe keine Hinweise auf Zweitrundeneffekte der hohen Ölpreise. Der Agentur zufolge sagte Garganas außerdem, die EZB wolle auch keine Neigung zu Zinserhöhungen in der Zukunft signalisieren. EZB-Vize Papademos wiederholte auf einer Bankenkonferenz in Athen die jüngste Einschätzung des EZB-Rats, dass es kaum Anzeichen für binnenwirtschaftlichen Preisanstieg gibt. Die Löhne nähmen angesichts bescheidenen Wachstums nur wenig zu, die Unternehmen hätten nur begrenzte Möglichkeiten zu Preiserhöhungen. Dennoch sei der Ölpreis nicht nur ein Risiko für die Konjunktur, sondern ebenso wie die hohe Geldversorgung der Wirtschaft auch eine Gefahr für die Preisstabilität. Die EZB müsse wachsam bleiben.

Der Ölpreis wird vor allem von der enormen Nachfrage Chinas und der USA angetrieben. Die G-10-Notenbanker lobten die Absicht des weltgrößten Ölproduzenten Saudi-Arabien, das Angebot auszuweiten. Es gebe auch Fortschritte, die Transparenz am Ölmarkt zu erhöhen. Davon versprechen sich die führenden Industrieländer ebenfalls ein Nachlassen des Preisdrucks.

EZB-Ratsmitglied Garganas sagte, die konjunkturdämpfende Wirkung des teuren Öls sei womöglich unterschätzt worden. Einer Zinssenkung erteilte er aber ebenso wie EZB-Chef Trichet vergangenen Woche eine Absage. „Ich glaube nicht, dass man eine Zinssenkung braucht, um die Wirtschaft zu unterstützen.“

Die EZB signalisierte in den vergangenen Monaten mehrfach den Wunsch, den historisch niedrigen Leitzins von 2,00 % anzuheben. Wegen der erneuten konjunkturellen Schwäche hat der EZB-Rat damit aber gezögert. Volkswirte sind geteilter Meinung, ob die Zentralbank überhaupt noch in diesem Jahr oder erst 2006 die Geldpolitik straffen wird.

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