Einschätzung von Bini Smaghi
Geldpolitik womöglich zu locker

Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank ist aus Sicht von EZB-Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi womöglich noch zu locker. Die Signale aus dem Bereich der Vermögenspreisentwicklung könnten darauf deuten, sagte Smaghi.

HB BERLIN. Die Europäische Zentralbank (EZB) könne diese Preise zwar beobachten, aber mit ihren Leitzinsen nicht steuern, sagte Bini Smaghi auf einer Konferenz am Dienstag in Berlin. Die Preise von Finanztiteln und Immobilien in einigen Ländern sind schon seit einigen Jahren in einem starken Aufwärtstrend. Dies verursacht zum Teil auch das starke Geldmengenwachstum, das die EZB im Rahmen ihrer Strategie auf Inflationsgefahr hin überprüft.

Die EZB hatte erst im Juni den Leitzins zum achten Mal seit Ende 2005 um 25 Basispunkte auf nunmehr vier Prozent angehoben. Sie wird nach Ansicht von Analysten mindestens noch einmal im September den Zins erhöhen, um die Inflation während des Aufschwungs im Zaum zu halten.

Reformstopp könnte höhere Zinsen erfordern

Erlahmender Reformwille der Regierungen im Euro-Raum würde die Europäische Zentralbank nach Einschätzung Smaghis zudem zu einer strafferen Geldpolitik treiben. In Deutschland und einigen anderen Ländern bestehe die Gefahr, dass die Reformanstrengungen im Aufschwung nachlassen, sagte er. Dies könne zu Engpässen an manchen Märkten führen und einen Anstieg des Potenzialwachstums hemmen. Das Wachstum käme dann schneller an die Grenze, ab der sich Preisdruck aufbaue. „Wenn der Reformprozess stoppt, könnte die Geldpolitik veranlasst werden, straffer zu sein als erwartet“, warnte er.

„Den Regierungen und Sozialpartnern, die über das Risiko eines möglichen weiteren Zinsanstiegs besorgt sind, würde ich antworten: Das beste Rezept gegen dieses Risiko ist, mit Reformen fortzufahren, die das Potenzialwachstum stärken und den Inflationsdruck mindern“, sagte Bini Smaghi weiter. Die Euro-Zone sei derzeit geradezu mit guten Nachrichten über die Wirtschaft gesegnet. Der Aufschwung in Deutschland werde die Schwäche anderer Länder ausgleichen.

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