Einzelhandel überrascht positiv
US-Bürger konsumieren eifriger

Die US-Verbraucher haben zu Beginn des zweiten Halbjahrs deutlich mehr konsumiert als erwartet und damit Hoffnungen auf eine spürbare Belebung der Konjunktur genährt.

Reuters WASHINGTON. Der Einzelhandel in der weltgrößten Volkswirtschaft verzeichnete im Juli ein überraschend starkes Umsatzplus, wie am Mittwoch veröffentlichte Daten zeigen. Einige Experten sehen darin bereits auch eine Folge der von der US-Regierung beschlossenen Steuererleichterungen. Von den in den kommenden Tagen anstehenden Inflationsdaten versprechen sich Analysten nun Hinweise darauf, ob die erhöhten Ausgaben der Privathaushalte auch die Teuerung beschleunigen oder aber der wirtschaftlichen Belebung Gefahren durch sinkende Preise drohen. Diesen Risiken gilt derzeit die besondere Aufmerksamkeit der US-Notenbank (Fed), die am Dienstagabend (MESZ) den Leitzins erwartungsgemäß auf dem tiefsten Niveau seit 45 Jahren gelassen hatte.

An den Finanzmärkten sorgten die Einzelhandelsdaten nur vorübergehend für leichte Kursreaktionen. Börsen und Dollar gaben ihre Gewinne im Handelsverlauf wieder ab. Die US-Einzelhändler setzten im vergangenen Monat nach Angaben des Handelsministeriums insgesamt 317,19 Mrd. Dollar um, was einem Anstieg von 1,4 % zum Juni entspricht. Dies war der stärkste Umsatzzuwachs seit März. Von Reuters befragte Volkswirte hatten mit einem Plus von lediglich 0,9 % gerechnet.

Die gesamte Branche verzeichnete im Juli eine gestiegene Nachfrage quer durch die Angebotspalette, von Baumaterial über Gartenzubehör bis zu Elektroartikeln. Überdurchschnittlich stark war der Umsatzzuwachs bei Autos, der sich auf 3,2 % belief. Doch auch ohne Berücksichtigung der Autoverkäufe legte der Einzelhandelsumsatz um 0,8 % zu und damit stärker als von Analysten im Schnitt mit 0,5 % prognostiziert.

Hinweis auf stärkeres Wachstum

Im Rahmen der Markterwartungen lagen die Geschäftsergebnisse des weltweiten Branchenprimus Wal-Mart. Das nach Umsatz größte Unternehmen der Welt steigerte seinen Netto-Gewinn im abgelaufenen Geschäftsquartal um mehr als 20 % auf 2,44 Mrd. Dollar und den Umsatz um 11,3 % auf 62,6 Mrd. Dollar.

„Das ist noch ein weiteres Indiz dafür, dass die Wirtschaft an Schwung gewinnt“, kommentierte Volkswirt Rick Egelton von Bank of Montreal die Branchendaten. „Die Umsätze sehen durch die Bank ziemlich gut aus.“

Die Daten dürften vor allem bei US-Präsident George W. Bush für Erleichterung sorgen, der massive Steuererleichterungen im Gesamtvolumen von 350 Mrd. Dollar zur Ankurbelung der Konjunktur durchgesetzt hatte. So hat die Regierung bereits damit begonnen, Steuergutschriften über 13 Mrd. Dollar an Familien zu verschicken. Manche Analysten werten die gestiegenen Konsumausgaben bereits als erste Reaktion der Verbraucher auf das Steuerpaket.

Warten auf Inflationsdaten

Mit Spannung werden nun die Erzeuger- und Verbraucherpreisdaten erwartet, die am Donnerstag beziehungsweise Freitag veröffentlicht werden. Sie sollen Aufschluss darüber geben, ob der US-Wirtschaft ein weiterer unerwünschter Inflationsrückgang droht, vor dem die Fed wiederholt gewarnt hatte. Eine gebremste Teuerung kann dazu führen, dass die Verbraucher in Erwartung günstigerer Preise ihre Anschaffungen aufschieben, was den Konsum und damit letztlich auch das Wirtschaftswachstum drosselt. Am Ende einer solchen Entwicklung könnte eine konjunkturschädliche Deflation stehen, also eine Abwärtsspirale aus nachhaltig sinkenden Preisen, rückläufiger Nachfrage und schrumpfender Wirtschaftsleistung.

Die US-Währungshüter hatten am Dienstag den Leitzins unverändert bei einem Prozent belassen und zugleich ihre Bereitschaft signalisiert, die Zinsen „für eine beträchtliche Zeit“ niedrig zu halten, um die allmähliche wirtschaftliche Belebung zu stützen. Der Konjunkturausblick der Fed blieb verhalten optimistisch.

In den USA gehen die meisten Volkswirte und die Regierung von einer spürbaren konjunkturellen Belebung in der zweiten Jahreshälfte aus. Bereits im zweiten Quartal war das US-Bruttoinlandsprodukt auf das Jahr hochgerechnet um 2,4 % und damit überraschend stark gestiegen.

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