Einzelhandel verspürt leichten Aufwind
Noch keine Trendwende im Handel

Die längeren Ladenöffnungszeiten und die Aussicht auf Steuersenkungen haben den deutschen Einzelhändlern im Juni ein deutliches Umsatzplus beschert. Volkswirte und Branchenverbände werteten dies zwar als Hoffnungssignal für den Konsum, sehen aber bisher noch keine Trendwende.

Reuters BERLIN. Im Vergleich zum Mai setzte die Branche saisonbereinigt real 1,9 % und in jeweiligen Preisen (nominal) 2,0 % mehr um, wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Berechnungen am Freitag mitteilte. Im gesamten ersten Halbjahr lagen die Umsätze minimal über dem Vorjahr. Volkswirte bewerteten den Anstieg skeptisch. „Ich kann daraus noch keine Trendwende ablesen“, sagte Manuela Preuschl von der Deutschen Bank. Auch der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) warnte vor Euphorie. „Wir gehen davon aus, dass der Juli schlechter wird als der Juni“, sagte HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr. „Der Einzelhandel dümpelt also weiter vor sich hin.“

Handelsverband HDE erwartet schwächeren Juli

Im Vergleich zum Vorjahr fielen die Juni-Umsätze der Branche unter Herausrechnung der Inflation (real) dagegen um 0,5 % und nominal um 0,4 %. Der Juni 2003 hatte jedoch zwei Verkaufstage weniger als der Juni 2002. Der Handelsverband bewertete das Umsatzplus zurückhaltend. „Wir haben im Juni eine leichte Belebung im Einzelhandel gespürt. Jubel kann angesichts dieser Zahlen aber noch nicht aufkommen“, sagte HDE-Sprecher Pellengahr. Er führte das Ergebnis nicht in erster Linie auf die vier Stunden längeren Öffnungszeiten an Samstagen zurück, sondern eher auf die bessere Laune der Verbraucher wegen der jüngsten Debatte um ein Vorziehen der Steuerreform. Da die von der Bundesregierung geplanten Steuerentlastungen aber noch nicht in trockenen Tüchern seien, habe sich die Stimmung der Konsumenten zuletzt wieder leicht eingetrübt. Deshalb und auch wegen des heißen Wetters sei mit einem schwächeren Juli zu rechnen. Der Branchenverband BAG erklärte zur Halbjahresbilanz, der Handel könne „allenfalls leidlich zufrieden sein“.

Ähnlich zurückhaltend äußerten sich Volkswirte, die die Juni-Daten auch als Reaktion auf die schwachen Umsätze im Vormonat werteten. Noch im Mai hatte der Einzelhandel zum April real knapp zwei Prozent weniger umgesetzt. „Nach einem kräftigen Rückgang im Vormonat ist dies lediglich eine Gegenbewegung“, sagte Preuschl. „Dennoch gibt es die begründete Hoffnung, dass das zweite Halbjahr für den Einzelhandel etwas besser laufen wird.“

Ulla Lahl von der Mizuho Corporate Bank geht davon aus, dass die Sorge über den schwachen Arbeitsmarkt die Kauflaune der Konsumenten weiter belastet. Nach Einschätzung der Commerzbank-Volkswirte könnte „sich die aktuell zu beobachtende deutlich Aufhellung der Stimmung im Einzelhandel als vorübergehend erweisen, zumal auch die Hoffnungen auf einen spürbaren Impuls durch die Steuersenkungen Anfang 2004 zu groß sein könnten“.

Zuletzt hatte die jüngste Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) erneut signalisiert, dass sich die Stimmung der Verbraucher leicht aufhellt. Der fünftgrößte Handelskonzern der Welt, Metro, hatte am Donnerstag ein Umsatzplus von 3,7 % beim Inlandsgeschäft im ersten Halbjahr gemeldet und sich für die Zukunft optimistisch geäußert. „Ich sehe einen leichten Silberstreif für das zweite Halbjahr“, sagte Konzern-Chef Hans-Joachim Körber.

Nahrungsmittel mit Plus - Verbrauchsgüter mit Minus

Die einzelnen Branchen des Einzelhandels entwickelten sich sehr unterschiedlich. Während der Handel mit Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren zum Vorjahr real ein Prozent mehr umsetzte, erreichte das Geschäft mit Gebrauchs- und Verbrauchsgütern nicht den Vorjahresumsatz. Dort gingen die Erlöse zum Juni 2002 um 1,6 % zurück. Dagegen verliefen die Geschäfte im Fachhandel mit kosmetischen, pharmazeutischen und medizinischen Produkten sowie bei den Apotheken deutlich besser. Auch der Versandhandel blieb gut zwei Prozent über dem Vorjahresergebnis.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%