Einzelne Branchen leiden unter den Temperaturen
Große Hitze lässt die Konjunktur kalt

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels (BAG) bewertet den Sommerschlussverkauf schon einige Tage vor dessen Ende als enttäuschend. Einer der Gründe dafür ist nach Meinung des BAG-Präsidenten Walter Deuss die Hitze.

Die Puppen in den Schaufenstern der Modegeschäfte präsentieren dunkelbraune Mäntel und Stiefel. Da bricht schon beim Hinschauen der Schweiß aus. Bei den Außentemperaturen hat es nicht nur die neue Herbstkollektion schwer: Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels (BAG) bewertet den Sommerschlussverkauf schon einige Tage vor dessen Ende als enttäuschend. Einer der Gründe dafür ist nach Meinung des BAG-Präsidenten Walter Deuss die Hitze. Sie macht auch anderen Branchen zu schaffen.

Sogar auf dem Rhein gibt es mittlerweile größere Probleme: Voll beladen schaffen es kaum mehr Schiffe den Rhein herunter, sagt Jens Schwanen, Sprecher der Geschäftsführung des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt. Der Neckar löste andere Probleme aus: Aufgrund der hohen Wassertemperatur des Flusses ließ das baden-württembergische Umweltministerium das Atomkraftwerk Obrigheim als ersten Meiler ganz abstellen.

Sonnenstudios leiden unter der natürlichen Konkurrenz. Gerlinde Schmitz, Marketingmanagerin der Branchengröße Sunpoint, sagt, dass der Sommer-Umsatz im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen ist.

Getränkehersteller freuen sich hingegen über die hohen Temperaturen: Für das Jahr 2003 sei mit einem Absatzrekord zu rechnen, sagt Heike Bölk, Sprecherin des Verbandes Deutscher Mineralbrunnen (VDM). Klimaanlagenhersteller profitieren auch: Die hohen Temperaturen sorgen fast zwangsläufig für hohe Absatzzahlen. Gleichzeitig hoffen Anbieter und Hersteller auf zusätzliche Bestellungen im Herbst, „um sich für den nächsten Sommer zu rüsten“, sagt Michael Birke, Pressesprecher von Stiebel Eltron.

Auch wenn einzelne Branchen profitieren und andere leiden - die Konjunktur lässt das kalt. „Es gibt keine Indizien dafür, dass die Hitzewelle gesamtwirtschaftliche Auswirkungen hat“, sagt Jens Ulbrich, Generalsekretär des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Ein anderer Volkswirt flachst: „Natürlich hat die Hitze Folgen für die Konjunktur – wenn die Temperaturen auf über 50 Grad steigen und bis Dezember so hoch bleiben.“

Joachim Ragnitz, Ökonom beim Institut für Wirtschaftsforschung in Halle, sieht die Hitze ähnlich kühl: „Die Hitzewelle führt zu temporären Verschiebungen beim Konsum.“ Die Probleme der Landwirtschaft oder Binnenschifffahrt hätten auf die Konjunktur keinen durchschlagenden Effekt. „Man sollte wirklich nicht so tun, als ob die sich abzeichnende konjunkturelle Erholung dadurch beeinträchtigt würde“, betont Ragnitz: „Das ist Unsinn.“

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