Endgültiges Ergebnis
Exportminus lässt deutsche Wirtschaft schrumpfen

Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal vor allem wegen stark rückläufiger Exporte geschrumpft. Volkswirte äußerten aber die Hoffnung, dass die Ausfuhren bei anziehender Weltkonjunktur in der zweiten Jahreshälfte wieder langsam zulegen könnten.

Reuters BERLIN. Die Exporte sanken zum ersten Quartal 2003 real um 2,3 %, während die Importe nur um 1,1 % zurückgingen, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Damit habe der Außenbeitrag das Wachstum im Quartalsvergleich um 0,5 Prozentpunkte gebremst. „Wir setzen unsere Hoffnung auf die USA als weltweiten Wachstumsmotor, rechnen aber erst im vierten Quartal mit einer Belebung des deutschen Exports“, sagte Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim.

Die Bauinvestitionen stiegen zum Vorquartal um 0,3 %. Die gesamten Bruttoanlageinvestitionen nahmen um 0,2 % zu. Die inländische Verwendung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) legte um 0,4 % zu, war aber hauptsächlich vom Anstieg des Staatskonsums um 1,3 % getragen.

Die Statistiker bestätigten ihre vorläufigen Berechnungen von vergangener Woche, nach denen die Wirtschaftsleistung in den Monaten April bis Juni zum Vorquartal um 0,1 % und gegenüber dem Vorjahr um 0,6 % gesunken ist.

Volkswirte wie Ralph Solveen von der Commerzbank sprachen von einem schwachen Export und einer relativ guten Inlandsnachfrage. „Jetzt spricht alles dafür, dass die Weltwirtschaft anzieht, außerdem ist der Euro wieder etwas gesunken: Damit steht positiven Wachstumsraten im zweiten Halbjahr eigentlich nichts mehr im Wege.“ Etwas vorsichtiger äußerte sich Kastens. „Bei den Exporten müssen wir wahrscheinlich auch im dritten Quartal mit einem schwachen Ergebnis rechnen.“

Die Ausrüstungsinvestitionen sanken im zweiten Quartal unter Herausrechnung der Inflation (real) leicht um 0,1 %. Der Privatkonsum stagnierte zum Vorquartal, der Staatskonsum hingegen kletterte um 1,3 %. „Das spricht nicht für hohe Qualität des Wachstums, da es hauptsächlich vom Staat getragen ist“, sagte Kastens.

Bereits im ersten Vierteljahr 2003 war das deutsche BIP um 0,2 % geschrumpft. Wenn die Wirtschaft in zwei aufeinander folgenden Quartal abnimmt, sprechen Volkswirte nach gängiger Definition von einer Rezession. Die Bundesregierung hat hingegen zuletzt betont, Deutschland befinde sich vielmehr in einer andauernden Stagnationsphase. Die meisten Volkswirte und Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten für das laufende Jahr bestenfalls ein minimales Wachstum nahe der Stagnation. Die Bundesregierung rechnet jedoch nach wie vor mit einem Wachtum von 0,75 %.

Das sagen Analysten:

Volker Nitsch, Bankgesellschaft Berlin:
„Was wir an positiven Aspekten haben, kommt aus dem Inland. Es ist schon bemerkenswert, dass sich der private Verbrauch und die Investitionen im Inland schon seit längerem weitgehend stabil halten. Die Fortsetzung dieses Trends ist der positive Aspekt dieser Zahlen. Der Bau blieb leider hinter den Erwartungen zurück, wir hatten wegen der Kürzung der Eigenheimzulage auf ein stärkeres Wachstum gesetzt.Für eine Rezession sind die Rückgänge außergewöhnlich mild, so dass man im ersten Halbjahr eher von einer ausgeprägten Stagnation sprechen sollte. Es ist sehr gewagt, von diesen rückwärtsgewandten Zahlen auf das zukünftige Wachstum zu schließen. Tendenziell sollten wir vom Außenbeitrag jedoch im zweiten Halbjahr wieder einen positiven Beitrag sehen. Ob es aber im Gesamtjahr für ein Wachstum reicht, ist fraglich.“

Thomas Hück, Hypo-Vereinsbank:

„Die Zahlen passen ziemlich gut in das bisherige Bild. Der Staatsverbrauch und der Bau haben sich etwas erholt. Der deutliche Rückgang bei den Exporten war jedoch eine kleine Überraschung. Die Daten zeigen, dass die Inlandsnachfrage immer noch sehr schwach ist. Die Nettoexporte fielen zum dritten Mal in Folge und zeigen, dass es von der Weltwirtschaft noch keinen Impuls gab. Deutschland hat eindeutig Schwierigkeiten, eigenes Wachstum zu generieren und das dritte Quartal wird auch schwierig werden, besonders wegen der Sommerferien. Ob der September einen großen Unterschied für das Quartal machen wird, ist fraglich.“

Ulrike Kastens, Sal. Oppenheim:
„Dass der private Konsum stagniert, überrascht mich weniger, eher, dass die Staatsausgaben angestiegen sind. Das Ergebnis am Bau ist nicht verwunderlich, weil das erste Quartal so schlecht war. Da gab es nun Nachholeffekte. Die Inlandsverwendung hat zugenommen, aber vor allem wegen der Staatsausgaben. Das spricht nicht für hohe Qualität des Wachstums, da es hauptsächlich vom Staat getragen ist. Bei den Exporten müssen wir wahrscheinlich auch im dritten Quartal mit einem schwachen Ergebnis rechnen. Da hat sich im ersten Halbjahr die Aufwertung des Euro bemerkbar gemacht. Wir setzen unsere Hoffnung auf die USA als weltweiten Wachstumsmotor, rechnen aber erst im vierten Quartal mit einer Belebung des deutschen Exports. Für das dritte Quartal erwarten wir in Deutschland ein Wachtum von 0,3 % und im Gesamtjahr eine Stagnation. Wir warten jetzt erstmal auf harte Fakten, die die Erholung belegen.“

Ralph Solveen, Commerzbank:

„Auf den ersten Blick ist mir die relativ gute Inlandsnachfrage aufgefallen. Natürlich boomt der Konsum nicht gerade, ist aber dennoch halbwegs aufwärts gerichtet. Das ist eher eine positive Überraschung. Es ist damit noch klarer geworden, dass es im Außenhandel im ersten Halbjahr nicht gut lief, dafür aber im Inland etwas besser. Jetzt spricht alles dafür, dass die Weltwirtschaft anzieht, außerdem ist der Euro wieder etwas gesunken: Damit steht positiven Wachstumsraten im zweiten Halbjahr eigentlich nichts mehr im Wege.“

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