Energiepreise
Inflation auf höchstem Stand seit 1994

Die rekordhohen Ölpreise haben die Inflation im Juni so stark angeheizt wie seit fast 15 Jahren nicht mehr. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) bezeichnete die galoppierenden Energiepreise als größte Bedrohung für die Weltwirtschaft.

HB BERLIN. Die Verbraucherpreise stiegen um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Das ist der höchste Wert seit Dezember 1993. Damals betrug die Teuerungsrate 4,2 Prozent. Im Mai dieses Jahres waren es noch 3,0 Prozent.

Größter Preistreiber war erneut Energie, nachdem Öl im Juni so teuer war wie nie zuvor. Für ein Fass Rohöl mussten am Freitag erstmals mehr als 141 Dollar bezahlt werden. Heizöl kostete etwa in Baden-Württemberg 67 Prozent mehr als vor einem Jahr. Diesel und Benzin verteuerten sich um 15,2 Prozent. An vielen Tankstellen mussten für einen Liter Sprit zeitweise Rekordpreise von mehr als 1,55 Euro je Liter hingeblättert werden.

Das Ölkartell Opec sagt für die kommenden Wochen neue Spitzenpreise von 150 bis 170 Dollar voraus. „Das bedeutet mehr Inflation und weniger Wachstum“, sagte EZB-Ratsmitglied Miguel Angel Fernandez Ordonez.

Die Bundesbank erwartet erst am Jahresende wieder einen nachlassenden Preisdruck in Deutschland. Für das Gesamtjahr rechnet sie mit einer Teuerungsrate von rund drei Prozent. Auch Analysten erwarten im Sommer keine Entspannung.

Dann dürften auch die an den Ölpreis gekoppelten Preise für Erdgas und Fernwärme nach oben gehen, sagte Commerzbank-Analyst Matthias Rubisch: „Die Teuerung dürfte deshalb in den nächsten Monaten weiter auf 3,5 Prozent steigen.“ Das belaste die Kaufkraft und den privaten Konsum. Schon im ersten Quartal stiegen die Preise schneller als die Löhne.

Die Preise klettern auch in anderen Euro-Ländern rasant. In Spanien wurde mit 5,1 Prozent die bislang höchste Teuerungsrate ermittelt. In Belgien lag sie mit 5,8 Prozent so hoch wie seit fast 24 Jahren nicht mehr. Für den gesamten Euro-Raum erwarten die von Reuters befragten Analysten eine Rekordinflationsrate von 3,9 Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht stabile Preise auf mittlere Sicht nur bei Raten von knapp unter zwei Prozent gesichert. Sie hat deshalb signalisiert, ihren Leitzins kommende Woche erstmals seit gut einem Jahr von derzeit 4,0 auf dann 4,25 Prozent anzuheben.

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