Englands Einzelhandel
Wenn die Konsumlust sinkt

Der Einzelhandel in England steuert in schwieriges Fahrwasser: Finanzkrise und Kartellvorwürde kratzen an Umsatz und Image der Branche. Die britischen Handelskonzerne befürchten eine spürbare Abkühlung des Konsumklimas.

LONDON. Die steigenden Hypothekenzinsen und die Krise der Bank Northern Rock werden nach ihrer Erwartung die Geschäfte im zweiten Halbjahr belasten. Analysten rechnen auch für 2008 mit niedrigeren Wachstumsraten. Im August stiegen die Einzelhandelsumsätze noch einmal stärker als erwartet. Die Daten des Nationalen Statistikamtes zeigen allerdings, dass die Händler die Zuwächse zum Teil mit Preissenkungen erkauft haben.

Der britische Konsum hängt stark mit der Entwicklung der Immobilienpreise zusammen. Beide Märkte haben im Gleichschritt mehr als ein Jahrzehnt lang geboomt. Die überwiegende Mehrheit der Briten besitzt Eigenheime, und sie hat sich, abgesichert durch steigende Hauspreise, verschuldet, um mehr zu konsumieren. Dieser Zusammenhang droht jetzt, den Handel in Schwierigkeiten zu bringen, wenn die nach einer Serie von Leitzinserhöhungen steigenden Hypothekenzinsen den finanziellen Spielraum der Haushalte einengen und zugleich die Hauspreise nicht mehr steigen oder sogar fallen.

„Wir rechnen mit einem schwierigen zweiten Halbjahr“, sagte am gestrigen Donnerstag Gerry Murphy, Chef des Handelskonzerns Kingfisher. „Die jüngsten Zinserhöhungen und die Unsicherheit an den Finanzmärkten werden das Kundenverhalten beeinflussen.“ Zwar hätten die Leitzinsen jetzt wohl ihren Höhepunkt erreicht, doch es werde noch einige Zeit dauern, bis sich die Erhöhungen im Portemonnaie aller Kunden bemerkbar machten. In Großbritannien sind flexible Hypothekenverträge mit jährlicher Zinsanpassung üblich, so dass Leitzinserhöhungen rasch auf das verfügbare Einkommen durchschlagen. Bei Kingfisher als führendem Baumarkt-Konzern Europas kommt noch hinzu, dass ein Einbruch auf dem Hausmarkt sofort auf die Käufe von Heimwerkerbedarf durchschlägt. Im ersten Halbjahr steigerte Kingfisher den Gewinn um sechs Prozent und den Umsatz um zehn Prozent.

Ken Morrison, der Chef der Supermarktkette WM Morrison, kündigte am Donnerstag an, dass er wegen der gegenwärtigen Marktbedingungen den geplanten Verkauf von 25 Handelsimmobilien verschiebe. Außerdem erwarte er steigende Preise für Agrarprodukte nach den Überschwemmungen dieses Sommers in England. Doch WM Morrison werde mit Kostensenkungen dagegenhalten. Die viertgrößte Supermarktkette des Landes übertraf mit einer Verdoppelung des Gewinns die Analystenerwartungen. Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr um knapp drei Prozent.

Am Dienstag hatte bereits Rob Templeman, Chef der Kaufhauskette Debenhams, vor „herausfordernden Marktbedingungen“ gewarnt. Auch die Handelsgruppe Woolworths zeigte sich zurückhaltend, was das Konsumklima bis Weihnachten anbelangt. Es würde helfen, wenn die Notenbank die Leitzinsen bald senke, sagte Firmenchef Trevor Bish-Jones.

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