Enormer BIP-Schub

Deutsche Wirtschaft lässt Krise weit hinter sich

Der Deutschland-Boom ist ungebrochen: Konsum und Investitionen treiben die Wirtschaftsleistung wieder über das Vorkrisenniveau. Doch die Euro-Schuldenkrise könnte den Dauer-Aufschwung jäh stoppen.
Update: 24.05.2011 - 09:22 Uhr 8 Kommentare
Hochofen des zum Stahlkonzern Arcelor Mittal gehörenden Werkes im brandenburgischen Eisenhüttenstadt. Quelle: dpa

Hochofen des zum Stahlkonzern Arcelor Mittal gehörenden Werkes im brandenburgischen Eisenhüttenstadt.

(Foto: dpa)

WiesbadenDie deutsche Wirtschaft ist mit enormem Schwung in das Jahr 2011 gestartet. Angetrieben von kräftigen Investitionen und staatlichen Konsumausgaben legte das Bruttoinlandsprodukt(BIP) im Vergleich zum Vorquartal real um 1,5 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Die Statistiker bestätigten damit ihre vorläufige Berechnung. Die Wirtschaftsleistung übertraf bereits wieder das Vorkrisenniveau von Anfang 2008.

Nach Überzeugung von Ökonomen wird sich das deutsche Wachstum im zweiten Quartal zwar verlangsamen, etwa wegen der schwelenden Staatsschuldenkrise in Griechenland und anderen Euroländern oder wegen der anziehenden Preise. Die Deutsche Bundesbank rechnet dennoch mit einem anhaltendem Boom.

„Nach diesen Zahlen bin ich sehr zuversichtlich, dass wir im zweiten Quartal keinen Einbruch bekommen“, sagte Rainer Sartoris von HSCB Trinkaus. Die Dynamik werde sicherlich „merklich“ nachlassen, weil die witterungsbedingten Nachholeffekte am Bau weitgehend im ersten Quartal stattgefunden hätten. „Aber der Aufschwung hat eine breite Basis“, erklärte der Ökonom. „Besonders die Ausrüstungsinvestitionen dürften das Wachstum weiter stützen“, ist sich Sartoris sicher. „Wir rechnen in diesem Jahr mit einem Wachstum von mehr als drei Prozent.“

Auch Jörg Lüschow von der WestLB erwartet eine Abschwächung der Wachstumsdynamik in den nächsten Quartalen. „Die Wachstumsraten dürften aber immer noch über dem Potenzialwachstum liegen“, fügte er hinzu. Den Unternehmen gehe es gut, die Gewinne hätten sich verbessert. Das sei auch ein Grund dafür, dass die Ausrüstungsinvestitionen so stark gestiegen sind. „Deshalb dürften diese Ausgaben auch in Zukunft weiter zunehmen“, ist sicher der Ökonom sicher. Das sei gut für den Arbeitsmarkt. „Die Arbeitseinkommen werden künftig stärker zulegen, was dem privaten Konsum hilft“, so Lüschow.

Andreas Rees von der Unicredit sprach angesichts der Zahlen von einem robusten Aufschwung. Die Anzeichen für eine Verbreiterung seien unübersehbar. „!Die Binnennachfrage hat zwei Drittel des Wachstums getragen.“ Rees dämpfte zugleich den Konjunkturoptimismus und prophezeite, dass die Frühindikatoren nachgaben dürften. „Ab Herbst dürfte die Exportdynamik nachlassen und dann die deutsche Wirtschaft einen Gang zurückschalten“, so Rees.

Wie die Statistiker bestätigten, kamen die positive Impulse im ersten Vierteljahr vor allem von der Binnenwirtschaft: Insbesondere die Investitionen in Bauten (plus 6,2 Prozent) und in Ausrüstungen wie Maschinen und Fahrzeuge (plus 4,2 Prozent) zogen verglichen zum Schlussquartal 2010 kräftig an. Auch die staatlichen Konsumausgaben legten deutlich um 1,3 Prozent zu, während der private Konsum nur leicht um 0,4 Prozent stieg.

Auch die globale Konjunkturerholung wirkte sich positiv auf das deutsche Wachstum aus. Die Exporte stiegen Anfang 2011 gegenüber dem Vorquartal um 2,3 Prozent. Gleichzeitig wurden preis, saison- und kalenderbereinigt 1,5 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen importiert. Der daraus resultierende Außenbeitrag hatte nach den Angaben mit einem Wachstumsbeitrag von plus 0,5 Prozentpunkten einen geringeren Anteil am kräftigen BIP-Wachstum als die inländische Verwendung mit 1,0 Prozentpunkten.

  • dpa
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8 Kommentare zu "Enormer BIP-Schub: Deutsche Wirtschaft lässt Krise weit hinter sich"

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  • Ihr Beitrag ist durchaus interessant. Würden die Deutschen auf einer Insel der Glückseligen leben, völlig abgetrennt vom Rest der Welt, völlig unabhängig von Exporten in die Nachbarländer, China und den USA, würde ich Ihnen durchaus Recht geben. Blöd nur, wenn dann demnächst viele unserer lieben europäischen Nachbarn und die Amerikaner sich nicht mehr die tollen Produkte "Made in Germany" leisten können, weil sie erst mal sehen müssen, wie sie ihre Schulden abbezahlen und wie sie einen Job finden. Man muss die Realität und die Tatsachen völlig ignorieren, um das nicht zu sehen, dass es demnächst wieder mächtig knallt.
    Und wenn das eintrifft, platzt auch das Wunderkind China, welches momentan durch das weiterhin aufgeputschte künstliche Wirtschaftswachstum unsere Sachen abkauft. Aber das werden die schlauen Chinesen auch nicht mehr machen, wenn die Nachfrage wieder einbricht. Schließlich ist China auch nix anderes als der verlängerte Produktionsarm der Welt.

  • Ihr habt doch alle einen an der Klatsche! Geht arbeiten und tragt mal was zur Volkswirtschaft bei. Immer nur jammern und von anderen fordern. Überlegt mal, wie ihr dem Gemeinwohl etwas beitragen könnt!

  • In Anbetracht einer sich anbahnenden Kernschmelze Europas, einem absehbaren Zusammenbruch diverser Wirtschaften Europas durch die Schuldenkrise und einem darauf folgenden Super GAU im wirtschaftlichen und finanziellen Bereich wirken diese Jubelschreie ein bisschen skurril.
    Wie das letzte Aufbäumen eines tödlich verletzten Soladten, welcher darüber jubelt, dass er dem Gegner wenigstens ein Haar gekrümmt hat.
    Das todkranke, hochverschuldete (insolvente) und korrupte Europa und die USA werden fallen. Wie auch einst das Reich Alexander des Großen, das römische Reich, die Sowjetunion oder andere vor uns gefallen sind....und Europa wird in Flammen aufgehen. Noch sind die Proteste in Spanien eher ruhig. Noch. Denn die Situation wird sich nicht schnell verbessern und weiter ausarten. Und andere Länder werden folgen. Was kommen wird, ist eine Jasminrevolution im Euro-Raum, wenn noch weitere Probleme hinzukommen.

    Aber jetzt lasst uns erst mal weiter Party machen in Saus und Braus und die Korken knallen. Die Party auf dem Vulkan geht weiter und der Vulkan brodelt wieder. Noch nur auf Island....

  • Ok, das war von mir missverständlich, da ich die Politiker als Elite bezeichnete - deren Selbstverständnis. Das sind natürlich nur die Marionetten der dahinter stehenden Elite!

  • hier noch der Link zu Rogowski und SEW:
    http://www.sew-eurodrive.de/presse/2011-05-13_1305203623_P.htm

  • Am 13. Mai erhielt der Ex-BDI Präsident Dr. Jürgen Rogowski den mit 100.000 Euro dotierten Ernst-Blickle-Preis.
    Er erhielt den Preis für den hohen Wertschöpfungsanteil, den er in den von ihm geführten und gestaltenten Industrieunternehmen erzielt hat.
    Ebenso für seinen vorbildlichen Einsatz für die Vertretung wirtschaftpolitischer Interessen der Industrie.
    Rogowski ist zudem überzeugter Europär, der in der Finanzkrise eine klare Pro-Europa-Linie vertrat und gleichzeitig die Chancen des europäischen Wirtschaftsraums immer wieder eindringlich in Erinnerung rief.
    --
    Die Industrie feiert sich mit höchstdotierten Preisen wieder selber. Was macht Rogowski mit dem erhaltenen Geld?
    Kauft er dafür giechische Staatsanleihen?
    Verhurt er es in einem Ergo-Bordell oder hält er sich eher an Strauss-Kahn?
    Wäre nett, wenn die Öffentlichkeit etwas über die 100.000 Euro und deren weiterer Verwendungszweck erfahren würde.

    Dieser wurde ihm im Bruchsaler Schloß von SEW-Eurodrive-Stifung Vortsnad Rainer Blickle überreicht.
    5 Euro für Hartz IV, aber 100.000 Euro für einen Cheflobbyisten der Großindustrie!
    Gute Nacht, BRD = Bananenrepublik Deutschland

  • Wieso hat die "Elite" nichts gelernt ?
    Sie machen doch die ihnen aufgetragene Arbeit - ausbluten und abhängig machen des Volkes.....
    Und das tun sie bewusst und vorsätzlich !

  • Es zeigt sich in dramatischer Vollendung, dass der Euro für die deutsche Wirtschaft viel zu schwach ist. Und deshalb Deutschland seinen Wohlstand verschenkt! Einfach verschenkt, als Opfer für ein "politisches Projekt".
    Mit einer Hartwährung könnten sich die Arbeitnehmer viel mehr leisten, da die Importe viel billiger wären. Die Arbeitnehmer - sprich Steuerzahler - subventionieren mit ihrem Wohlstand eine Währung, damit die Exportindustrie floriert. Perfider kann es nicht sein - vor allem, da in der Staatspropaganda immer getrommelt wird in Goebbelscher Manier - ja, das können sie noch, unsere Presse! - dass Deutschland vom Euro am meisten profitiert. Es ist erschreckend, was unsere Elite dem deutschen Volk zumutet. Die haben nichts gelernt. Genauso schlimm wie Kaiser Wilhelm und Hitler. Widerwärtig!

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