Entscheidung für kommissarischen Leiter Steinherr
DIW findet nach langer Suche neuen Konjunkturchef

Die fast zehn Monate dauernde Hängepartie um den künftigen Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin ist zu Ende: Am Dienstag hat sich die siebenköpfige Berufungskommission des Instituts nach Informationen des Handelsblatts dafür ausgesprochen, den bisherigen kommissarischen Abteilungsleiter Alfred Steinherr dauerhaft als Konjunkturchef an das DIW zu holen.

DÜSSELDORF. „Die Entscheidung fiel einstimmig“, erfuhr das Handelsblatt aus Institutskreisen. Offiziell lehnte das Institut am Dienstag einen Kommentar dazu ab. Die Entscheidung für Steinherr bedeutet einen Bruch mit der traditionell streng keynesianischen Ausrichtung der Konjunkturabteilung der Denkfabrik.

Zunächst war der 61 Jahre alte Ökonom nur als eine Übergangslösung gedacht: DIW-Chef Klaus Zimmermann hatte den Chefvolkswirten der Europäischen Investitionsbank in Luxemburg und Ökonomie-Professor an der Universität Bozen im Januar für ein Jahr nach Berlin geholt. Steinherr sollte die Geschäfte der Konjunktur-Abteilung so lange vertretungsweise führen, bis eine endgültige Lösung für die Nachfolge des in Ungnade gefallenen Gustav Adolf Horn gefunden war. Steinherr, der seine beiden Jobs in Luxemburg und Bozen behielt, war im Schnitt zwei Tage in der Woche in Berlin. „Alle Beteiligten haben so viel Spaß an der Sache gefunden, dass man sich jetzt entschlossen hat, das Provisorium in eine Dauerlösung zu verwandeln“, heißt es im DIW.

Steinherr sei ein „exzellenter Forscher“, zudem verfüge er über breite Erfahrung in der Politikberatung und über einen sehr internationalen Horizont, hieß es aus dem Institut. In den achtziger Jahren hat der gebürtige Münchener unter anderem für den Internationalen Währungsfonds, die Weltbank und die EU-Kommission gearbeitet und vier Jahre das belgische Konjunkturforschungsinstitut IRES geleitet.

Das DIW hofft, mit der Entscheidung für Steinherr die seit Juni schwelenden Personalquerelen in den Griff zu kriegen. Damals hatte das Kuratorium des Instituts entschieden, den Ende 2004 auslaufenden Vertrag von Horn nicht zu verlängern. Nach Handelsblatt-Informationen war Zimmermann mit der wissenschaftlichen Leistung seines Konjunkturchefs unzufrieden – dieser habe zu wenig in wissenschaftlichen Fachzeitungen publiziert.

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