Entwarnung
Die Angst vor einem „Double Dip“ lässt nach

Einen Rückfall großer Industriestaaten in die Rezession halten immer weniger Ökonomen für wahrscheinlich. Die unerwartet gute Konjunkturentwicklung der vergangenen Wochen hat das Lager der Optimisten gestärkt. Auch Axel Weber, der Präsident der Deutschen Bundesbank, gab am Donnerstag in einem Vortrag in Israel einen positiven Ausblick auf 2010.
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DÜSSELDORF. "Es gibt in der Eurozone wie auch in anderen großen Volkswirtschaften mehrere Faktoren, die auf einen recht freundlichen Ausblick hinweisen und eine Double-Dip-Rezession sehr unwahrscheinlich machen", sagte Weber dort laut Redetext. Ein "Double Dip" träte ein, wenn auf eine kurze Wachstumsphase noch einmal mindestens zwei Quartale mit sinkender oder stagnierender Wirtschaftsleistung folgten.

Weber verwies auf die Konjunkturprogramme, die noch weit in das kommende Jahr hineinwirkten, auf die günstigen Konjunkturdaten, die den Optimismus der Finanzmärkte stützten, und auf niedrige Inflationsraten ohne echte Deflations-Gefahr.

Im laufenden Jahr hat die Konjunktur in der Eurozone und den USA einen V-förmigen Verlauf genommen: Einem jähen, tiefen Absturz im ersten Quartal folgte eine überraschend starke Gegenreaktion. In Deutschland ging es tiefer runter als anderswo, aber auch schon im zweiten Quartal wieder aufwärts. So erwartet die Bundesregierung nun für 2009 einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um fünf Prozent und für 2010 ein Plus von 1,2 Prozent.

Nächstes Jahr erhalten die großen Volkswirtschaften weiterhin starken Rückenwind durch nationale Konjunkturprogramme. Eine aktuelle Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft zeigt, dass in den USA 42 Prozent des Konjunkturpakets erst im kommenden Jahr wirksam werden. In Deutschland sind es sogar 52 Prozent.

Doch was kommt danach? "In der aktuellen Lage, in der der Aufschwung mehr als sonst von fiskal- und geldpolitischen Impulsen geprägt ist, droht der Entzug dieser Impulse eine gewisse Abkühlung mit sich zu bringen", warnt Jürgen Michels, Chefvolkswirt der Citigroup für die Eurozone in London."Die Frage, ob wir schon einen selbsttragenden Aufschwung haben, ist noch nicht beantwortet." Er erwartet ein sinkendes Wachstumstempo, aber keinen Rückfall in die Rezession.

Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank in Frankfurt, sagt für das erste Quartal 2010 sogar einen Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung voraus. Als Grund nennt er den Wegfall der Abwrackprämie. Auch weltweit werde es Probleme geben, sobald die Konjunkturprogramme beendet seien. "Wenn es einen Double Dip geben sollte, dann eher 2011 oder 2012", sagt er. Die Banken und Unternehmen brauchten noch Jahre, um ihre Bilanzen zu bereinigen und auch die Haushalte müssten sich in vielen Ländern erst noch entschulden.

Auch Weber wies in seiner Rede auf solche Risiken hin. Die Prognosen seien mit großen Unsicherheiten behaftet und das Wachstumstempo werde geringer sein als in der Vergangenheit, sagte der Bundesbank-Chef.

Ein "Double Dip" werde wohl nur bei einem exogenen Schock eintreten, meint Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. Er verwies auf 2003, als die Invasion im Irak die Erholung der Weltwirtschaft von den Terroranschlägen vom September 2001 unterbrochen hatte.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom

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