Erfreuliche Entwicklung bei Kreditvergabe
Geldmengenwachstum etwas verlangsamt

Das Wachstum der Geldmenge M3 hat sich in der Euro-Zone im Mai wie von Analysten erwartet etwas verlangsamt. Mit 8,5 % im Mai nach revidierten 8,6 % im April lag das Wachstum der Geldmenge zum Vorjahresmonat nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) aber weiterhin auf hohem Niveau.

Reuters FRANKFURT. Dies führten Volkswirte darauf zurück, dass Anleger weiterhin in M3 enthaltene sichere Kapitalanlagen bevorzugten. Als positiv hoben die Volkswirte das leicht beschleunigte Wachstum der Kreditvergabe in der Euro-Zone hervor.

Wie die EZB am Montag in Frankfurt weiter mitteilte, betrug das M3-Wachstum im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt von März bis Mai wie in der Periode von Februar bis April 8,3 % und lag damit weiter deutlich über dem EZB-Referenzwert für einen inflationsneutralen Zuwachs der Geldmenge von 4,5 %. Von Reuters befragte Volkswirte hatten sowohl für die Jahresrate im Mai als auch den Dreimonatsdurchschnitt im Schnitt 8,3 % vorausgesagt.

Analyst Julian von Landesberger von der Hypo-Vereinsbank, sagte, die Geldmengendaten zeigten nichts Neues. Erfreulich sei die Entwicklung bei der Kreditvergabe in der Euro-Zone. Hier beschleunigte sich das Wachstum nach EZB-Angaben auf 4,9 % im Mai nach 4,7 % im Vormonat. „Man sollte dabei allerdings beachten, dass die Rate weiterhin sehr moderat ist. Sie zeigt noch keinen starken Aufschwung an, sondern stellt eher eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau dar“, sagte von Landesberger. An den privaten Sektor wurden 5,1 (April 5,0) Prozent mehr Kredite vergeben als vor einem Jahr. Ein beschleunigtes Kreditwachstum gilt als Anzeichen für eine künftige Belebung der Geschäftstätigkeit.

Starkes Geldmengenwachstum kann zu steigender Inflation führen und ist für die EZB, deren oberstes Ziel ein stabiles Preisniveau ist, normalerweise ein Zeichen für die Notwendigkeit von Zinserhöhungen. Der EZB-Referenzwert von 4,5 % wird allerdings bereits seit Mitte 2001 deutlich überschritten, was die EZB vor allem auf Verluste an den Aktienmärkten zurückführt. Die Anleger parken derzeit Kapital in - in M3 enthaltenen - festverzinslichen Wertpapieren und nutzen es nicht zur Konsum- oder Investitionsnachfrage, die die Verbraucherpreise in die Höhe treiben könnten.

Mit ihrer jüngsten Strategieanpassung hatte die EZB die Geldmenge weiter aus dem Rampenlicht genommen. Statt als erste von zwei Säulen ihrer geldpolitischen Strategie ordnet die Notenbank die Analyse der Geldmenge nun als mittel- bis langfristig ausgerichtete Bewertung der Inflationsperspektiven ein.

M3 umfasst nach Definition der Zentralbank Bargeld, Einlagen auf Girokonten bei Banken, Einlagen und Schuldverschreibungen bis zu zwei Jahren, Repogeschäfte, Geldmarktpapiere und -fonds sowie Spareinlagen mit bis zu dreimonatiger Kündigungsfrist.

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