„Erhebliche Risiken“

Deutschland bleibt auf Wachstumskurs – noch

Der deutschen Wirtschaft konnte die Euro-Krise bislang nur wenig anhaben. Allerdings mehren sich die Anzeichen einer Konjunkturabkühlung. Das Wachstum ging zurück – wenn auch nicht ganz so stark wie erwartet.
Update: 14.08.2012 - 08:14 Uhr 16 Kommentare
Für 2013 erwartet der Wirtschaftsminister ein größeres Wachstum. Quelle: dpa

Für 2013 erwartet der Wirtschaftsminister ein größeres Wachstum.

(Foto: dpa)

WiesbadenKauffreudige Verbraucher und steigende Exporte haben die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal auf Wachstumskurs gehalten. Das Bruttoinlandsprodukt kletterte von April bis Juni um 0,3 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Zu Jahresbeginn waren es noch 0,5 Prozent. Die 46 von Reuters befragten Ökonomen hatten mit einem Plus von 0,2 Prozent gerechnet, wobei die Schätzungen zwischen minus 0,2 und plus 0,4 Prozent lagen.

„Nach vorläufigen Berechnungen sind die Exporte etwas stärker gestiegen als die Importe“, schrieben die Statistiker. „Außerdem wurde im Inland sowohl von den privaten als auch von den öffentlichen Haushalten mehr konsumiert als im Vorquartal.“ Der Rückgang der Investitionen - vor allem in Maschinen, Geräte und andere Ausrüstungen - konnte so kompensiert werden. Details gibt das Statistische Bundesamt am 23. August bekannt.

Ökonomen werteten die Zahlen positiv. "Das ist ein bemerkenswertes Ergebnis angesichts des sehr negativen Umfelds in der Euro-Zone, sagte Unicredit-Ökonom Andreas Rees. "Wir gehen davon aus, dass Deutschland in der zweiten Jahreshälfte immer noch ein leichtes Wachstum hinbekommen wird." Ein Warnsignal seien allerdings die schwachen Ausrüstungsinvestitionen. Sie seien wohl das zweite Mal in Folge zurückgegangen. Dies zeige, dass die Firmen sehr empfindlich auf die sich abzeichnende konjunkturelle Verlangsamung in der Weltwirtschaft reagierten.

Auch Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sprach von soliden Zahlen. "Bis auf weiteres dürfte das aber die letzte positive Nachricht gewesen sein aus Deutschland," schränkte er ein. Die Auftragseingänge sinken seit Mitte 2011, der Einkaufsmanagerindex fällt seit Monaten. Die deutsche Wirtschaft dürfte deshalb im Sommer schrumpfen. Sie sei zwar fundamental gut aufgestellt, könne sich aber von der Rezession in der Euro-Zone nicht abkoppeln.
Christian Schulz von der Berenberg Bank sieht ebenfalls die Entwicklung der deutschen Wirtschaft eng mit der Euro-Krise verknüpft. "Entscheidend bleibt, ob die Eurokrise unter Kontrolle gebracht werden kann. Wir gehen davon aus, dass die EZB hier mit ihrem Signal für einen Anleihekauf die Wende eingeleitet hat, sagte er.

Scharfer Gegenwind
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16 Kommentare zu "„Erhebliche Risiken“: Deutsche Wirtschaft bleibt auf Wachstumskurs – noch"

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  • @ Aktuelle Kamera

    leider hatte ich schon vorher im Rahmen des innerdeutschen Handels das Vergnügen mit den völlig entspannten DDR-Mandatsträgern Kontakt zu haben. Wenn diese "Herrschaften" in den Westen kamen wurde beim Abendessen erstmal über eigen Versorgungsprobleme gesprochen, irgendwie hatten alle Kinder deren Studienzeit natürlich auch die Haushaltskasse belastet usw.usw.. Am nächsten Tag ging man mit denen dann Einkaufen, zuerst ein Koffer und dann wurde der nach und nach gefüllt. Geschäfte liefen dann störungsfrei. Die Genossinen und Genossen waren korrupt bis in die letzte Haarspitze. Bei Gegenbesuchen waren die Zimmer so verwanzt das man sich oft mit Zeichensprache verständigen mußte. Und innerhalb der DDR - Sie Musterbürger - was ich da gesehen und erlebt habe habe ich in keinem anderen "Ostblockstaat" erlebt; und ich war seit 1972 monatlich in diesen Ländern unterwegs. Tja, die Gutmenschen aus dem Osten unserer Republik, konnten schon immer alles besser, hatten leider nur 40 Jahre Zeit gehabt sonst wäre alles besser wie in der BRD geworden; und von der knappen Zeit mußte man ja noch Erich zujubeln, aber sonst alles prima. Tolle Wohnungen, Luxuskarossen unterm Hintern, Reisen und exquisiter Lebensstil; alles aufgegeben für die BRD.
    Und da kommen Sie daher und schwadronieren Unfug.

  • @Rudi
    "Auch die Meinungsfreiheit war in der DDR immer besser als in der BRD."

    Kann auch nur von einem Menschen kommen, der da nie gelebt hat. Andere als Klugscheißer bezeichnen und selbst Schwachsinn verbreiten. Wenn Sie die DDR seit der Wendezeit erleben durften, dann bin ich Ihnen mehr als 20 Jahre voraus.

  • @ Aktuelle Kamera

    in der DDR waren die Verhältnisse viel besser, das habe ich in der Wendezeit selbst sehen und erfahren können. Auch die Meinungsfreiheit war in der DDR immer besser als in der BRD. Da konnten Sie gefahrlos auf Schlaglöcher und andere Unbilligkeiten hinweisen und auch Genosse Erich mal öffentlich so richtig den Marsch blasen. Dass nach 1990 mehr als 1 Billion in den abgewrackten DDR_Staat gepumpt wurde und heute noch weitere Mittel fliessen und die Etats des Bundes, der Länder und Gemeinden - mit allen negativen Auswirkungen - belasten, ignorieren Sie.
    Auf solche Klugscheisser wie Sie haben wir noch gewartet.

  • "Das ist das Wirtschaftswunder, das ist das Wirtschaftswunder..."
    "Gehen Sie mit der Konjunktur...gehen Sie mit, gehen Sie mit...!"

    Wachstum lässt sich überall in Deutschland erkennen. Komisch, dass immer mehr städtische Schwimmbäder geschlossen werden müssen. Dass für Renovierung von Schulen und Kitas kein Geld da ist. Dass mein Auto auf dem Weg zur Arbeit und damit zur Steuerbeschaffung für Merkel und co. durch Schlaglöcher und Asphaltflickenteppiche rumpelt. Daran lässt sich der steile Aufstieg Deutschlands erkennen. Alles nur eine Frage der Auslegung. Kenn ich noch aus der DDR. Da war in den Medien auch alles rosarot.

  • Die (zitierten) Ökonomen glänzen wieder einmal mit Plattitüden.
    Wer die Grundlagen der Volkswirtschaft verstanden hat, sollte wissen, dass die Wirtschaft abkühlt, wenn Blasen und Schulden zu einem vorherigen Überkonsum geführt haben. Wenn sich Staat und Zentralbank ihre Interventionsfähigkeit bewahrt (und nicht durch „dicke Bertas“, „Bazukas“ u.ä.) leichtfertig verspielt hätten, könnten sie mit geeigneten Mitteln regulierend eingreifen. Die „Ökonomen“ sollten wissen, dass Anleiheaufkäufen und Gelddruckerei keine geeigneten Mittel sind.

  • "Hier muss man ansetzen."

    Meine volle Zustimmung. Wobei es nicht nur die Workaholics sind. Es sind auch viele Inhaber von Geldvermögen. Wobei das grösste Problem für mich die Typen in der 2. und 3. Ebene des Managements sind, die täglich mehr werden. Sie sind überbezahlt, hängen in Projekten und sonstigen Laberrunden rum, produktiv kommt nix dabei raus. Diese Leute werden immer mehr eingestellt, während an der Basis die Leute (Arbeiter) entlassen werden. Immer mehr Verwalter treffen auf immer weniger Arbeiter. Ich bin zwar selbst nicht betroffen, aber im Freundeskreis hört man seit etwa 1 Jahr nur noch diese Geschichten. Irgendwas stimmt da nicht im System !

  • genau ,
    es geht bereits seit über 2 Jahenr abwärts.
    Konsumenten geben noch schnell mal ihre shit-Euros aus,
    lassen ihre Häuschen renovieren, bunkern Vorräte........
    www.krisenvorsorge.com

    Asien kauft noch ein paar Autos und Fabriken,
    weil der EURO so schön billig ist
    und dann gehts abwärts "Licht aus"

    denn ohne Struktur, Wirtschaftsplan und Marktabsicherung aber mit Börsencasino und Zinseszins ist das halt so .............geplant!

    Merkels oder Schäubles KARMA möchte ich echt nicht haben !

  • @harry
    Die finale Krise steht erst noch bevor
    http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/boerse-inside/finanzmaerkte-die-finale-krise-steht-erst-noch-bevor/3392318.html?slp=false&p=2&a=false#bgStart

    Das Sparschwein Europas–Deutschland–begeht freiwillig Selbstmord
    http://www.wahrheiten.org/blog/2012/01/30/eiszeit-das-sparschwein-europas-deutschland-begeht-freiwillig-selbstmord/comment-page-1/

    30.01.2012. Die Rettung Griechenlands - schon seit Mai 2010 werden wir damit in die Irre geführt. Vor allem französische Institute wären von einer geordneten Staatspleite der Griechen betroffen und bräuchten dann frisches Kapital, um nicht selbst Pleite zu gehen.
    Und zum anderen geht es um ca. 200 Mrd. Euro an dann fällig werdende CDS. Das ganze Gefasel, das wir uns jetzt schon seit Mai 2010 anhören müssen, ist also komplett gelogen! Griechenland müsse wettbewerbsfähig werden usw.
    Eine Insolvenz Griechenlands ist wahrscheinlich die einzige Gelegenheit für Investoren, voll ausgezahlt zu werden. Weil sich Hedge-Fonds angeblich im großen Stil mit CDS auf griechische Staatsanleihen eingedeckt haben, fürchtet die Politik bei einer Pleite Athens einen Flächenbrand, wie zu Beginn der Finanzkrise 2008. Hier spielt die Musik, hat mit der Rettung Griechenlands absolut nichts am Hut. Man schont schon wieder die Zocker, die sich wieder mal verzockt haben - koste es was es wolle - mit den Steuergeldern der ehrlichen Bürger Europas. Das ist Hochverrat. Was auf Hochverrat steht, kann man in den Geschichtsbüchern nachlesen.
    Zitate zur Schuldenkrise
    Wer die Anti-Demokratie sät, wird die Anarchie ernten. Das ist neben der polizeistaatlich erzwungenen Friedhofsruhe die einzig denkbare Folge der Negierung der Demokratie.

    Der Euro gefährdet den Frieden

    Westliche Regierungen in der Hand von Irren
    Gerald Celente, Trends Journal, 02.08.2012

    EZB-Geldflut erinnert an die Kriegsfinanzierung

    Alles bereits schön zusammengefasst unter: http://siggi40.de/geld/

  • @Siggi40.de
    Ich glaube, dass es falsch ist, Menschen aus den PIIGS-Staaten für die Probleme verantwortlich zu machen. Es ist ein perfides Finanzsystem, welches eklatante Schwächen aufweist und letztlich wieder dazu führen könnte, das zwischen den Nationen Hass entsteht, wie es schon zweimal in Europa in den letzten 100 Jahren der Fall war. Und zudem glaube ich auch, dass es falsch ist, einen ewigwährenden Wohlstand in Deutschland zu beanspruchen. Griechenland, Portugal, Spanien und Italien leiden extrem und wenn man sich die Berichterstattung in Deutschland anschaut, dann hat man den Eindruck, dass die Deutschen die größten Leidtragenden sind.

  • @Hardie67
    Ja, Sie sprechen das richtige Problem an. Das Land ist reich, produktiv und international wettbewerbsfähig, aber nicht alle haben etwas davon. Warum ist die Verteilung der Einkommen und der Vermögen so schief ? Es gibt eben die gutverdienenden Workoholics, die mit dem Handelsblatt einschlafen und mit 45 kollabieren und dann gibt es die Menschen, die nur mit Billigjobs über die Runde kommen. Hier muss man ansetzen. Dann hätte jeder etwas von dem riesigen Wohlstand und die Gesellschaft wäre insgesamt glücklicher. Interessant ist in diesem Zusammenhang die letzte UN-Glücksstudie. Werfen Sie einen Blick rein !

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