Erhöhung auf 4,25 % im Dezember?
Volkswirte rechnen mit weiter steigenden US-Zinsen

Bankvolkswirte erwarten auch für die kommenden Monate eine Fortsetzung der geldpolitischen Straffung durch die US-Notenbank. „Die US-Notenbank bleibt auf Kurs“, erklärte am Mittwoch Bastian Hepperle von der WestLB, nachdem die Federal Reserve am Dienstagabend zum elften Mal in Folge die Leitzinsen - auf nunmehr 3,75% - erhöht hatte.

HB FRANKFURT/M. Die Fed ignorierte damit Forderungen, angesichts der durch den Hurrikan „Katrina“ entstandenen wirtschaftlichen Schäden mit ihren Zinserhöhungen zu pausieren. Peter Kretzmer von Bank of America erklärte hierzu, dass die entlastende Wirkung ohnehin nicht von der Geldpolitik, sondern vorrangig in Form von Wiederaufbauhilfen von der Finanzpolitik kommen werde.

In ihrem Statement hatte die Fed darauf verwiesen, dass die Entwicklung der US-Wirtschaft kurzfristig zwar unter den Folgen des Hurrikans leiden werde - auch wegen der damit verbundenen Verteuerung von Energieprodukten -, andererseits jedoch nicht mit einer längerfristigen Belastung zu rechnen sei. Vor diesem Hintergrund betonte die US-Notenbank, dass ihre Geldpolitik weiterhin unterstützend wirke und der geldpolitische Expansionsgrad fortgesetzt zurückgeführt werden müsse. Trotz der höheren Energiepreise sprach die Fed zudem von einem eingedämmten Teuerungsdruck. Gegen den Zinsentscheid stimmte das Board- Mitglied Mark Olson. Damit fiel ein Zinsentscheid zum ersten Mal seit Juni 2003 nicht einstimmig aus.

WestLB-Ökonom Hepperle sagte, die nächste turnusmäßige Sitzung der Fed werde Anfang November stattfinden, also in der Phase, in der voraussichtlich mit schwächeren Wirtschaftsdaten zu rechnen sei. Gleichzeitig dürfte sich Hepperle zufolge bis dahin der allgemeine Preisdruck wegen der Energieverteuerung erhöhen. „Damit wird die Intensität der Diskussion im Offenmarktausschuss (FOMC) der Fed weiter zunehmen“, mutmaßt der Ökonom. Dennoch rechnet er damit, dass auch im November eine Mehrheit der Ausschussmitglieder für eine weitere Zinsanhebung um 25 Basispunkte auf dann 4,00 % stimmen wird.

Bank of America-Volkswirt Kretzmer sagte ebenfalls, dass angesichts des Statements eine Zinsanhebung Anfang November die wahrscheinlichere Entwicklung sei. Seiner Auffassung nach sorgt sich Notenbank gegenwärtig stärker um die künftige Inflationsentwicklung als um einen temporären Wachstumsknick aufgrund von „Katrina“. Angesichts der fiskalpolitischen Unterstützung für die von dem Hurrikan betroffenen Regionen würde bei einer Pause in der Zinserhöhungskampagne womöglich eine Überdosierung makropolitischer Impulse erfolgen, deutete Kretzmer an. Auch eine Zinserhöhung auf 4,25 % im Dezember stelle mittlerweile eine realistische Option dar.

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