Erholung auf niedrigem Niveau
Bundesbankpräsident sieht Konjunktur begrenzt optimistisch

Die weitere konjunkturelle Entwicklung in diesem Jahr in Deutschland sieht Bundesbankpräsident Axel Weber begrenzt optimistisch. Am Rande des Frühjahrstreffens von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Washington sagte Weber: "Die deutsche Wirtschaft erholt sich auf niedrigemNiveau."

HB WASHINGTON. Er rechne zwar damit, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen Januar und März um 0,5% gegenüber dem Vorquartal gewachsen ist, im zweiten und dritten Quartal "wird sich das Wachstum jedoch wieder abflachen", sagte Weber. Die relativ starke Entwicklung im ersten Quartal begründete Weber mit der niedrigen Ausgangsbasis im Schlussvierteljahr 2004. Offizielle Daten zum BIP im ersten Quartal werden im Mai veröffentlicht.

Weber betonte, dass er vor diesem Hintergrund weiterhin von einem deutschen Wirtschaftswachstum im Gesamtjahr 2005 von werktagebereinigt 1% ausgehe. Angesichts des sehr verhaltenen Wachstums sei zwar eine Festigung am Arbeitsmarkt, "aber keine dynamische Entwicklung" zu erwarten. Mit einem deutlicheren Rückgang der deutschen Arbeitslosenquote sei erst bei Wachstumsraten um die 2% zu rechnen, sagte Weber. Der Bundesbankpräsident verwies darauf, dass anhaltend hohe Ölpreise und der Euro-Wechselkurs die " Hauptrisiken" für die Wirtschaft darstellen würden. Zudem warnte er davor, dass eine "ergebnisoffene" Diskussion über Mindestlöhne Investitionen in Frage stellen könnte.

Mit Blick auf die Wirtschaft des Euroraums betonte Weber, dass gegenwärtig zwar "gemischte Konjunkturdaten" vorliegen würden, gleichzeitig aber "keine Anzeichen für eine Dynamisierung der Konjunktur" zu beobachten seien. Weber, der auch Mitglied im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) ist, sieht hierin aber kein Anlass für eine Zinssenkung durch die EZB. Das inflationäre Umfeld - mit persistent hohen Ölpreisen - sowie das starke monetäre Wachstum mit seinen Gefahren für die mittelfristige Preisstabilität würden gegen eine Lockerung des EZB-Leitzinses von 2,00% sprechen. Vielmehr sei das gegenwärtige Leitzinsniveau angemessen, so Weber. Er deutete an, dass dies wohl auch noch längere Zeit der Fall bleiben wird.

Trotz der hohen Öpreise äußerte sich der Bundesbankpräsident zuversichtlich, dass die Euroraum-Inflation im Jahresdurchschnitt 2005 unter 2% liegen werde. Die EZB, die Preisstabilität mit Teuerungsraten von "unter, aber nahe 2%" definiert, würde damit ihr Inflationsziel erfüllen. Der IWF hatte der EZB in seinem aktuellen Weltwirtschaftsausblick empfohlen, eine Zinssenkung nicht auszuschließen, sollte sich die konjunkturelle Schwäche im Euroraum fortsetzen. Weber sagte hierzu, eine Zinssenkung würde die hohe Liquidität nur weiter antreiben.

Angesichts der weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte, die am Wochenende in Washington Hauptthema der Gespräche auf G-7- und IWF-Ebene waren, sagte Weber, " der Beitrag Europas zu diesen Ungleichgewichten ist gering". Spiegelbild des hohen US-Leistungsbilanzdefizits seien die hohen Überschüsse in Asien, deshalb müsse vor allem im Verhältnis Asiens zu den USA - über die Wechselkursrelationen - eine Verringerung der Ungleichgewichte stattfinden. Weber betonte in diesem Zusammenhang, "Wechselkurse sollten die ökonomischen Fundamentaldaten reflektieren".

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