Erholung bleibt zu schwach, um Arbeitslosenzahlen zu senken
Deutsche Wirtschaft kommt 2004 in Schwung

Die deutsche Wirtschaft bewegt sich allmählich aus der Rezession heraus. Mit etwas mehr Schwung kommt die Konjunktur Anfang des kommenden Jahres wieder ans Laufen, hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht des Kieler Instituts für Wirtschaft (IfW). Das IfW erwartet für das Jahr 2004 ein Wachstum von 1,8 Prozent.

HB KIEL. „Für das dritte Quartal deuten die Frühindikatoren auf eine leichte Zunahme des realen Bruttoinlandsprodukts hin“, heißt es im am Dienstag veröffentlichten IfW-Konjunkturbericht. Das Institut geht dennoch weiter nur von einer Stagnation der Wirtschaftsleistung in diesem und einem Wachstum von 1,8 % im kommenden Jahr aus. „Maßgeblich für die konjunkturelle Erholung sind die Belebung der Weltkonjunktur und die niedrigen Zinsen“, schreiben die IfW-Forscher weiter. Die Erholung bleibe aber lange zu schwach, um die Arbeitslosigkeit zu senken.

Auch die anderen Forschungsinstitute gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft nach dem Schrumpfen des BIP im ersten Halbjahr wieder wächst und 2004 die seit drei Jahren andauernde Stagnation überwindet. Dazu wird dem IfW zufolge auch das Vorziehen der Steuersenkung und das Abklingen des Bremseffekts der Euro-Aufwertung auf die deutschen Exporte beitragen.

„Verglichen mit den Aufschwüngen der Jahre 1993/94 und 1999/2000 wird der Produktionsanstieg allerdings moderat ausfallen“, dämpfen die Forscher die Hoffnungen auf einen dynamischen Aufschwung. 0,6 %punkte des Wachstums dürften 2004 allein den zusätzlichen Arbeitstagen geschuldet sein. Eine Besserung am Arbeitsmarkt erwarten die IfW-Forscher frühestens im Herbst kommenden Jahres: „Die Abnahme der Erwerbstätigkeit wird sich noch bis Mitte 2004 fortsetzen.“ Im Jahresschnitt erwartet das IfW 4,516 Mill. Arbeitslose nach 4,405 Mill. in diesem Jahr

Die hohe Arbeitslosigkeit und das mangelnde Vertrauen der Bürger in die Wirtschaftspolitik werden dem IfW zufolge einen stärkeren Schub durch die Steuerentlastung Anfang 2004 verhindern. Wenn die Steuersenkung im Wesentlichen über neue Schulden finanziert werde, lasse sie höhere Steuern in der Zukunft erwarten. „Die privaten Haushalte werden unter diesen Bedingungen einen wesentlichen Teil ihres zusätzlichen verfügbaren Einkommens sparen.“ Erneut plädierte das IfW für den Abbau von Subventionen zur Finanzierung der Steuersenkung.

Angesichts eines nur mäßigen Zuwachses der Binnennachfrage wird dem IfW zufolge die Weltwirtschaft Schwungrad der deutschen Erholung. „Die Weltkonjunktur wird im weiteren Verlauf dieses Jahres deutlich an Schwung gewinnen.“ Während sich allerdings in den USA bereits im dritten Quartal ein sehr kräftiger Produktionsanstieg abzeichne, werde sich die Konjunktur in der Euro-Zone zunächst nur sehr wenig beleben. Erst 2004 werde sich die Erholung nicht zuletzt durch einen Exportanstieg festigen.

Ein deutliches Indiz für den bevorstehenden Aufschwung der Weltkonjunktur sehen die Forscher in den vergangenen Sparanstrengungen und steigenden Gewinnen der Firmen: „Damit haben sich die Aussichten verbessert, dass es zu einem nachhaltigen Investitionsaufschwung kommt.“ Allerdings stünden eine Reihe von Faktoren einem kräftigen Aufschwung entgegen: die weltpolitischen Unsicherheiten, der hohe Ölpreis, ein Anstieg der langfristigen Zinsen und das US-Leistungsbilanzdefizit.

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