Erholung
Weber: „Keine Gefahr einer erneuten Rezession“

Bundesbankpräsident Axel Weber hält einen erneuten Rückfall der Wirtschaft der Eurozone in die Rezession für sehr unwahrscheinlich. Damit übt sich der Notenbank-Chef in Konjunkturoptimismus – allerdings nicht in allzu großem.
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HB JERUSALEM/LUXEMBURG/FRANKFURT. Eine Reihe von Faktoren würden auf einen ziemlich freundlichen Konjunkturausblick hinweisen, sagte Weber am Donnerstag in Jerusalem. Ein großer Teil der von Regierungen und Notenbanken durchgeführten Maßnahmen entfalteten ihre Wirkung erst im Jahr 2010. Die zuletzt gestiegene Zuversicht werde zunehmend auch durch die harten Fakten untermauert.

Die Arbeit für die Notenbanken sei etwas einfacher geworden, sagte Weber. Deflationsgefahren seien angesichts der wieder steigenden Rohstoffpreise und der sich erholenden Konjunktur quasi verschwunden. Auf der anderen Seite gebe es auf kurze Sicht so gut wie keine Inflationsgefahren.

Weber warnte jedoch vor zu großem Optimismus. Die Konjunkturerholung bleibe anfällig und es gebe wichtige Risiken. „Die Prognoserisiken sind nach wie vor vorhanden und es gibt keinen Grund zu optimistisch zu werden angesichts der Fragilität der Erholung“, warnte Weber, der im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) Sitz und Stimme hat. So könne die erwartete Verschlechterung am Arbeitsmarkt die Konjunktur belasten. Auch die Bilanzen der Banken könnten durch die Rezession noch einmal belastet werden. Das Wirtschaftswachstum in den wichtigsten Weltregionen dürfte daher im Jahr 2010 unterdurchschnittlich sein.

Um langfristig ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu erzielen, müssten die weltweiten Ungleichgewichte abgebaut werden, sagte Weber. Er sei jedoch hier gegen eine politische Strategie. Nicht jeder Überschuss in der Handelsbilanz sei auch ein Zeichen für ein Ungleichgewicht. Weber setzt vielmehr auf den Markt, der zu einem Abbau diese Ungleichgewichte beitragen soll. So werde in Deutschland der Handelsbilanzüberschuss in Folge der Krise um 80 Milliarden Euro reduzieren.

In der Eurozone drehte die Leistungsbilanz im August ins Minus. Bereinigt habe die Leistungsbilanz ein Defizit von 1,3 Milliarden Euro verbucht, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Frankfurt mit. Im Vormonat wurde noch ein Überschuss von 3,7 Milliarden Euro erzielt. Für die zurückliegenden zwölf Monate ergab sich ein Defizit von 106,5 Milliarden Euro. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres lag das Defizit bei 56,1 Milliarden Euro.

Defizite wurden mit 7,2 Mrd. Euro in der Übertragungsbilanz und mit 1,8 Mrd. Euro in der Einkommensbilanz verbucht. Überschüsse wurden mit 6,0 Mrd. Euro in der Handelsbilanz und mit 1,8 Mrd. Euro in der Dienstleistungsbilanz erzielt.

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