Erholungskurs
Exporte legen im Oktober unerwartet kräftig zu

Die deutschen Exporte sind im Oktober unerwartet deutlich gestiegen. Sie legten um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat zu. Die Ausfuhren werden in den kommenden Jahren einen wesentlichen Wachstumsbeitrag liefern, zeigen sich Volkswirte überzeugt. Die Inflationsrate für November wurde nach oben revidiert.
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HB BERLIN/WIESBADEN. Die aktuellen Daten teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit. Experten hatten bei den Ausfuhren lediglich mit einem kalender- und saisonbereinigten Plus von 2,0 Prozent gerechnet. Damit hat sich das Exportwachstum nach einem Plus von revidiert 3,6 im September zwar etwas verlangsamt, bleibt aber auf Erholungskurs nach der schweren Rezession. Im Sommer hatte die Exportwirtschaft noch einen Rückschlag einstecken müssen.

„Alles in allem sind das gute Zahlen“, sagte Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim. Es sei positiv, dass der Export anziehe. Der Welthandel belebe sich leicht. „Die Exporte werden in den kommenden Jahren einen wesentlichen Wachstumsbeitrag liefern“, zeigte sich die Volkswirtin überzeugt. Deutschland werde also eine klassische Erholung erleben, die vom Export ausgehe. Für Deutschland sei es aber auch wichtig, dass sich die Wirtschaft in der Euro-Zone und der EU insgesamt belebe, weil hier die meisten Exporte hingingen. Es gebe noch einige Länder, etwa Spanien oder Osteuropa, die schwach dastünden. „Wir können nicht davon ausgehen, dass wir insgesamt bald zu den alten Niveaus zurückgehen“, sagte Kastens. Als Fazit könne man festhalten: „Generell muss man kleinere Brötchen backen.“

Stefan Mütze von der Helaba findet die Daten „ein bisschen überraschend“, weil die Produktion zurückgegangen sei. Aber es sei positiv zu sehen, dass saisonbereinigt die Exporte gestiegen und die Importe gesunken seien. „Das heißt, der Außenbeitrag ist gestiegen und wir sehen hier einen positiven Wachstumsbeitrag“, sagte der Volkswirt. Der Trend sei weiterhin nach oben gerichtet. „Allerdings wird das Wachstum im vierten Quartal schwächer ausfallen als im dritten, wir rechnen nur noch mit einem Plus von 0,5 Prozent.“

Simon Junker von der Commerzbank hält die Exporte ebenfalls für „eine gute Nachricht“. Für den Außenbeitrag sei es eine ordentliche Zahl, zumal die Importe auch gesunken seien. „Allerdings deuten die Zahlen von Montag und Dienstag zur Industrie darauf hin, dass wir uns auf Rücksetzer einstellen müssen“, sagte Junker. Er erwartet zwar eine weitere Fortsetzung des Aufwärtstrends, aber nicht unbedingt in dem Tempo wie bisher.

Wie stark der Exportweltmeister trotzdem noch unter den Folgen der globalen Rezession leidet, zeigt der Vergleich mit dem Vorjahresergebnis: Insgesamt wurden Waren im Wert von 74,6 Milliarden Euro ausgeführt – das waren 15,9 Prozent weniger als vor einem Jahr. Damit schrumpften die Exporte zum Vorjahresmonat so gering wie seit Dezember 2008 nicht mehr. Die Einfuhren beliefen sich auf 61,0 Milliarden Euro, ein Minus von 15,3 Prozent verglichen mit Oktober 2008.

Der Überschuss der deutschen Handelsbilanz ist im Oktober weiter gestiegen. Der Saldo habe 13,6 Milliarden Euro betragen, nach 10,4 Milliarden Euro im Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mit. Auf Jahressicht gab der Überschuss indes nach: Im Oktober 2008 hatte er noch bei 16,7 Milliarden Euro gelegen. Kalender- und saisonbereinigt lag der Überschuss bei 12,9 Milliarden Euro.

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