Erste Lichtblicke
Weniger Briten ohne Job als befürchtet

Großbritannien leidet wegen seines bedeutenden Finanzsektors besonders stark unter der Wirtschaftskrise. Dennoch ist die Zahl der Arbeitslosen im Oktober nicht so stark gestiegen wie von Experten befürchtet. Die britische Notenbank erwägt bereits weitere Konjunkturstützen – und bekommt Rückendeckung von der Weltbank.
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HB LONDON. Mit den jüngsten Zahlen zum britischen Arbeitsmarkt zeigen sich trotz der anhaltenden Rezession erste Lichtblicke. Die Job-Center verzeichneten im Oktober den geringsten Anstieg von Arbeitslosenhilfe-Anträgen seit anderthalb Jahren, wie das Nationale Statistikamt am Mittwoch mitteilte. Unter dem Strich waren es 12 900 mehr als im September, Experten hatten mit 20 000 gerechnet. Die Arbeitslosenquote verharrte im Sommerquartal überraschend auf dem Frühjahrsniveau von 7,8 Prozent. Experten hatten einen leichten Anstieg erwartet. Dabei wurde die für den europäischen Vergleich übliche Standard der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zugrunde gelegt. Demnach zog die Arbeitslosenzahl von Juli bis September um 30 000 auf 2,461 Millionen an. So gering war der Anstieg seit dem Frühjahr 2008 nicht mehr.

Großbritannien leidet stark und der Wirtschafts- und Finanzkrise und hat mit massiven Kreditproblemen zu kämpfen. Das Land mit dem führenden Banken- und Börsenstandort London steckt seit anderthalb Jahren im Konjunkturtal fest und konnte sich auch im Sommer nicht aus der Rezession lösen. Die britische Notenbank hatte in der vergangenen Woche ihren Leitzins bei rekordniedrigen 0,5 Prozent belassen und die Geldschleusen weiter geöffnet. Jüngst stockte sie ihr Ankaufprogramm für Wertpapiere nochmals um 25 auf 200 Milliarden Pfund auf. Ziel des Programms ist es, dem Finanzsektor zusätzlich Liquidität zur Verfügung zu stellen.

Die Wirtschaft wird sich nach Ansicht von Zentralbank-Gouverneur Mervyn King langsam, aber stetig erholen, vor allem getrieben durch die massiven Konjunkturstützen der Regierung und die unkonventionellen Maßnahmen der Notenbank. Die Bank of England schließt auch weitere Impulse für die Konjunktur nicht aus. Die Finanzmärkte könnten nicht davon ausgehen, dass die Notenbank nach der jüngsten Ausweitung ihres Wertpapierkaufprogramms nun die Hände in den Schoß legen werde, sagte Zentralbank-Gouverneur Mervyn King sagte am Mittwoch in London.

Viele Analysten hatten zuletzt eine entsprechende Erwartungshaltung geäußert. „Es wäre sicherlich falsch zu schließen, dass wir das entschieden haben“, sagte King. „Wir haben noch keine Entscheidung getroffen, wir sind komplett offen in der Frage, ob wir weitere Wertpapiere ankaufen oder nicht. Was wir vergangene Woche gemacht haben war nicht der erste Schritt hin zu irgendetwas.“ Mit einem Ende der Rezession rechnet die Bank von England frühestens um den Jahreswechsel.

Weltbank-Präsident Robert Zoellick warnte vor einem zu frühen Ende der weltweit aufgelegten Konjunkturprogramme. „Ich habe ein ziemlich gutes Gefühl, was die Wachstumsaussichten 2009 angeht“, sagte Zoellick am Mittwoch in Singapur. Er sehe für 2010 aber einige Risiken.

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