Erste Reaktionen
Volkswirte zum Anstieg des Ifo-Index

Der Ifo-Geschäfsklimaindex ist im August den vierten Monat in Folge gestiegen. Dabei beurteilten die Firmen anders als zuletzt ihre derzeitige Situation besser als zuvor.

Reuters BERLIN. Der Ifo-Index für Westdeutschland habe auf 90,8 von 89,3 Punkten im Juli zugelegt, teilte das Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Dienstag mit. Von Reuters befragte Volkswirte hatten im Schnitt nur mit einem Anstieg auf 90,0 Punkte gerechnet und sagten in ersten Reaktionen:

John Sheperd, Dresdner Kleinwort Wasserstein
„Der schwächere Euro hilft eindeutig. Zudem sehen wir den Beginn einer Erholung der Weltwirtschaft, angeführt von den USA, und das sollte zu einer Verbesserung der Lage in Deutschland führen. Es ist noch zu früh, um die Wirkung der Steuer- und Geldpolitik zu sehen, aber das wird letztlich auch einen positiven Effekt haben. Ich denke nicht, dass wir einen Ausblick auf eine starke Erholung haben. Aber das Abgleiten in die Rezession im ersten Halbjahr scheint eindeutig umgekehrt worden zu sein.“

Andreas Rees, Hypo-Vereinsbank:
„Die wichtigste Zahl war die Lageeinschätzung, die relativ stark gestiegen ist aber immer noch auf einem niedrigen Niveau ist. Sie signalisiert minimales Wachstum im dritten Quartal. Der Erwartungsindex war sehr hoch und würde ein kräftiges Wachstum im vierten Quartal signalisieren, aber angesichts der Lagekomponente glaube ich nicht, dass sich dies realisieren wird. Ich mache mir Sorgen über den Unterschied zwischen Erwartungen und den Lagebeurteilungen, der sich zu vergrößern scheint und zeigt, dass sich die Erwartungen immer weiter von dem entfernen, was wirklich passiert. Wir haben dies im letzten Jahr gesehen und der Aufschwung ist dann nie gekommen. Der schwächere Euro wird sicherlich eine Rolle gespielt haben, aber die Firmen haben sich zu sehr darauf konzentriert. Andererseits stiegen die Ölpreise. Ich denke, jetzt werden wir einen Anstieg im Einkaufsmanagerindex bekommen. Normalerweise ist ein Anstieg der Ifo-Erwartungen ein guter Vorlaufindikator für den Einkaufsmanagerindex, also sollte er in den kommenden Monaten deutlich über 50 steigen.“

Volker Nitsch, Bankgesellschaft Berlin:
„Das sind sehr schöne Zahlen. Die Lage war der Schlüssel für den Index. Vorher sprach alles für eine Verbesserung, niemand hatte ernsthaft mit einem Absinken des gesamten Index gerechnet. Einerseits hat sich das unmittelbare konjunkturelle Umfeld gebessert - etwa die Belebung des Konsumklimas und die Abschwächung des Euro und der verbesserte Auftragseingang. Auch mittelfristig sind die Signale positiv wie durch das mögliche Vorziehen der Steuerreform und das niedrige Zinsniveau. Zudem gab es weiche Faktoren wie den Optimismus an den Finanzmärkten. Der Schlüssel liegt bei der aktuellen Lagebeurteilung, und das ist aus zwei Gründen wichtig: Wir wollen nicht wieder so eine Erwartungsblase sehen wir im letzten Jahr mit einem Vorausziehen der Erwartungen, während die Lage schlecht bleibt. Ein weiteres wichtiges Signal ist, wie schnell die verbesserte Stimmung sich tatsächlich auch in besseren Wachstumszahlen widerspiegelt, denn die Lage ist näher dran am Konjunkturverlauf. Wenn wir jetzt die Aussichten für das zweite Halbjahr prognostizieren, könnte sich die positive Tendenz möglicherweise schon im dritten Quartal und nicht erst zum Jahresende widerspiegeln.“

Otmar Lang, Deutsche Bank:
„Der Index stützt unsere Erwartung auf eine Erholung noch im zweiten Halbjahr. Endlich hat sich auch die Lage verbessert. Damit sind die Aussichten auf jeden Fall günstiger geworden. Wenn sich die Lagebeurteilung diesmal immer noch nicht verbessert hätte, hätten wir langsam kalte Füße bekommen, da ja in den „harten Fakten“ noch immer nichts von einer Erholung zu erkennen ist. Bisher musste man ja etwas am Ifo zweifeln, weil er im vergangenen Jahr schon so stark gestiegen ist. Aber jetzt sieht es insgesamt ziemlich robust aus.“

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