Erstmals seit 2005
Japan vor Rückkehr zur Deflation

Japan, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, steht angesichts der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise vor einer Rückkehr der Deflation. Die japanische Zentralbank geht in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Ausblick von einem anhaltenden Rückgang der Verbraucherpreise für die kommenden zwei Haushaltsjahre aus. Aber es gibt auch positive Signale aus Japan.

DÜSSELDORF. Nach Angaben der Bank of Japan sind die Verbraucherpreise im März um 0,1 Prozent gefallen – das erste Mal seit September 2007. Laut der japanischen Zentralbank wird sich der Rückgang der Verbraucherpreise zu einer Deflation in den kommenden zwei Haushaltsjahren ausweiten. Die Haushaltsjahre in Japan sind nicht mit dem Kalenderjahr identisch, sondern beginnen jeweils am 1. April. Das Land litt bereits in den Jahren von 1999 bis 2005 unter einer Deflation.

Für das gerade vergangene Haushaltsjahr stellte die japanische Zentralbank noch eine Teuerung von 1,2 Prozent für den Kern-Verbraucherpreisindex fest. Nicht darin enthalten ist der Preis für frische Lebensmittel, deren Preise starken Schwankungen unterworfen sind. Für das laufende Haushaltsjahr, das im März 2010 endet, rechnet die Bank mit einem Rückgang des Indexes um 1,5 Prozent, im darauffolgenden Jahr von einem Prozent.

Der Bericht gab japanischen Staatsanleihen Auftrieb. Staatsanleihen gelten in Zeiten von Deflation als attraktives Investment, da sie auch in der Deflationsphase noch Zinsen garantien. „Deflationsbefürchtungen sind positiv für den Bond-Markt, insbesondere da wir eine anhaltende Phase der Lockerung der Geldmarktpolitik erwarten können“, zitiert Bloomberg einen Analysten der Mitsubishi UFJ Securities Co. In Tokio.

Auch die Commerzbank erwartet Konsequenzen für die Zinspolitik der Bank of Japan. „In einer Zeit, da das japanische BIP spürbar schrumpft und auch die Deflation wieder aufkeimt, dürfte die Bank of Japan noch aggressiver auf einen Kurs der quantitativen Lockerung setzen“, hieß es in einer Marktstudie.

Für das Wirtschaftswachstum zeigte sich die Zentralbank optimistischer. Zwar werde die Wirtschaftsleistung im laufenden Haushaltsjahr um rund 3,1 Prozent einbrechen. Für die kommende Fiskaljahr rechnet die Bank aber schon wieder mit einem moderaten Wachstum von 1,2 Prozent. Zeitgleich sorgen auch Daten von der zuletzt stark eingebrochnen Industrietätigkeit für erste Lichtblicke. Nach Regierungsangaben ist die industrielle Produktion im Japan von April auf März um 1,6 Prozent gestiegen, womit ein sechsmonatiger Abwärtstrend durchbrochen wäre.

Laut Weltwirtschafts-Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) besteht auch für die USA und die Eurozone eine moderate Deflationsgefahr. EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark sieht diese Gefahr dagegen nicht.

Jüngste Daten dämpfen zumindest Befürchtungen vor einer untmittelbaren Deflation in Deutschland. Die Jahresteuerung zog im April wieder leicht an. Die Rate stieg auf 0,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden auf Grundlage erster Ergebnisse aus sechs Bundesländern mitteilte. Damit blieben die Verbraucherpreise stabil. Im März war die Jahresinflationsrate mit 0,5 Prozent auf den niedrigsten Stand seit fast zehn Jahren gefallen.

Ein allgemeiner und anhaltender Rückgang der Verbraucherpreise ist ein unter Ökonomen weithin gefürchtetes Phänomen, weil er eine Abwärtsspirale des Wirtschaftskreislaufs in Gang setzen kann: Unternehmen und Bürger wollen sich möglichst schnell ihrer Schulden entledigen, die in einer Phase der Deflation immer schwerer wiegen. Der beschleunigte Schuldenabbau führt zu Notverkäufen und Insolvenzen. Daraus folgen weiterer Preisverfall, Produktionsstopps und erhöhte Arbeitslosigkeit. Im schlimmsten Fall führt die Deflation zum Horten von Geld, Kredite werden kaum noch vergeben, Investitionen und Konsum stürzen ins Bodenlose - und der Wirtschaftskreislauf kommt zum erliegen.

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