Erstmals seit 2010 Inflationsrate fällt unter zwei Prozent

In Deutschland sind die Preise erstmals seit 2010 wieder stabil - zumindest nach der Definition der EZB. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im Mai nur geringfügig. Benzin und Diesel wurden billiger.
Update: 13.06.2012 - 11:32 Uhr 17 Kommentare
Benzinpreise an einem Tag im Mai an einer Tankstelle in München. Quelle: dpa

Benzinpreise an einem Tag im Mai an einer Tankstelle in München.

(Foto: dpa)

BerlinDie Inflationsrate in Deutschland ist im Mai erstmals seit über anderthalb Jahren unter die Marke von zwei Prozent gesunken. Die Verbraucherpreise stiegen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Zuletzt hatte die Teuerungsrate im Dezember 2010 unter der Schwelle von 2,0 Prozent gelegen.

Im Vergleich zum Vormonat April sanken die Preise laut Statistik sogar um 0,2 Prozent. Nach dem für den europäischen Vergleich berechneten Harmonisierten Verbraucherpreisindex lag die Inflationsrate im Mai 2012 bei 2,2 Prozent. Diese Zahlen werden auf Grundlage eines anderen Warenkorbs berechnet. Sie sind auch Maßstab der Europäischen Zentralbank (EZB): Bei einer mittelfristigen Inflation von knapp unterhalb 2,0 Prozent sieht die EZB die Preisstabilität gewahrt. Mit den Angaben vom Mittwoch bestätigte das Statistische Bundesamt vorläufige Schätzungen von Ende Mai.

Verantwortlich für den langsameren Anstieg der Preise war den Statistikern zufolge die zuletzt weniger starke Teuerung bei Energie: Diese war zwar immer noch 4,9 Prozent teurer als vor einem Jahr, doch zuvor waren die Preise sehr viel schneller in die Höhe geklettert.

Im Vergleich zum April stellten die Statistiker sogar erstmals in diesem Jahr einen Rückgang der Kraftstoffpreise fest. Heizöl wurde demnach schon den dritten Monat in Folge günstiger. Ohne Berücksichtigung der Energie hätte der Preisanstieg im Mai im Vergleich zum Vorjahr nur 1,5 Prozent betragen.

Lebensmittel waren im Mai den Angaben zufolge um 2,4 Prozent teurer als vor einem Jahr. Fleisch und Fleischwaren kosteten 5,7 Prozent, Süßwaren, Brot und Getreideerzeugnisse 4,7 Prozent mehr. Gemüse verbilligte sich demnach um 3,1 Prozent auf Jahressicht, Öle und Fette wurden 3,8 Prozent günstiger. Um fast ein Fünftel sogar sanken den Angaben zufolge die Preise für Kartoffeln und Butter.

Die Teuerung bei Dienstleistungen lag deutlich unter dem Durchschnitt: Sie waren nur um 1,2 Prozent teurer, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Mieten stiegen demnach "weiterhin moderat" um 1,1 Prozent. Flugtickets wurden zur Reisezeit 9,9 Prozent teurer, Pauschalreisen 9,0 Prozent. Deutliche Preisrückgänge hingegen habe es in den Bereichen Bildung und Finanzdienstleistungen gegeben, teilten die Statistiker mit.

Inflationsangst: Lieber etwas Handfestes kaufen

  • rtr
  • afp
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17 Kommentare zu "Erstmals seit 2010: Inflationsrate fällt unter zwei Prozent"

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  • Eine fette Lüge!

    Zudem sind die Mieten zwangsgedeckelt. Was dazu führt, daß die Häuser vergammeln und Neubauten in Baumarktqualität oder als us-amerikanische Holzbuden entstehen.

  • Wieso werden denn hier Menschen für dumm gehalten? Vielleicht sind manche Menschen auch einfach dumm. Vor allem in einem gewissen Deutschland scheinen manche Menschen einfach keine Ahnung zu haben was Inflation bedeutet.
    Inflation steigt = schlecht,
    Inflation sinkt = "wir werden für dumm verkauft".
    Der Euro hat sogar in der Krise einen niedrigeren Inflationswert als die DM in ihrer gesamten Laufbahn.

    Man hat einfach keine Ahnung und denkt anhand eines einzigen Wertes herausfinden zu können ob es einem in der Zukunft besser oder schlechter gehen wird oder ob eine Währung (was ja noch lächerlicher ist) schuld sein kann. Dann lest doch gleich Horoskop!

  • Ich glaube diesen Mist zwar auch nicht, aber mir ist eine etwas höhere Inflation lieber als eine ausgewachsene Depression. Denkt mal nach: Alle haben Angst vor der kommenden Inflation. Vermögenspreise (Häuser, Edelmetalle) steigen. Gleichzeitig sehen wir seit einigen Wochen nun auf breiter Front fallende Rohstoffpreise. Sowas hatten wir schonmal in 2008. Was dann kam wissen wir alle noch zu gut.
    Man sollte auf die Gefahr von beiden Seiten achten und sich auch Gedanken machen, wie man in beiden Szenarien möglichst unbeschadet durchkommt.

  • Wie wahr.
    Und da ist es doch nicht verwunderlich, dass immer mehr einkommensschwache Haushalte nicht mehr in der Lage sind ihre Stromrechnung (bzw. die Nachzahlungen) und ähnliches zu begleichen.
    Und eine Frau vdL brüstet sich mit einer Erhöhung von HarzIV um 5 Euro - wie großzügig. Da wird mir doch schlecht. Die sitzen auf ihrem zurechtgerechneten Zahlenwerk (400-Euro-Jobber tauchen nicht in der Arbeitslosenstatistik auf) und loben sich für ihre gute Arbeit. Kaum noch zu ertragen.

  • Man spricht von einer Lohn-Preis-Spirale, deswegen ist es nicht sinnvoll nur Löhne oder nur Preise, die sich erhöhen gedanklich zu betrachten.

  • Wir führen seit vielen Jahren ein Haushaltsbuch. Jedes Jahr ermittele ich am Jahresende für unseren persönlichen Warenkorb unsere peronifizierte Teuerungsrate. Und diese lag in den letzten Jahren kontinuierlich bei 5-7% p.a.
    2011 waren es sogar 10%!
    Ich kann nur allen Verbrauchern raten, dies auch einmal auszuprobieren. Es genügt auch, wenn man sich stichprobenmäßig die Artikel in den Warenkorb legt, die regelmässig gekauft/verbraucht werden und ca. 80% der Ausgaben ausmachen.
    Wer seine Energiekosten, Kraftstoffkosten, Versicherungskosten, Lebensmittelkosten und die staatlichen Abgaben betrachtet, sieht, daß mindestens immer eine 5 vor dem Komma steht.
    Mag sein, daß die Inflation volkswirtschaftlich korrekt berchnet ist. Mag sein, daß der Warenkorb des Bundesamtes für Statisik allumfassend ist.
    Aber dieser Index spiegelt nicht die kräftige Teuerung einer Familie in diesem Lande wieder ...

  • Mein Gott, 1000 l Heizöl kosten im Moment ca. 890 Euro! Das ist doch nicht billig!

  • Inflation ist für den Verbraucher nichts anderes als eine Verringerung des Einkommens. Technisch sähe das so aus, daß der Absatz zurückginge im Sinne, eine Mark läßt sich nur einmal ausgegeben.
    Die Inflation wird vom Markt selber verhindert, denn die Überproduktion übt Druck aus auf die Preise. Wer sein Preise erhöht, fliegt raus. Deshalb klemt die Kreditvergabe und Geld wird gedruckt.
    Was genau wächst? Die Einkommen stagnieren, aber der Schuldenberg explodiert! Die EU ist eine gewaltige Subventionsmaschine, die bald ihr natürliches Ende erreichen wird. Die Symptome sind dieselben wie in der großen Depression.

    Strukturell gibt es natürlich Inflation und zwar da, wo der Markt zusammengebrochen ist wie in Griechenland.
    Nach dem Knall schießt die Inflation in den Himmel. Bis dahin bleibt Inflationsangst ein Mantram.

  • "Wie tief soll der Ölpreis noch sinken?"
    "Inflation fällt unter 2 Prozent"
    Was hat die HB-Redaktion geraucht ?
    Ich muß das unbedingt auch probieren !!!!! :-)

  • Glaub' die EZB hat grad bei Schlecker eingekauft....

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