Erwartete Zahlen für den September
Arbeitsmarkt: Keine Entspannung in Deutschland erwartet

Die Konjunkturflaute hat den deutschen Arbeitsmarkt weiter fest im Griff und die Arbeitslosigkeit im September nach Einschätzung von Experten auf hohem Niveau gehalten. Die unbereinigte Zahl der registrierten Arbeitslosen dürfte den Schätzungen zufolge zwar im Monatsvergleich um 70 000 bis 90 000 auf 4,2 Millionen zurückgegangen sein.

HB BERLIN. Anders sieht es dagegen bei der saisonbereinigten Zahl aus. Dort erwarteten von Reuters befragte Volkswirte einen Anstieg um 10 000 Arbeitslose im Vergleich zum August. Dabei reichten die zwölf bis Freitagnachmittag eingegangenen Schätzungen von einem Rückgang um 8000 bis zu einem Anstieg um 28 000.

Einigkeit herrschte darüber, dass die ersten Arbeitsmarktreformen und der verstärkte Druck auf Arbeitslose den Anstieg wie in den vergangenen Monaten gedämpft haben. Eine Trendwende steht aber nicht ins Haus. Immer mehr Experten zeigen sich vielmehr skeptisch, ob die für das kommende Jahr erhoffte Belebung der Wirtschaft ausreichen wird, um die Arbeitslosigkeit nennenswert abzubauen. Die amtlichen Zahlen für September legt die Bundesanstalt für Arbeit (BA) am nächsten Donnerstag vor. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sagte in Frankfurt: „Es ist eine Verbesserung am Arbeitsmarkt sichtbar.“ Eine Wende werde sich erst im nächsten Jahr bemerkbar machen.

Viele Arbeitslose melden sich aus der Statsistik ab

Einzelne Volkswirte wie Manuela Preuschl von der Deutschen Bank gingen von einem leichten Rückgang der saisonbereinigten Zahl um 5000 Arbeitslose aus. Nach ihren Worten dürfte die bereits in den vergangenen Monaten erkennbare Wirkung der Arbeitsmarktreformen ausgereicht haben, „den negativen Druck von der Konjunktur zu neutralisieren“. Durch höhere Anforderungen an die Arbeitslosen melden sich viele aus der Statistik ab. Diese wird zudem durch die Förderung von Existenzgründungen und Zeitarbeit von Arbeitslosen entlastet. Mit den erhöhten Vermittlungsaktivitäten hatte BA-Vorstandschef Florian Gerster es begründet, dass im August die saisonbereinigte Zahl entgegen den Erwartungen von Experten nicht weiter gestiegen war. Die unbereinigte Zahl der Arbeitslosen dürfte im September saisonbedingt deutlich gesunken sein. Dies ist für September üblich, weil mit Ablauf der Sommerferien die Betriebe wieder mehr Menschen einstellen und der neue Ausbildungsjahrgang anläuft. Auch das gute Wetter dürfte eine Rolle gespielt haben. Die „Bild“-Zeitung berichtete unter Berufung auf erste interne Berechnungen der BA von einem Rückgang um rund 90.000. Auch Banken-Volkswirte rechneten mit einem Rückgang in dieser Größenordnung. Dies dürfte sich im Oktober fortsetzen, bis im November der übliche Winteranstieg einsetzt.

Auch 2004 noch keine Wende?

Mit einer Trendwende am Arbeitsmarkt rechnen Experten aber frühestens im späteren Verlauf des nächsten Jahres. „Dass die Beschäftigung merklich anzieht, erwarte ich frühestens für das zweite Quartal“, sagte Preuschl. Pessimistischer zeigten sich Stefan Mütze von der Helaba und Andreas Rees von der HypoVereinsbank. „Wir gehen eher von einer Stabilisierung aus, erwarten aber keine Trendwende“, sagte Mütze.

Die HypoVereinsbank erwartet sogar, dass die Arbeitslosigkeit auch 2004 nicht verringert werden kann. Rees verweist darauf, dass die Beschäftigungsschwelle, ab der neue Arbeitsplätze entstünden, bei einem Wirtschaftswachstum von etwa zwei Prozent liege. Im Aufschwung drängten aber nicht nur registrierte Arbeitslose, sondern auch Unbeschäftigte aus der so genannten stillen Reserve auf den Arbeitsmarkt. Damit Arbeitslosigkeit reduziert werde, sei daher sogar ein Wirtschaftswachstum von 2,75 Prozent notwendig. „Beide Schwellen sind nicht in Reichweite“, dämpft Rees die von der Regierung verbreitete Zuversicht. „Wenn wir ganz großes Glück haben und Super-Optimisten wie die Bundesregierung Recht haben, werden wir gerade mal die Schwelle bei zwei Prozent erreichen.“

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