Erwartungen übertroffen
Ifo-Index: Hoffnung auf Erholung wächst

Der Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex im vierten Monat in Folge hat Hoffnungen auf eine konjunkturelle Erholung in Deutschland gestärkt. Vor allem die Verbesserung der derzeitigen Geschäftslage bei den Firmen macht eine wirtschaftliche Belebung noch in diesem Jahr immer wahrscheinlicher.

Reuters BERLIN. Der Ifo-Index für Westdeutschland legte nach Angaben des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) vom Dienstag im August auf 90,8 von 89,3 Punkten im Juli zu und damit stärker als erwartet. „Anders als in den Vormonaten beschränkte sich die Besserung nicht auf die Erwartungen für die nächsten sechs Monate, sondern zeigte sich auch in den Urteilen zur gegenwärtigen Geschäftslage“, kommentierte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sprach von einem positiven Zeichen für eine wirtschaftliche Erholung, die jedoch nach Ansicht von Volkswirten nur sehr langsam an Fahrt gewinnen wird.

Firmen beurteilen Lage optimistischer als zuvor

Die Lagebeurteilung der 7000 vom Ifo befragten Firmen lieferte ein erstes Indiz dafür, dass die jüngste Stimmungsaufhellung auf mehr beruht als nur Wunschdenken - der entsprechende Teilindex kletterte auf 79,9 von 78,7 Punkten. Der Teilindex der Erwartungen stieg auf 102,1 von 100,2 Punkten im Juli. „Wenn sich die Lagebeurteilung diesmal immer noch nicht verbessert hätte, hätten wir langsam kalte Füße bekommen, da ja in den harten Fakten noch immer nichts von einer Erholung zu erkennen ist“, zeigte sich Otmar Lang von der Deutschen Bank erleichtert. Das Ifo sah seine Prognose bestätigt, dass sich die Konjunktur im zweiten Halbjahr belebt.

Volker Nitsch von der Bankgesellschaft wertete den Anstieg der Lagekomponente als Beleg dafür, dass die Stimmungsverbesserung in der Wirtschaft anders als im Vorjahr nicht auf einer Erwartungsblase beruhe. Andreas Rees von der Hypovereinsbank verwies allerdings auf das nach wie vor niedrige Niveau des Lage-Index: „Ich mache mir Sorgen über den Unterschied zwischen Erwartungen und den Lagebeurteilungen, der sich zu vergrößern scheint und zeigt, dass sich die Erwartungen immer weiter von dem entfernen, was wirklich passiert.“

Experten rechnen nur mit moderater Erholung

Viele Volkswirte rechnen wie John Shepherd von Dresdner Kleinwort Wasserstein derzeit nur mit einer verhaltenen Erholung statt eines starken Aufschwungs: „Aber das Abgleiten in die Rezession im ersten Halbjahr scheint eindeutig umgekehrt worden zu sein.“ Auch der Chef von Europas größtem Unterhaltungskonzern Philips, Gerard Kleisterlee, warnte vor zu viel Euphorie und sprach lediglich von „labilen“ Anzeichen für eine Erholung der Technologiebranche. „Auch die deutsche Konjunktur stimmt uns nicht allzu zuversichtlich“, sagte er im Reuters-Interview.

Shepherd betonte, dass die deutsche Wirtschaft von Signalen aus dem Ausland und dabei vor allem aus den USA profitieren werde. Auch im europäischen Ausland mehren sich derzeit die Anzeichen für eine Erholung. Die Aussicht auf eine Wirtschaftserholung stimmte auch die dänischen Verbraucher optimistischer, wie das Statistikamt am Dienstag mitteilte. Der als Barometer für Deutschland und Frankreich geltende belgische Geschäftsklima-Index war bereits am Montag auf den höchsten Stand seit Februar gestiegen.

Verbesserung vor allem im Großhandel und der Industrie

Das Geschäftsklima verbesserte sich in erster Linie im verarbeitenden Gewerbe und im Großhandel, im Bauhauptgewerbe ergab sich nur ein leichter Anstieg und im Einzelhandel trübte es sich nach der Besserung in den vorangegangenen Monaten ein. In Ostdeutschland verbesserte sich das Geschäftsklima auf 104,1 von 103,1 Punkten im Juli. Der Deutsche Aktienindex (Dax) baute nach der Veröffentlichung des Ifo-Index seine anfänglichen Gewinne vorübergehend aus.

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