Erwartungen
ZEW warnt vor „konjunkturellem Strohfeuer“

Börsenanleger und Analysten haben laut ZEW-Barometer die Aussichten für die deutsche Wirtschaft erneut optimistischer bewertet. Das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung warnt die Bundesregierung allerdings vor einem „konjunkturellen Strohfeuer“. Die OECD fordert mit Blick auf die USA weitere geldpolitische und fiskalische Maßnahmen.

HB MANNHEIM. Das ZEW-Barometer stieg im Dezember um 8,3 auf minus 45,2 Punkte, wie das ZEW am Dienstag mitteilte. Das ist bereits der zweite Anstieg in Folge. Die Konjunkturerwartungen liegen damit aber weiter unter ihrem historischen Mittelwert von 26,8 Punkten. Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Rückgang auf minus 55 Zähler gerechnet. Die Verbesserung signalisiere, dass sich die Sorgen über eine weitere Verschärfung der Rezession ab Mitte 2009 in Grenzen halten, hieß es. Die Zinssenkungen der Zentralbanken weltweit und die Konjunkturpakete der Regierungen dürften die konjunkturelle Entwicklung stützen. Nach Veröffentlichung der Zahlen drehte der deutsche Aktienindex Dax in Frankfurt ins Plus. Der Euro legte leicht zu.

Die Lage schätzten die Experten dagegen schlechter ein. Der Teilindex sank um 14,1 auf minus 64,5 Punkte. Volkswirte hatten lediglich mit einer Eintrübung auf minus 60,0 Punkte gerechnet. „Die deutsche Wirtschaft rutscht immer tiefer in die Rezession“, sagte ZEW-Präsident Franz. Über das „konjunkturelle Muster“ des nächsten Jahres herrsche große Unsicherheit. Dass die Analysten für Mitte 2009 mit einer ähnlich schwachen Lage wie derzeit rechnen, kann mit einer Seitwärtsbewegung oder auch mit einem Aufstieg aus einer noch tieferen Talsohle vereinbar sein. „Die Bundesregierung ist gut beraten, an Stelle eines konjunkturellen Strohfeuers wie Konsumgutscheine ein Wachstumspaket beispielsweise mit Infrastrukturinvestitionen in Angriff zu nehmen“, sagte Franz.

In der Eurozone hat sich im Dezember ein ähnliches Bild wie in Deutschland abgezeichnet. Die Konjunkturerwartungen für die Eurozone sind im Dezember um 7,9 Prozent im Vergleich zum Vormonat gestiegen. Sie liegen jetzt bei minus 46,1 Punkte. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage in der Eurozone ist im Dezember hingegen um 12,3 Punkte auf minus 71,2 Punkte gefallen.

An der Umfrage des ZEW haben sich vom 24. November bis zum 8. Dezember 328 Analysten und institutionelle Anleger beteiligt.

Ökonomen warnten davor, die optimistischeren Konjunkturerwartungen überzubewerten. „Man kann noch keine Trendwende ausrufen“, sagte DekaBank-Experte Andreas Scheuerle.

Die USA steht nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) weiter vor sehr schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen. Vor dem Hintergrund der schweren Finanzkrise, die stark auf der Realwirtschaft laste, seien kurzfristig weitere Stimulierungsmaßnahmen wünschenswert, heißt es in dem am Dienstag in Paris veröffentlichten Länderbericht der OECD. Dies gelte, sofern sich die Bedingungen in der Wirtschaft und an den Finanzmärkten nicht rasch verbesserten. Trotz der umfassenden Maßnahmen wie etwa Leitzinssenkungen und Steuererleichterungen bestünden weiterhin scharfe Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum.

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