Erwerbstätigkeit
Grundeinkommen macht Arbeit unattraktiv

Wenn Deutschland ein Grundeinkommen einführen würde, wie es die Piratenpartei fordert, würde Erwerbstätigkeit unattraktiv werden. Folglich müssten die Löhne steigen - aber das würde Firmen wettbewerbsunfähig machen.
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Was genau die Piratenpartei mit dem bedingungslosen Grundeinkommen meint, das sie fordert, ist unbekannt. Aber Götz Werner, Gründer der Drogeriemarktkette dm, hat sein Konzept in einem Wirtschaftsbestseller beschrieben. Tausend Euro pro Monat für jeden und jede. Wer einen Job hat, bekommt das Gehalt oben drauf. Alle anderen Sozialleistungen gehen langfristig in diesem Grundeinkommen auf.

Das Konzept wäre leicht zu finanzieren, wenn man einfach mehr Geld druckt. Dann würde durch Inflation die Kaufkraft des Grundeinkommens auf das Niveau von Hartz-IV oder darunter sinken. Aber Deutschland ist in einer Währungsunion und kann deshalb die Geldmenge nicht ausdehnen. Außerdem gibt es eine staatliche Schuldenbremse.

Nehmen wir also an, das Grundeinkommen wird nicht durch Gelddrucken oder Staatsdefizite „finanziert“. Tausend Euro für jeden Deutschen sind 80 Milliarden Euro im Monat, 960 Milliarden im Jahr, mehr als ein Drittel der Jahreswirtschaftsleistung.

Dafür müsste der Staat die Steuern kräftig erhöhen. Wenn er bei der Mehrwertsteuer zulangt, ist der Effekt Inflation. Man kann sich für sein Grundeinkommen und sein selbst verdientes Geld weniger kaufen. Wenn die Einkommensteuer erhöht wird, trifft es vor allem diejenigen die arbeiten, abgesehen von den wenigen, die von Kapitaleinkommen leben. Erwerbsarbeit wird unattraktiver. Wer keine innere Motivation hat zu arbeiten und keine Aussicht auf einen befriedigenden Job, lässt es sein und führt ein bescheidenes aber auskömmliches Leben des Müßiggangs. Das kann soziales Engagement einschließen, muss es aber nicht. Oder er widmet sich der relativ viel attraktiver werdenden Schwarzarbeit. Die Motivierten und Hochqualifizierten arbeiten weiter, auch wenn das Gehalt nach Steuern sinkt. Die Gesellschaft spaltet sich in Müßiggänger und Erwerbsarbeitende.

Es würde schwerer, Arbeitskräfte für unattraktive manuelle Arbeit zu finden. Die Löhne für diese Art von Arbeit müssten steigen, Mechanisierung zur Arbeitsersparnis würde zunehmen.

Die internationale preisliche Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen litte kräftig, wenn die Verfügbarkeit von Arbeitskräften deutlich geringer würde. Die Produktion würde sinken, die als Löhne, Steuern und Gewinne zu verteilenden Einnahmen würden schrumpfen. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass die Wähler ein Experiment mit einem bedingungslosen Grundeinkommen dieser Art bald wieder abbrechen würden.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Erwerbstätigkeit: Grundeinkommen macht Arbeit unattraktiv"

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  • Kein völlig unberechtigter Einwand von Adreng.
    Sobald dieser klevere Selbstständige jedoch mit anderen Wirtschaftssubjekten zu tun hat, hat er ein Problem.
    Die "exorbitant hohen Mehrwertsteuerbeträge" die er an andere entrichten muß wenn er seine benötigten Rohstoffe oder Sonstiges einkauft um sein Geschäft zu betreiben, wird er wiederhaben wollen.
    Das geht nur wenn er diese MwSt in seine Preise mit hinein kalkuliert und ehrlich abrechnet.
    Würde der Selbstständige beim Einkauf seiner Arbeitsmaterialen keine MwSt bezahlen müssen, würde er sich im Bereich der organisierten Wirtschaftskriminalität bewegen, so wie heute auch.
    Das wäre also kein Problem das durch das Konsumsteuermodell entsteht.

  • Wenn man "von diesem Grundeinkomen" WENIGER kaufen kann als von Hartz4

    wird Arbeiten gehen UNINTERESSANT ?

    Wenn der Author sein Gehalt nicht verdient hat, weil der Artikel schlecht ist,

    wird er in 4 Wochen eine andere Haltung dazu haben.

  • Ich sehe die Fianzierung des BGE leicht finanzierbar!
    Warum?
    Hierfür muss man nur Vorraussetzungen schaffen die die jetzige, teils extrem asoziale Realität abschaffen:
    - generell keine Steuervergünstigungen mehr für alles und jeden der jetzt im Genuss ebensolcher steht
    - Keinerlei Vergünstigungen mehr für Staatsbedienstete (siehe z-B. den aktuellen Fall Christian Wulff) und Pensionäre
    - Keine Einkommenssteuer mehr
    - Keine Benzin-, Tabak-, Strom-, Versicherungs-, usw. Steuer mehr auf Waren und Dienstleitungen

    Es gibt noch einiges mehr was man hier weiter ansetzen kann, eine Gegenfinanzierung wäre machbar bei einem Umsatzsteuersatz (Mehrwertsteuersatz) von z.B. 40 % welche JEDER BÜRGER - auch diejenigen die heute schon im Geld schwimmen - bei dem Kauf von Waren und Dienstleistungen zahlen müsste!
    Der Multimillionär, der sich seine 5te Limousine für 750.000 € netto kauft bezahlt ebenso 40 % darauf, wie ein ALG II-Empfänger (später dann nicht arbeitender BGE-Empfänger) der für 10 Cent/Stück netto Brötchen kauft.

    Jeder der in Deutschland dann irgendeine Leistung in Anspruch nimmt oder sich Waren kauft, wird so an der Finanzierung des Systems beteiligt - AUSNAHMSLOS, also auch Touristen und heutige Steuerflüchtlinge!

    Schwarzarbeit?
    Die macht doch dann eh keinen Sinn mehr - die Steuer muss bezahlt werden bei Allem was gekauft wird.
    Ich denke, das kein Unternehmer sich es eigentlich leisten kann selbst Diensteistungen und Waren bei seinen Lieferanten inkl. USt.(MwSt.) zu beziehen und er selber dann aber seine Leistungen ohne Berechnung der USt. anbietet und verkauft.
    Auszuschliessen ist dies natürlich nicht gänzlich aber ich denke, das hier eine Kontrolle relativ leicht umsetzbar wäre, da die Finanzämter aufgrund der dann extrem leichten Steuergesetzgebung etliche Mitarbeiter hierfür frei hätten.

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