Erzeugung überraschend stark gestiegen
Produktionsdaten nähren Aufschwungshoffnungen

Überraschende Nachrichten aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA): Die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe ist im Juli überraschend stark gestiegen. Die Branche habe saisonbereinigt 2,4 % mehr hergestellt als im Juni, teilte das BMWA am Freitag in Berlin mit.

HB BERLIN. Der stärkste monatliche Anstieg der deutschen Produktion seit drei Jahren hat die Hoffnungen auf einen baldigen Aufschwung genährt. Da aber Sondereffekte wie die Streiks in Ostdeutschland und die Lage der Ferien zu dem Zuwachs im Juli beitrugen, zeigten sich Experten uneins, ob damit schon der Startschuss für die wirtschaftliche Erholung gefallen ist.

Das Produzierende Gewerbe stellte 2,4 % mehr her als im Juni, wie das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) am Freitag mitteilte. „Wir haben uns jetzt aus der Rezession heraus bewegt“, kommentierte Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim das erste Produktionsplus seit Januar. Zuversichtlich stimmte Experten besonders der Zuwachs von 7,2 % bei den Investitionsgütern.

Thomas Hueck von der Hypo-Vereinsbank mahnte aber zur Vorsicht: „Die Erholung ist noch nicht in trockenen Tüchern.“ Ein durch die Lage der Ferien mitverursachter Einbruch der Autoproduktion im August lieferte dafür ein Warnsignal. Das BMWA verwies darauf, dass die Produktionsdaten für Juli wohl sogar noch nach oben revidiert würden. Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Zuwachs der Erzeugung um 0,8 % gerechnet, nach einem Minus von 0,4 % im Juni. Zuletzt war die Produktion im Juli 2000 mit einem Plus von 2,7 % stärker gestiegen.

Die deutschen Aktien reagierten nicht auf die Daten, der Dax verharrte im Minus. Nach der Rally der vergangenen Tage verbuchten die Anleger nun die Gewinne und hielten sich vor den US-Arbeitsmarktdaten zurück, sagten Händler.

Nachdem zuletzt Stimmungsindikatoren wie Ifo-Geschäftsklima oder Einkaufsmanagerindex die Hoffnungen auf einen Aufschwung zum Jahresende geschürt hatten, erkannte Ulla Lahl von der Mizuho Corporate Bank im Anstieg der Produktion den Beginn der Erholung: „Das Schlimmste haben wir hinter uns.“ Besonders der kräftige Anstieg der Investitionsgüterproduktion sei ein gutes Zeichen für zukünftige Investitionen.

Die Industrie stellte insgesamt 3,3 % mehr Güter her, der Bau produzierte sogar 3,7 % mehr. Die Produktion von Vorleistungsgütern stagnierte, während Konsumgüterproduzenten 2,6 % mehr herstellten. Nur im Energiesektor brach die Produktion um 8,3 % ein.

Einige Volkswirte blieben aber wegen der Sondereffekte im Juli skeptisch: „Ich gehe davon aus, dass wir durch den Streik schon eine Produktionsverlagerung von Juni auf Juli hatten“, sagte Hueck. „Der Streik war in den entscheidenden Bereichen im Westen zu spüren.“ In Westdeutschland legte die Erzeugung im Juli um 2,6 % zu, während sie im Osten um 0,5 % stieg. „Außerdem haben im Juli viele Ferien begonnen, und möglicherweise ist im Vorfeld noch einiges produziert worden“, sagte Hueck mit Blick auf den ungewohnt späten Ferienbeginn.

Unabhängig davon, wie die Experten die Juli-Daten bewerten: Einen merklichen Aufschwung erwarten sie erst zum Jahreswechsel. „Trotz des guten Starts dürfte das dritte Quartal noch nicht so gut ausfallen“, sagte Hueck. Doch auch wenn die Konjunktur sich im zweiten Halbjahr stabilisiert, für dieses Jahr erwarten Ökonomen bestenfalls eine Stagnation der Wirtschaftsleistung. Für 2004 prognostizieren die meisten Experten ein Wachstum von gut 1,5 %, die Bundesregierung von zwei Prozent.

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