Es gibt auch Chancen
Der hohe Ölpreis bedroht die deutsche Wirtschaft

Verbraucher und Unternehmen werden durch Rekordpreise für Öl und Benzin verängstigt. Der Preisanstieg hat sich nach dem Hurrikan „Katrina“ beschleunigt. Nun bedroht er das Wachstum der deutschen Wirtschaft.

HB FRANKFURT/M. Bislang hat die Konjunktur die massive Verteuerung des schwarzen Goldes ganz gut verkraftet. Der langsame Ölpreisanstieg, die moderate Inflation und die geringere Energie-Intensität der Industrie haben die Folgen erträglich gemacht - doch dabei wird es nach Expertenansicht nicht bleiben. „Die Ölpreise sind ein Desaster“, sagt der Chefvolkswirt der Commerzbank, Ulrich Ramm. „Dem Verbraucher wird direkt Kaufkraft entzogen. Der nächste Schock kommt auf die Menschen zu, wenn sie im Oktober ihre Heizöl-Tanks auffüllen.“

In der trügerischen Hoffnung, der Höhenflug der Ölpreise würde bald enden, haben sich viele Haushalte noch nicht mit Heizöl für den Winter eingedeckt und müssen das jetzt zu Höchstpreisen tun. Der Gaspreis ist ebenfalls an den Ölpreis gekoppelt. Das schröpft die Haushaltskasse. „Der Ölpreisanstieg wirkt ähnlich wie eine Steuererhöhung, mit dem Unterschied, dass die zusätzlichen Einnahmen in die Öl produzierenden Länder abfließen“, schreibt der Sachverständigenrat der Bundesregierung. Der Rekordwert von 70,9 Dollar je Barrel (159 Liter) vor wenigen Tagen überraschte selbst die Experten.

Die Auswirkung der hohen Ölpreise auf die Konjunktur sind nach Auffassung der Wirtschaftsforschungsinstitute bislang begrenzt. Grund dafür ist laut Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel unter anderem das boomende China-Geschäft und der Umstand, dass die Öl fördernden Länder die Einnahmen schnell investieren. Kaufkraft- Verluste im Inland würden so durch Exporte aufgefangen. Einig sind sich die Experten aber, dass dauerhaft hohe Energiepreise die Konjunktur dämpfen. Der Effekt trete durch Lagerbestände und Terminkontrakte normalerweise erst mit drei bis vier Quartalen Verzögerung ein, sagte Oliver Hülseweg vom ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in München.

Nach Schätzungen werden die Energiepreise die deutsche Konjunktur in diesem Jahr zwischen 0,3 und 0,5 Punkte Wachstum kosten. Die Wirtschaft kommt auch deswegen nicht richtig in Fahrt und wird nur um 0,8 bis 1,0 Prozent zulegen können. „Das dringend notwendige Anspringen des privaten Konsums ist in Gefahr“, sagt der Chefvolkswirt der DekaBank, Ulrich Kater. „Die Stimmung im Lande wird schlecht.“ Zwei Drittel der Wirtschaftsleistung entfallen auf die Konsumenten.

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