Essay
Inflation: Fehlanzeige!

Der starke Anstieg der Rohstoffpreise wird mit einer allgemeinen Geldentwertung verwechselt. Jetzt hektisch zu reagieren, macht die Lage nur noch schwieriger. Denn wir haben kein Inflationsproblem, wir haben ein Wachstumsproblem. Ein Essay.

Die Erdöl- und Nahrungsmittelpreise eilen von Höchstmarke zu Höchstmarke, gleichzeitig erodieren die Häuserpreise in den USA und in Großbritannien. Die europäische Exportwirtschaft erfreute sich bis vor kurzem voller Auftragsbücher, doch die internationalen Großbanken schlottern vor der Ankündigung ihrer Halbjahresresultate. Haben wir es nun mit einer Inflation, einer Konjunkturabschwächung oder gar mit Stagflation zu tun, also Inflation in Verbindung mit einer Rezession?

Versuchen wir erst einmal, begrifflich Ordnung zu schaffen. Preisveränderungen, auch wenn sie als Verteuerung von Gütern oder ganzer Gütergruppen happig ausfallen, müssen nichts mit Inflation zu tun haben. Inflation bedeutet eine allgemeine Tieferbewertung des Geldes gegenüber sämtlichen Gütern. Sie hat ihre Ursache nicht in realen Veränderungen der Knappheit von Gütern, sondern in der Menge des zur Verfügung gestellten Geldes. Wird die zu groß, sinkt der Wert des Austauschmittels.

Weshalb ist Inflation so schädlich? Sie hat verzerrende Auswirkungen auf Produktion und Konsum. Weil sich das Halten von Geld wegen der Entwertung nicht mehr lohnt, suchen die Leute Zuflucht bei Gütern, was zu einer Übernachfrage einerseits und zu einer Verknappung der Produktionskapazitäten andererseits führt. Preiserhöhungen sind die natürliche Folge.

Neben diesen volkswirtschaftlichen Verzerrungen führt die Inflation zu einer massiven Umverteilung zwischen Gläubigern und Schuldnern: Schulden entwerten sich laufend, und das Nachsehen haben jene, die auf den Wertbestand angewiesen wären, beispielsweise die Rentner. Inflation hat de facto einen enteignenden Effekt, weshalb sie auch zum Instrumentarium der Politik gehört.

So wie Inflation monetär entsteht, so kann sie auch nur monetär wieder im Keim erstickt werden. Nämlich dadurch, dass durch eine Verknappung der Geldmenge die Abwertungserwartungen des Publikums verändert werden. Das Mittel für diese Verknappung ist die Geldpolitik der Notenbanken. Die Vernichtung von gerade noch aufgebauten Kapazitäten und der Verlust von Arbeitsplätzen sind die Folge, Schrumpfung, soziale Unruhe: das also, was man Rezession nennt.

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