EU-Herbstgutachten
Brüssel hofft auf die deutsche Wachstumslokomotive

Ein Bündel positiver Konjunkturdaten bescheinigt der deutschen Wirtschaft Bestform. Die Wachstumslokomotive Deutschland könnte sogar schwerfällige EU-Mitglieder hochziehen, hofft die EU-Kommission. Zumal sich auch die Stimmung in der Eurozone im November aufhellt.
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HB BRÜSSEL. Die Stärke der deutschen Wirtschaft ist nach Ansicht der EU-Kommission ein großer Pluspunkt für die Konjunktur in Europa. Der Aufschwung Deutschlands könne sich in den kommenden beiden Jahren positiv auf andere Mitgliedstaaten auswirken, erklärte die EU-Kommission am Montag in Brüssel zu ihrer Herbstprognose.

Nach 3,7 Prozent Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland in diesem Jahr sagt die EU-Behörde für das kommende Jahr ein Plus von 2,2 Prozent und für 2012 von 2,0 Prozent voraus. Für die Euro-Zone erwartet sie 2011 ein Wachstum von 1,5 Prozent, das sich 2012 etwas verstärken soll auf 1,8 Prozent.

Der Wirtschaftsaufschwung in der Europäischen Union ist in diesem Jahr stärker als erwartet. Die EU-Kommission korrigierte ihre bisherigen Wachstumserwartungen nach oben. Erstmals seit 2007 soll es im Jahr 2012 wieder in sämtlichen 27 EU-Staaten Wirtschaftswachstum geben Die Prognosen lauten 1,7 Prozent Zuwachs 2011 und 2,0 Prozent im Folgejahr.

Der Aufschwung in der EU nimmt laut EU-Währungskommissar Olli Rehn Fahrt auf. Doch die Entwicklung sei in den einzelnen Mitgliedstaaten sehr unausgewogen, da sich viele angesichts hoher Defizite in einer schwierigen Phase der Haushaltskonsolidierung befänden. „Die Turbulenzen auf den Märkten für öffentliche Schuldtitel unterstreichen die Notwendigkeit solider politischer Maßnahmen“, erklärte Rehn. Die Sparpolitik werde kurzfristig die Inlandsnachfrage belasten und erst auf längere Sicht für mehr Vertrauen sorgen und sich positiv auswirken. Die Lage auf den Finanzmärkten bleibe ein besorgniserregender Belastungsfaktor.

Deutschland verzeichnete unter den großen Euro-Ländern die kräftigste Erholung nach dem Rezessionsjahr 2009. In der Gemeinschaft gewinne der Aufschwung an Fahrt, heißt es im Gutachten. „Aber die Fortschritte sind unausgewogen.“ Wie weit die Entwicklung in den Euro-Staaten auseinanderklafft, zeigt sich vor allem am Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosigkeit wird nach Prognose der EU-Kommission in Deutschland in den kommenden beiden Jahren deutlich sinken auf 6,7 und dann 6,3 Prozent. In Spanien verharrt sie dagegen 2011 mit rund 20 Prozent auf einem europaweiten Rekordhoch.

Die angeschlagenen Euro-Staaten Griechenland, Irland, Portugal und Spanien werden sich nach der EU-Prognose nur langsam von der Rezession erholen. In Griechenland und Portugal wird die Wirtschaft der Prognose zufolge 2011 um drei Prozent beziehungsweise einen Prozent schrumpfen. Spanien und Irland, den beiden weiteren Sorgenkindern in der Schuldenkrise, wird immerhin ein Wachstum von 0,7 beziehungsweise 0,9 Prozent zugetraut.

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  • Der Aufschwung in der EU nimmt laut EU-Währungskommissar Olli Rehn Fahrt auf.

    Vollkommen richtig. Unser derzeitiger, erfreulicher Export(boom)ist ausschließlich mit Kredit finanziert. Wir schicken die Schecks gleich mit, zumindest innerhalb der Euro-Zone und in die USA, mit denen dann unsere Waren bezahlt werden können.

    Wir arbeiten mit Löhnen, teilweise 50% niedriger, sogar als Aufstocker, damit unser Export boomt und die Abnehmer dann die Waren über Kredit finanzieren, mit unserem Geld aus. Auf Hochtouren laufen auch deshalb die Privatinsolvenzen in der bRD – jeden Monat einen neuen Rekord, weil sich mit den Dumpinglöhnen ihren bisherigen Lebensstandard viele nicht mehr leisten können.

    im Gegensatz dazu prahlte Griechenlands Finanzminister damit, dass es in keinem Land Europas eine solch hohe Dichte an Porsche Cayenne´s gibt, als in seinem. Und die 400PS werden nicht mit Wasser befeuert. So lange die Milliarden aus der EU illegal angezapft werden, alles no problem.

    Parasiten veruntreuen das Vermögen von uns Deutschen, das von uns, unseren Eltern und Großeltern mit viel Fleiß und harter Arbeit aufgebaut wurde. Und unsere Kinder werden noch in die Knechtschaft getrieben - alles zum Wohle ein paar Weniger.

    Und uns fällt nichts anderes ein, als zu Schimpfen, zu Kommentieren und tatenlos zuzuschauen. Selber schuld!!
    Seit Einführung des Euros geht es mit unserem Wohlstand nur noch abwärts. Seit 10 Jahren keine Lohnsteigerungen mehr bei uns, dafür um so mehr in allen anderen EU-Staaten.

    Wie konnten die iren, ein liebenswertes Volk von Schafzüchtern die Deutschen innerhalb weniger Jahre im Pro-Kopf-Einkommen überholen? Welche realen Güter werden dort erzeugt, dass einen solcher Wohlstandszuwachs erklärt werden könnte? Ach so, auch alles auf Pump. Und deren Raten dürfen wir jetzt auch bezahlen.

    Unser erträumter Aufschwung – eine Fata Morgana, der genau dann zu Ende ist, wenn Schäuble keine Schecks mehr innerhalb der EU zu verteilen hat und nächstes Jahr alle Konjunkturstrohfeuerpakete auslaufen. Neue Pakete gibt´s nicht mehr, weil jetzt die Staaten pleite sind. Das Geld für die Konjunkturpakete wurden nicht zum Aufbau und Modernisierung der industrie verwendet, das zum Abbau von Arbeitslosen geführt hätte, sondern zum Kauf von Träumen auf 4 Rädern Made in Germany – unser Exportboom. Eine Sackgasse.

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