EU-Herbstprognose
„Noch ist es zu früh, den Sieg zu verkünden“

Europa hat die konjunkturelle Wende geschafft: Die EU-Kommission erwartet 2014 und 2015 Wachstum in der Euro-Zone. Wegen der hohen Arbeitslosigkeit tritt EU-Währungskommissar Olli Rehn dennoch auf die Euphoriebremse.
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BrüsselDie EU-Kommission sagt der Euro-Zone eine konjunkturelle Trendwende voraus, aber nur einen allmählichen Aufschwung. „Es gibt zunehmend Anzeichen, dass die europäische Wirtschaft einen Wendepunkt erreicht hat“, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn am Dienstag zur Vorstellung der Herbstprognose der Brüsseler Behörde. „Es ist aber noch zu früh, den Sieg zu verkünden“, warnte Rehn. Die Haushaltskonsolidierung und die Strukturreformen hätten zwar den Weg für die Erholung geebnet. Die Arbeitslosigkeit, die derzeit auf einem Rekordhoch steht, bleibe jedoch auf einem nicht hinnehmbaren Niveau. So rechnet die Kommission für 2013 und genauso für 2014 mit einer Quote von voraussichtlich 12,2 Prozent. Für 2015 wird dann ein Rückgang auf 11,8 Prozent erwartet.

Im Frühjahr war die Wirtschaft in der Euro-Zone erstmals seit eineinhalb Jahren wieder gewachsen. Dennoch geht die EU-Kommission weiter davon aus, dass die Wirtschaft in den 18 Ländern im Gesamtjahr 2013 unterm Strich um 0,4 Prozent schrumpft. Für das nächste Jahr kappte sie ihre Prognose minimal und erwartet ein Wachstum von 1,1 (bisher: 1,2) Prozent. Für 2015 peilt die Kommission einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 1,7 Prozent an. Wegen der eingetrübten Konjunkturaussichten in Schwellenländern wie China werde der Währungsraum nur allmählich zu „solidem Wachstum“ zurückkehren. Größter Wachstumstreiber sei die Binnenkonjunktur.

Der deutschen Wirtschaft traut die EU-Kommission eine deutliche bessere Zukunft zu als der gesamten Euro-Zone. Die heimische Konjunktur dürfte 2013 um 0,5 Prozent anziehen, 2014 um 1,7 Prozent zulegen und 2015 ihr Wachstum auf 1,9 Prozent beschleunigen. Den meisten EU-Krisenstaaten wie Italien, Portugal und Griechenland sagen die Brüsseler Experten erst im nächsten Jahr wieder eine steigende Wirtschaftskraft voraus. Für Zypern und Slowenien soll es sogar erst 2015 wieder bergauf gehen.

Beim Abbau ihrer Haushaltsdefizite kommen die Länder der Euro-Zone nach Einschätzung der EU-Kommission nach den kräftigen Sparbemühungen der vergangenen Jahre künftig nur noch langsam voran. Bereits im laufenden Jahr schrumpften die Fehlbeträge in der Euro-Zone mit gedrosseltem Tempo um 0,6 Punkte auf 3,1 Prozent, teilte die EU-Kommission mit. Das Tempo dürfte in den kommenden Jahren weiter zurückgehen.

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  • Vorschlag des IWF der 10 % Zwangsenteignung der Vermlgenden, übrigens ohne Freibetrag. Die durchschnitteliche Staatsverschuldung steigt weiter an, bis 2014 auf knapp 100 % des BIP. Wer hier Erfolge seiht, ist manipuliert oder phantasiert oder einfach ideologisch verbohrt.

  • Zitat Rechner:
    Und nicht zu vergessen die inzwischen wieder ausgeglichenen Leistungsbilanzen von Italien, Spanien, Portugal und Griechenland.
    ______________

    Ihr Optimismus, es als Erfolg zu verkaufen, dass man in den Ländern gezwungen ist, den Einkauf auf ein absolutes Minmum runterzufahren, weil man keine Kohle mehr hat (und auch keine Aussicht auf Arbeit), um sich noch was zu kaufen (= Ausgleich Leistungsbilanz, womit die Einfuhr sich nun der Ausfuhr angleicht), ist schon herzerwärmend.

    Wir wissen ja, dass Sie es schaffen mit einem Laib Brot drei Monate durchzuhalten, nur ob man dies anderen auch abverlangen kann, besonders wenn sie Kinder haben, steht auf einem anderen Blatt.

  • Was haben die Griechen in ihrer Not getan???
    Sie sind zur Bank gelaufen und haben ihre Guthaben abgehoben..
    Und nun Deutschland, was nun????

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