Euro-Höhenflug
Neue Weltmacht

Die Bedeutung des Euro wächst: 15 Staaten und mehr als 318 Millionen Menschen gehören dem gemeinsamen Währungsraum an – in den nächsten Jahren dürften neue Länder hinzukommen. Der Euro attackiert den Dollar als wichtigste Weltwährung. Warum unser Geld so stark ist – und was der Euro-Höhenflug für Wirtschaft und Verbraucher bedeutet.
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Die MDM Münzhandelsgesellschaft hofft auf gute Geschäfte: Im Internet bietet das Braunschweiger Unternehmen Geldstücke an, die eigentlich noch gar nicht auf dem Markt sind. Den „bankfrischen Komplett-Satz mit allen acht Münzen von 1 Cent bis 2 Euro“ gibt es zum „Vorzugspreis von nur fünf Euro“. Das Besondere an dem Kleingeldpaket: Es kommt aus Malta und Zypern, und auf den Rückseiten sind neue Münzmotive zu sehen, zum Beispiel die prähistorische Figur des Idols von Pomos, das Malteserkreuz oder zyprische Mufflons.

Vom 1. Januar an dürften die neuen Münzen allerdings auch ohne Hilfe von MDM nach und nach in den Portemonnaies der Bundesbürger landen. Zum Jahreswechsel führen Malta und die Republik Zypern den Euro als neue Landeswährung ein. Viele Händler haben bereits begonnen, ihre Waren doppelt auszuzeichnen.

Ökonomisch mag der Familienzuwachs aus dem Mittelmeerraum eine Petitesse sein; Malta und Zypern tragen gerade mal 0,2 Prozent zur Wirtschaftsleistung der Euro-Zone bei. Gleichwohl hat der Beitritt Symbolcharakter für den ökonomischen und politischen Aufstieg der europäischen Einheitswährung. Mit Malta und Zypern wächst der gemeinsame Währungsraum in Europa auf 15 Staaten an. Für über 318 Millionen Menschen ist der Euro mittlerweile gesetzliches Zahlungsmittel – von Griechenland im Süden und Finnland im Norden bis hin zum französischen Übersee-Département La Réunion im Indischen Ozean. In den nächsten fünf Jahren dürften weitere Länder hinzukommen, ab 2009 will etwa auch die Slowakei mitmachen. Sogar Nicht-EU-Staaten setzen auf das europäische Geld: Montenegro und das Kosovo haben den Euro 2002 als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt. Weltweit sind mittlerweile elf Milliarden Banknoten und 70 Milliarden Münzen im Wert von über 645 Milliarden Euro in Umlauf.

Mit der räumlichen Verbreitung einher geht ein immenser Wertanstieg gegenüber dem US-Dollar, der bisher wichtigsten Weltwährung. Vor wenigen Wochen erreichte der Kurs mit über 1,48 Dollar ein neues Rekordhoch. Seit seinem Allzeittief im Oktober 2000 hat der Euro rund 80 Prozent an Wert gewonnen. Auch gegenüber dem Korb der 44 wichtigsten Handelspartnerwährungen legte er zeitweise um 32 Prozent zu.

Die Akteure an den Finanzmärkten verfolgen den Zweikampf Dollar gegen Euro mit Spannung. Die internationale Bedeutung des Euro steigt – und dies könnte mittelfristig die globale Währungsarchitektur durcheinanderwirbeln. Verblüfft registrieren die Amerikaner, dass ihr Greenback international an Reputation verliert, während sich der in den Staaten jahrelang belächelte Euro als Hartwährung profiliert. Genüsslich meldeten Gazetten in ganz Europa, dass sich das Top-Model Gisele Bündchen ihre Werbeverträge in den USA neuerdings in Euro auszahlen lässt. Irans Präsident Ahmadinedschad stichelte vergangene Woche auf dem Opec-Treffen in Riad in Richtung USA: „Sie bekommen unser Öl – und geben uns dafür wertloses Papier.“

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