Euro-Krise

Deutsche Exporte brechen ein

Die Euro-Krise macht sich nun auch im deutschen Außenhandel bemerkbar. Erstmals im laufenden Jahr sind die Exporte gesunken - und das deutlich und heftiger als Analysten erwartet hatten. Und das könnte noch nicht alles sein.
Update: 08.06.2012 - 09:18 Uhr 30 Kommentare
Über den deutschen Außenhandel ziehen dunkle Wolken auf. Die Euro-Krise macht sich bemerkbar. Quelle: dapd

Über den deutschen Außenhandel ziehen dunkle Wolken auf. Die Euro-Krise macht sich bemerkbar.

(Foto: dapd)

BerlinDie deutschen Exporte sind im April zum ersten Mal in diesem Jahr gesunken. Die sich verschärfende Schuldenkrise und das schwächere weltweite Wachstum dämpften die Nachfrage. Die Unternehmen verkauften 1,7 Prozent weniger ins Ausland als im Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Das war der erste Rückgang nach drei Anstiegen in Folge. Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit einem kalender- und saisonbereinigten Minus von 1,0 Prozent gerechnet. Von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragte Experten hatten sogar mit stabilen Einfuhren gerechnet.

Insgesamt setzten die Unternehmen im Ausland 87,1 Milliarden Euro um - 3,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Während die Ausfuhren in die gegen eine Rezession kämpfenden Euroländer um 3,6 Prozent zurückgingen, legten sie in die Länder außerhalb der Europäischen Union um 10,3 Prozent zu.

Die Wirtschaft muss in den kommenden Monaten weitere Rückschläge fürchten. Der exportabhängigen Industrie brachen die Auslandsaufträge im April um 3,6 Prozent weg. Das Exportwachstum, die stärkste Säule der Konjunktur in Deutschland, gerät ins Stocken, nachdem die Schuldenkrise mindestens acht Euroraum-Länder in die Rezession gedrückt hat.

Zuletzt lief es auch in den boomenden Schwellenländern deutlich schlechter:

Die chinesische Wirtschaft, der siebtgrößte Exportmarkt für Deutschland, schwächt sich ab, Indiens Bruttoinlandsprodukt legte zuletzt so schwach zu wie seit neun Jahren nicht mehr.. Und einige US-Währungshüter forderten weitere Stützungsmaßnahmen, nachdem die amerikanische Wirtschaft Zeichen von Schwäche zeigt und die Arbeitslosigkeit im vergangenen Monat gestiegen ist.

“Deutsche Unternehmen haben das Gefühl, dass die Auslandsnachfrage nicht so dynamisch ist wie zuvor und dass die Weltwirtschaft in eine schwächere Phase eintritt”, sagte Andreas Scheuerle, Ökonom bei der Dekabank in Frankfurt. “Die Schwäche kommt aus dem Euroraum, wo die Schuldenkrise nicht nur in Form von Haushaltskürzungen und Sparplänen zu spüren ist, sondern auch zunehmend Unsicherheiten bezüglich der Konjunkturperspektiven schafft, die sich in schwächeren Investitionen widerspiegeln.”

Der Handelsbilanzüberschuss verringerte sich im April auf 14,4 Mrd. Euro, nach 17,4 Mrd. Euro im März, geht aus den am Freitag veröffentlichten Zahlen hervor. Der Überschuss in der Leistungsbilanz belief sich auf 11,2 Mrd. Euro, nach 19,9 Mrd. Euro einen Monat zuvor.

Damit wurden Befürchtungen verstärkt, dass die deutsche Konjunktur durch die Schuldenkrise in der Eurozone geschwächt wird. Die deutschen Bundesanleihen haben am Freitagmorgen nach Bekanntgabe des Exportrückgangs deutliche Kursgewinne verzeichnet. Die Herunterstufung der spanischen Kreditwürdigkeit durch Fitch Ratings stärkte die Nachfrage nach den deutschen Staatspapieren ebenfalls.








  • rtr
  • Bloomberg
Startseite

30 Kommentare zu "Euro-Krise: Deutsche Exporte brechen ein"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Ratio 2 - 3 Kinder pro Versorgungsperson ist eine Untertreibung. Es gibt genaue Messungen hierüber, wo die Grenze liegt bei guter Versorgung. 6 Kleinkinder können problemlos von einer Versorgungsperson betreut werden (das ist auch logstisch etc. zu schaffen). Natürlich mit angepassten Räumlichkeiten.

  • Alter bei der Zuteilung von Spenderoganen als einziges Kriterium zu nehmen, greift der Sache viel zu kurz. Da sind schon eine Reihe verschiedener Faktoren, die man da beachten sollte. Dass Sozialberufe nur Kosten verursachen ist äusserst kurzfristiges Denken. Nehmen wir an, wir streichen das, weil ja nur Kosten (= kein Nutzen). Wie wird es dann in 15 Jahren aussehen? Ich glaube nicht, dass man es dann noch als Kosten bezeichnen würde, eher als eine Investition in die Zukunft des Landes. Und was die Altenpflege betrifft, so ist hier ein dringender Handlungsbedarf, um endlich die zu erwartenden Problem anzupacken oder doch zumindest eventuele Lösungen zu finden, wie das weitergehen soll.

  • Ja und wer sagt immer ja und Amen? Der Bürger!Dann fordern alle Volkentscheide, aber keiner hat eine Ahnung davon, wie es geht bzw. wäre auf Grund seines eigenen Engagements mal in der Lage, etwas durchzusetzen! Ergo: Das Volk ist meiner Erachtens zu dumm auch nur im Ansatz was zu ändern! Dann aus Frust z.B. Piraten zu wählen, wo jeden Monat der Parteivorsitz wechselt und wo niemand auch nur Annähernd in der Lage wäre, ein Land zu führen, ist m.E. auch Müll.
    Tatsache ist, das jedes Land am meisten auf sich schaut und Deutschland hat vom Euro auch sehr stark profitiert!
    Durch einen einheitlichen Binnenmarkt und eine Währung, die für alle gleich ist bei einem überdurchschnittlichem hohen Export ins Europäische Ausland kann Deutschland nicht klagen.

    Auch sollte man sich mal als Bürger überlegen ( gerade Ich als Bänker sehe es gut), welchen Teil man selber zu Krise beiträgt und nicht immer nur der Politik die Schuld in die Schuhe schieben!!! Ein einfaches Beispiel:

    In der jetzigen Niedrig-Zins-Zeit Zinsen vom einem KI in Höhe von 2% und aufwärts zu verlangen ist wirtschaftlich gesehen für die Banken nicht gut! Diese refinanzieren sich dann durch spekulative Geschäfte und zack ist wieder eine Bank in der Abwicklung!
    Und das selbst nach einer solchen großen Bankkenkrise, wo jeder um sein Geld weint und es nicht abgeben will!

  • Überschrift und Inhalt sind Zweierlei ...

    "Insgesamt setzten die Unternehmen im Ausland 87,1 Milliarden Euro um - 3,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Während die Ausfuhren in die gegen eine Rezession kämpfenden Euroländer um 3,6 Prozent zurückgingen, legten sie in die Länder außerhalb der Europäischen Union um 10,3 Prozent zu."


    Noch ist alles im grünen Bereich - zumindest für die international aufgestellte Exportindustrie.

  • Schön wärs - lesen Sie mal die Antworten auf Abgeordnetencheck.de - Politik ist nur noch eins: vorn läuft der Boss, alle blöken hinterher wie die Lemminge, zum Schaden des Volkes. Noch geht es uns halbwegs gut, vor dem Euro gings uns jedoch viel besser. Und die Politik geht nicht nach ökonomischer Vernunft, sondern bläht eine Utopie auf, die uns alle enteignet.

  • Das Interessanteste an desem Artikel: Die Rangfolge der wettbewerbsfähigsten Länder. Außer USA (Platz 2) und Deutschland (Platz 9) praktisch nur kleinere Staaten bzw. Volkswirtschaften unter den besten 10. Aber hierzulande wird einem weiß gemacht: Wir brauchen unbedingt die EU bzw. ein bürokratisches Monster als europäischen Superstaat. Das ist typisch sozialistisches bzw. etatistisches Denken. Die kleineren Länder sind im Gegensatz zu en Großen oft viel flexibler und ideenreicher. Deutschland müßte das eigentlich von seinem Mittelstand her kennen, da dieser viel besser aufgestellt ist, als die mit sich selbstbeschäftigten Konzerne mit ihren selbstverliebten "Managern"! Selbst die FDP ist hier viel zu "pro-europäisch"!

  • Der europäische Superstaat wird als Lösung gepriesen für ein Problem, dass ursächlich durch die Banken und das Finanzsystem verursacht wurde. Massgeblicher Spieler in Europa war dabei die EZB, die viel zu lange bei der prgastischen Kreditexpansion zusah, und den damit das Ansehen des Euros sehenden Auges aufs Spiel setzte.
    Der faschistoide EU Zentralstaat besorgte sein übriges. Brüssel, der grösste Puff Europas, Mühlstein der Demokratie, Zeit den Vatikan anzufufen und die Exorzisten ihre Arbeit tun zu lassen.

  • Es giubt nur eine Möglichkeit wie das nicht in Krig endet. Man kann Flächen zwischen den europäischen Staaten allenfalls tauschen. Denn sollte es ansonsten mal Ärger in Europa geben müsste der deutsche Bundeswehrler ja sein Häuschen in der Toskana verteidigen statt sagen wir mal die Zvilbevölkerung in Düsseldorf zu schützen. Das ist zwar alles inzwischen Nato wenn ich recht informiert bin aber ich bin mir sicher die Polen hätten - schon aus verständlichen historischen Gründen - was dagegen wenn die Deutschen in Polen Exekutive spielen dürften.

    @Hans Blix: Inspektion ist Frechigkeit.

  • Seitdem wir das Geld nicht mehr mitbringen, sinken die Exporte. Was für ein dummes Exportmodell. Lieber weniger arbeiten. Das bringt genauso viel. Bisher hat der deutsche Arbeitnehmer "malocht" wie blöd, nichts in der Tasche und finanziert dem Südländer noch seinen "Daimler". Schön blöd, kann man nur sagen. Gott sei Dank ist Schluss damit. Macht Urlaub Leute, am besten in den Südländern, natürlich auf Kredit vor Ort (Exportumkehrmodell), ihr habt es verdient.

  • 3/4 der Parlamentarier sind Christen, Katholiken mehrheitlich in der CDU, Protestanten in der SPD und den sonstigen, 66% der Deutschen und 72% der Europäer. Auf dem amerikanischen Kontinent ist noch dramatischer, da sind es 95%.
    Das Christentum regiert Europa ununterbrochen seit Bischof Wulfila die Goten missioniert hat. Lateranvertrag, Reichskonkordat - der Österreicher war ein Kirchensteuerzahler.

    Die Vorsicht mit Bürgschaften war in Deutschland gesundes Inhalat, bis die Ossis durchgebrochen sind.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%